Metadaten : Illustriertes Realienbuch.

—  98  —  III

E.  Kreis  der  Pflanzentiere  oder  Darmlosen.

Strahlige  Wassertiere  mit  einem  Hohlraum  für  die  Ernährung.  (Polypen
oder  Korallen;  gallertartige,  lebhaft  gefärbte  Quallen;  Badeschwamm.)

F.  Kreis  der  Strahltiere  oder  Stachelhäuter  (Seesterne).
G.  Kreis  der  Urtiere.  Winzige  Aufgußtierchen  oder  Infusorien.

Pflanzenkunde  oder  Votanik.

Man  unterscheidet  im  Pflanzenreiche  4  große  natürliche  Abteilungen.  Zur
1.  gehören  die  Schleimpflanzen,  die  aus  einem  Häusfchen  Schleim  bestehen
und  so  klein  sind,  daß  wir  sie  meistens  übersehen.  Die  gelben  Flecken  auf
alten  Baumstümpfen  oder  auf  Gerberlohe  bestehen  aus  solchen  Schleimklümpchen.
Die  2.  Abteilung  bilden  die  Lagerpflanzen.  Ihr  Körper  ist  lagerartig  ausebreitet,
  gliedert  sich  nicht  in  Stamm  und  Blatt  und  hat  niemals  echte  Wurzeln.
Die  kleinsten  unter  ihnen  vermehren  sich  durch  Teilung  oder  Spaltung  und  sind
jene  winzigen  Bazillen  und  Bakterien,  die  uns  oft  so  gefährlich  werden,
weil  sie  die  ansteckenden  Krankheiten  (Diphtheritis,  Cholera,  Typhus)  erzeugen.
Zu  den  Lagerpflanzen  gehören  auch  die  Algen,  von  denen  etliche  nur  mit
den  schärfsten  Vergrößerungsgläsern  erkannt  werden  können.  Andere  aber  sind
Riesen  des  Pflanzenreiches  und  reichen  aus  beträchtlichen  Tiefen  des  Meeres  bis
an  die  Oberfläche,  wo  sie  wie  grüne  Bänder  schwimmen.  Noch  formen=  und
artenreicher  sind  die  Flechten  und  Pilze,  wie  z.  B.  der  Rost  an  den  Blättern
und  Stengeln  vieler  Pflanzen,  der  Schorf  und  Schimmel  auf  den  Kartoffeln,
der  Meltau  auf  den  Blättern,  die  Hefe  im  Brot,  das  giftige  Mutterkorn
am  Roggen  und  die  schwarzen  Brandpilze,  die  das  Getreide  verderben.
Höhere  Pilze  sind  der  giftige  Fliegenpilz  mit  seinem  roten  Hut,  der  weiße
eßbare  Champignon  mit  dem  nußartigen  Geruch,  der  braune,  wohlschmeckende
Steinpilz,  das  kleine  eßbare  Gelböhrchen.  Von  den  Flechten  merken  wir
die  grüne  Bartflechte  an  alten  Waldbäumen  und  die  Renntierflechte  des
Nordens.  Zur  3.  Abteilung  des  Pflanzenreiches  gehören  die  Moose,  Farne
und  Schachtelhalme.  Der  grüne  oosteppich  des  Waldes  beherbergt
Tausende  von  Einzelpflänzchen,  die  wohl  Stengel  und  Blatt,  jedoch  keine  eigentliche,
  in  die  Erde  gehende  Wurzel  haben,  wie  die  Torfmoose  zeigen.  Die  Farne
aber  haben  eine  Wurzel,  wie  wir  an  dem  Tüpfelfarn  sehen.  Ein  gleiches
gilt  von  den  Schachtelhalmen,  wie  der  bleiche  Ackerschachtelhalm  zeigt.
Wurzel,  Stengel  und  Blatt  sind  also  hier  als  Teile  vorhanden;  wir  sehen,
wie  die  Planze  von  den  einfachsten  Formen  zu  immer  zusammengesetzteren
aufsteigt.  Die  Blüte,  aus  der  die  Früchte  reifen,  fehlt  diesen  Pflanzen;  darum
muß  ihre  Fortpflanzung  eine  andere  sein.  Bei  den  einfachsten  war  es  Teilung,
bei  den  zusammen  Geocbren  sind  es  die  Sporen.  Klopfe  das  obere  Stengelende
des  bleichen  Schachtelhalmes,  das  wie  eine  kleine  Ahre  aussieht,  auf  die  Hand!
Grüne  Stäubchen  bleiben  haften.  Sie  sehen  unter  starker  Vergrößerung  wie
kleine  Schläuche  aus.  Fallen  sie  auf  die  Erde,  so  keimen  sie  wie  Samenkörner-=Die

  4.  Abteilung  des  Pflanzenreiches  umfaßt  die  Blütenpflanzen.  Eine
vollständige  Blüte  umfaßt  4  Blattkreise;  sie  heißen  von  außen  nach  innen:
Kelch,  Blumenkrone,  Staubgefäße,  Stempel.  Kelch  und  Blumenkrone  bilden  oft
nur  einen  Kreis  und  heißen  dann  Blütenhülle  (Tulpe).  Diese  Blätter
schützen  die  zarten  Staubgefäße  und  Stempel  und  schließen  sich  deshalb  zur
Nachtruhe.  In  manchen  Blüten  fehlen  die  Stempel  (gelbes  Weidenkätzchen),
in  anderen  die  Staubgefäße  (grünes  Weidenkätzchen).  Dann  haben  wir
Staubgefäße  und  Stempelblüten  entweder  auf  einer  Pflanze  (Haselnußstrauch)
oder  auf  verschiedenen  Pflanzen  (Weide),  und  der  Wind  muß  den  Blütenstaub
auf  die  Narben  der  Stempel  tragen,  damit  eine  Frucht  reifen  kann  (Windblüters:
oft  thun  es  auch  die  Insekten,  die  Honigseim  suchen  (Insektenblüter).  Wenn  kein
Blütenstaub  auf  die  Narbe  kommt,  so  stirbt  die  Blüte  ab,  und  es  reift  keine  Frucht.

Die  einfachsten  Blüten  haben  die  Nacktsamer.  Dazu  gehören  unsere  Nadelbäume,
  deren  Samen  nackt  und  bloß  unter  den  Schuppen  der  Zapfen  liegen.