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erziehung untergebrachten Zöglingen die Anwendung der gleichen Zuchtmittel zu, welche den
Eltern (§. 1631 Abs. 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs) oder den Schulbehörden (Verfügung des
Ministeriums des Kirchen= und Schulwesens vom 25. März 1895, betreffend die Handhabung
der Schulzucht in den Volksschulen, Konsistorialamtsblatt S. 4829, Konsistorialerlaß
vom 6. September 1892, Konsistorialamtsblatt S. 4467) zukommen (zu vergl. auch
§. 127a der Gewerbeordnung, Reichsgesetz vom 26. Juli 1897, Reichs-Gesetzblatt S. 663).
B. Familienerziehung.
8. 13.
Dem verstärkten Ausschuß der Landarmenbehörde wird die sorgfältige Auswahl von
Familien, in denen Zöglinge untergebracht werden sollen, zur besonderen Pflicht gemacht.
Als geeignet ist eine Familie nur dann anzusehen, wenn sie hinreichende Sicherheit dafür
bietet, daß sie bei einfacher Haltung des Zöglings für die körperliche Verpflegung genügend
sorgen, eine günstige erziehliche Einwirkung fortgesetzt ausüben und jeden nachtheiligen
Giufluß, insbesondere von Seiten der bisherigen Erzieher, ausschließen werde.
Die Familie muß sich demgemäß eines guten Leumunds erfreuen, ein den eigenen Unterhalt
sicherndes Anskommen, eine geordnete Haushaltung, sowie eine gesunde und genügend
geräumige Wohnung haben und sich bereit erklären, den Zögling als Familienglied aufzunehmen.
Bei der Auswahl einer Familie soll hienach in erster Linie die Rücksicht auf die
Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit der Familie maßgebend sein.
Familien, welche Armenunterstützung beziehen oder sich in schlechten Vermögensverhältnissen
befinden, Schlafleute halten, gewerbsmäßig Kinder aufnehmen oder welche
sonst besorgen lassen, daß sie die Aufnahme des Zöglings zu eigennützigen Zwecken mißbrauchen
werden, sollen für die Regel nicht berücksichtigt werden.
Zur Ausfindigmachung geeigneter Familien wird es sich empfehlen, mit Kinderrettungsvereinen
und ähnlichen Vereinen zum Schutze hilfsbedürftiger Kinder in Verbindung
zu treten.
Auf alle Fälle hat der Vorsitzende der Landarmenbehörde über eine in Betracht
kommende Familie ein Zeugniß des Gemeindewaisenraths ihres Wohnorts einzuholen,
welches sich über die in dem beigefügten Formular aufgeführten Punkte auszusprechen
hat, und auch dem Pfarramt, sowie der Schulbehörde zur Aeußerung mitzutheilen ist.