Full text : Handbuch für Preußische Verwaltungsbeamte. Zweiter Band. (2)

1534  Abschnitt  XLI.  Vermögensverwaltung  d.  kathol.  Kirchengemeinden.

8.  60.  Die  Beschlüfse  des  Kirchenvorstandes  und  der  Gemeindevertretung  bedürfen
  zu  ihrer  Gültigkeit  der  Genehmigung  der  staatlichen  Aufsichtsbehörde  1)  in
folgenden  Fällen?):

1.  bei  dem  Erwerb,  der  Veräußerung  oder  der  diuglichen  Belastung  von  Grundeigenthum:);


2.  bei  Veräußerung  von  Gegenständen,  welche  einen  geschichtlichen,  wissenschaftlichen
  oder  Kunstwerth  haben!):

bei  Anleihen  im  Sinne  des  §.  21  Nr.  4;

bei  dem  Bau  neuer,  für  den  Gottesdienst,  die  Geistlichen  oder  andere  Kirchendiener
  bestimmter  Gebäude  );

bei  der  Anlegung  oder  veränderten  Benutzung  von  Begräbnißplätzen;
bei  Einführung  oder  Beränderung  von  Gebührentaxen;

bei  Ausschreibung,  Veranstaltung  und  Abhaltung  von  Sammlungen,  Kollekten  2c.
für  kirchliche,  wohlthätige  oder  Schulzwecke  außerhalb  der  Kirchengebäude  );

8.  bei  einer  Berwendung  des  kirchlichen  Bermögens,  welche  nicht  kirchliche,  wohlthätige

  oder  Schulzwecke  innerhalb  der  Gemeinde  selbst  betrifft.

In  dem  Falle  zu  8  gilt  die  Genehmigung  als  ertheilt,  wenn  die  staatliche
Aufsichtsbehörde  nicht  binnen  30  Tagen  nach  Mittheilung  des  Beschlusses
widerspricht;

9.  bei  Umlagen  auf  die  Gemeindeglieder.

In  dem  Falle  zu  9  ist  die  Genehmigung  insbesondere  zu  versagen,  sofern
Bedenken  hinsichtlich  der  Ordnungsmäßigkeit)  der  Auferlegung,  der  Angemessenheit
  des  Beitragsfußes  oder  der  Leistungsfähigkeit  der  Pflichtigen  bestehen.

Wegen  der  Schenkungen  und  letztwilligen  Zuwendungen  bewendet  es  bei  dem
Gesetze  vom  23.  Februar  1870.

§.  51.  Der  Kirchenvorstand  bedarf  zur  Führung  von  Prozessen  keiner  Ermächtigung
von  Seiten  einer  Staats=  oder  Kirchenbehörde.

Atteste  über  die  Legitimation  des  Kirchenvorstandes  zur  Besorgung  von  Rechtsangelegenheiten
  oder  Atteste  über  das  Vorhandensein  derjenigen  Thatsachen,  welche
den  Anspruch  auf  Kostenfreiheit  begründen  3),  können  gültig  nur  von  der  staatlichen
Aufsichtsbehörde?)  ertheilt  werden.

§s.  52.  Die  staatliche  Aufsichtsbehörde?)  ist  berechtigt,  Einsicht  von  dem  Etat  zu

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1)  Die  Genehmigung  steht  aber  der  gerichtlichen  Geltendmachung  abweichender
Individualrechte  der  Gemeindeglieder  nicht  entgegen,  E.  Civ.  XII.  280,  287.

:)  Vergl.  Vd.  30.  Jan.  1893  (G.  S.  S.  13)  unten  S.  1537.

2)  Einer  besonderen  Genehmigung  zur  Auflassung  bedarf  es  daneben  nicht,
E.  K.  VI.  74,  VIII.  68.

4)  Darüber,  ob  dies  vorliegt,  ist  in  jedem  Falle  das  Urtheil  der  Centralinstanz
einzuholen,  Res.  3.  Nov.  1893,  U.  IV.  3969.  1

")  Nicht  aber  bei  Ersatzbanten,  Res.  24.  Juli  1876,  G.  II.  1219,  selbst  in  anderen
  Dimensionen  und  auf  einem  anderen  Grundstücke,  Res.  26.  Nov.  1894,  G.  II.
288.  Wegen  Erwirkung  allerhöchster  Gnadengeschenke  vergl.  Res.  8.  Dez.  1891  (C.
Bl.  U.  B.  1892  S.  369).

6)  Kollekten  innerhalb  der  Kirchengebäude  können  aber  im  Interesse  der  öffentlichen
  Ordnung  polizeilicher  Regelung  unterworfen,  z.  B.  von  der  Genehmigung  des

Oberpräsidenten  abhängig  gemacht  werden,  Erk.  O.  Trib.  21.  Dez.  1876  (O.  R.
XVII.  875).

7)  Bergl.  88§.  48,  49.

8)  Vergl.  Ges.  25.  Juni  1895  (G.  S.  S.  203)  §.  8,  4,  Ger.  Kostenges.  18  Juni
1878  (R.  G.  Bl.  S.  141),  Bd.  24.  Dez.  1883  (R.  G.  Bl.  1884  S.  1),  Ges.
24.  Juni  1875  (G  S.  S.  395)  §.  1  Abs.  2  und  E.  K.  IX.  139.

Die  den  Kirchen,  Pfarreien  2c.  gebührende  Freiheit  von  Kosten  steht  den  Kirchengemeinden
  nur  dann  zu,  wenn  sie  als  Eigenthümer  oder  Verwalter  des  jenen  Instituten
gewidmeten  besonderen  Vermögens  Partei  im  Streiwerfahren  siud,  nicht  aber  insoweit
sie  sonst  Rechte  der  Gemeinde  als  Korporation  verfolgen,  E.  O.  B.  XXI.  431.

7  D.  i.  der  Regierungspräsident,  §.  55  u.  Bd.  30.  Jan.  1893  (G.  S.  S.  13)
rt.  1.  3.