Full text : Also sprach Bismarck. Band III. 1888 - 1898. (3)

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Kapellmeister  in  ein  längeres  Gespräch  und  leerte  ein  Glas
auf  sein  Wohl.  Der  Menge  dankte  er  durch  wiederholtes
Zuwinken.

Nach  Entgegennahme  der  ihm  von  Mitgliedern  des
Altonaer  Gesangvereines  dargebrachten  Huldigung,“’)  bemerkte
Bismarck:  „Ich  sehe  einige  ältere  Kriegskameraden  unter
Ihnen.“  Sich  an  einen  wendend:  „Haben  Sie  die  Unannehmlichkeiten
  bei  Orleans  mitgemacht?"

Kriegsveteran:  „Nein,  ich  war  bei  Le  Mans.“

Bismarck:  „Nun  da  haben  Sie  ja  auch  schlimme  Zeiten
erlebt.  Dort  war  es  wohl  am  bösesten,  Hunger  und  dabei
blaue  Bohnen.  Es  ist  doch  ein  schönes  Vergnügen,  die  Erinnerung
  an  das,  was  man  damals  erlebt  und  durchgemacht
hat,  wenn  man,  wie  heute,  im  Sonnenschein  steht.“

Ueber  sein  Befinden  befragt,  bemerkte  er:  er  befinde
sich  sehr  wohl,  gehe  jedoch  dieses  Jahr  nicht  nach  Kissingen.“)

Friedrichsruh,  4.  Mai  1894.
Gespräche  mit  Mitgliedern  des  holsteinischen  Kriegervereines.“


Bismarck  (nach  Entgegennahme  der  ihm  dargebrachten
Huldigung  die  Reihen  der  alten  Krieger  durchschreitend,

")  Cf.  mein  Werk:  „Die  Ansprachen  des  Fürsten  Bismarck“,
Bd.  II,  S.  26.

**)  Nach  einem  der  „Kölnischen  Zeitung“  im  April  1894
zugegangenen  Originalberichte  („Kölnische  Zeitung“  Nr.  303  vom
12.  April  1894)  pflegte  Bismarck  mit  besonderer  Besorgnis  von
der  durch  den  russischen  Handelsvertrag  zum  mindesten  nicht  verbesserten
  Lage  der  Landwirtschaft  zu  sprechen.  Betreffend  unsere
Kolonialpolitik  bedauerte  er,  daß  dem  von  ihm  besonders  hochgeschätzten
  Major  v.  Wißmann  kein  größerer  Wirkungskreis  eingeräumt
  worden  sei.  Betreffs  der  völlig  unbekannten  Hintermänner
  des  „Kladderadatsch“  (Fall  Holstein-Kiderlein)  erging
sich  sowohl  Bismarck,  als  auch  Graf  Herbert  mehrfach  in  ergebnislosen
  Vermutungen.

**)  Cf.  mein  Werk:  „Die  Ansprachen  des  Fürsten  Bismarck“,
Bd.  I,  S.  318.