selben grünen Kleid dastehen; darum kommt der Herbst
und färbt es ihnen so schön bunt.“
Das leuchtete unserm Hans ein, denn Hans war eben
doch ein kleines Mädel und freute sich über jedes bunte
Band, das es tragen durfte. Warum sollten die Bäume
nicht auch solche Freude haben?
„Seht,“ sagte nun der Vater, „die bunten Kleider
sind die Festkleider der Bäume; die ziehen sie an, wenn
ihre Arbeit getan ist. Die Bäume haben auch ihre Arbeit.
Sie müssen Schatten spenden, wenn die Sonne heiß brennt,
und müssen Frucht bringen, damit die Vögelchen und die
kleinen Waldtierlein ihr Futter haben. Wenn die Bäume
diese Arbeit tun, tragen sie die grünen Arbeitskittel. Jetzt
haben sie ihre Früchte gebracht und brauchen nicht mehr
Schatten zu spenden. Darum dürfen sie ausruhen und
dürfen sich ihres Lebens freuen, und darum haben sie die
schönen bunten Festkleider angetan.“
Mit großen Augen und offenem Munde hatten Heinz
und Hans dem Vater zugehört. Ein klein Weilchen gingen
sie noch, ohne ein Wort zu sagen, neben den Eltern her
und sahen nach den buntgefärbten Bäumen. Dann rannten
sie wieder von dannen und trieben es wie vordem.
70. Der Brief.
„Klingling!“ rief die blanbe Glocke an der hHaustür.
Der kleine hans lief hin und machte auf. Das hatte er
schon gelernt. Da stand ein Mann im bunten BRock vor
ihm und sagte: „Hier, kleiner Mann, der ist für euch.“
Und er gab ihm einen Brief mit bunten Martken und ließ
ihn damit stehen. Aber da kam auch schon die Mutter,
und sie hatte nur eben hingesehen, so rief sie schon: „Oh,