Volltext: Das glücklichste jahrhundert bayerischer Geschichte 1806-1906.

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hatten an ihren Gütern, die sie meistens als Zeit- 
oder Erbpächter bebauten, nur das Nutzungesrecht. 
Eine Lage, die alles wirtschaftliche Gedeihen hin- 
derte, keinen Sinn für Verbesserung des Anbaus, 
für volle Ausnützung des Bodens aufkommen 
ließ. Erst das Jahr 1848 brachte die wahre 
Bauernbefreiung mit der Aufhebung der Grund- 
herrlichkeit und der Fronden und der Ablösung 
der Zehnten. Mit der Grundherrlichkeit fielen 
auch die Reste der niederen Gerichtsbarkeit und 
der Verwaltung der Grundherren in ihren Hof- 
marken — solcher adeliger Güter mit Stand- 
schaftsrecht gab es 945 — und damit gewann 
der Staat erst seine volle Macht über das ganze 
Land zurück. Ein starker demokratischer Zug geht 
durch das letzte Jahrhundert. Mit der Auf- 
hebung der Leibeigenschaft hat 1808 die Eman- 
zipation des niederen Standes begonnen. In 
der ersten Hälfte des Jahrhunderts die Bauern, 
in der zweiten überwiegend die Handwerker und 
Fabrikarbeiter berührend, hat sie sich stufenweise 
durch das ganze Jahrhundert fortgesetzt, hat uns 
über die Erleichterung der Verehelichung und 
Ansässigmachung und über die Gewerbefreiheit 
bis zum allgemeinen direkten Wahlrecht, zur 
Riezler, Das glücklichste Jahrhundert 2