412 G. Die Sprache der Schule und ihr Verhältnis zur Bolkssprache.
Kirchspielen des Amtes Bredsted sei die Volkssprache in sieben friesisch,
sehr mit dänisch (jütisch) gemischt, in allen Dörfern der beiden Kirchspiele
Viöl und Joldelund aber ganz, doch etwas verdorbenes Dänisch;
ebenfalls herrsche in den beiden Kirchspielen Olderup und Schwesing
im Amte Husum ganz das Dänische (Jütische); obwohl aus „damahlen
politischen, jetzt aufgehörten Absichten“ seit mehr als hundert Jahren
Gottesdienst. Schulunterricht, gerichtliche Bescheide und alle öffentlichen
Angelegenheiten für die Eingesessenen dieser vier Kirchspiele auf
deutsch geschähen, verständen zur Stunde die Mannspersonen wenig davon,
die Frauenspersonen aber zum Teil gar nichts. Hochst billig
und ganz der Gerechtigkeitsliebe Sr. Majestät angemessen, würde es daher
seines Bedünkens sein, wenn diese vier Kirchspiele sogleich dänischen
Gottesdienst, Schulunterricht und dänische Bescheide in ihren Angelegenheiten
erhielten, die sie verstehen könnten und wodurch auch ihr jetziger
Dialekt gereinigt und gebessert werden würde. Was ferner die
genannten 7 Kirchspiele im Amte Bredsted angehe, die friesisch sprächen,
sowie die beiden Kirchspiele Schobüll und Hattsted im Amte Husum,
und die Halligen der Landschaft Pellworm, wo ebenfalls friesisch gesprochen
werde, so dürfte die nachgerade Einführung des Dänischen als
noch mehr wie die deutsche verwandte Sprache“ nicht sehr schwierig sein.
Für die Propstei Gottorp erhob dagegen der Propst Boysen
in einem allgemeinen Bedenken prinzipiellen Widerspruch; unter anderm
führt er mit Berufung auf die obenerwähnte Verordnung des
Oberkonsistoriums vom 12. April 1768 aus, es sei eine Folge des
von der Regierung selbst ausgedrückten Willens, daß nun seit 50 Jahren
die deutsche Sprache beim Religionsunterricht in den Schulen geduldet
und gebraucht werde; die Prediger und Schullehrer hätten ihrer
Pflicht gemäß darauf hingearbeitet, die Mundart des gemeinen Lebens
(in den Schulen) in Abgang zu bringen und die Bekanntschaft mit
der (hochsdemschen Sprache zu fördern. Wolle jetzt die Regierung auf
einmal wieder der dänischen Sprache eine besondere Pflege zuwenden
und das, was man mittels des deutschen Unterrichts so mühsam aufgebaut
habe, niederreißen, so würde sie sich doch der größten Inkonsequenz
schuldig machen. Eigenartig war noch ein Vorgang, der
sich in Handewith abspielte. Um den geforderten Bericht über eine
cventuelle Einführung der dänischen Kirchensprache desto gründlicher