Metadata : Zur Vorgeschichte des Weltkrieges.

Chamberlain  aus:  Ohne  Zweifel  sei  Deutschland  ein  gefährlicher
Wettbewerber,  aber  er  würde  sich  seiner  Landsleute  schämen,  wenn
sie  das  zur  Grundlage  von  Feindseligkeiten  machen  wollten;  die
deutschen  Freunde  dürften  nicht  denken,  daß  sie  England  die  Ka—
stanien  aus  dem  Feuer  holen  sollten,  in  einem  redlichen  Gedankenaustausch
  sei  festgestellt,  daß  es  sehr  wichtige,  beiderseitige  Interessen
  berührende  Fragen  gäbe,  in  denen  man  sich  auch  ohne  ein
allgemeines  Bündnis  verständigen  könnte  und  sollte.  Eine  Antwort
  darauf  lag  in  dem  Satze  einer  Reichstagsrede  Bülows  vom
8.  Dezember:  „Was  unser  Verhältnis  zu  England  angeht,  so  will
ich  heute  nur  dies  sagen  —  daß  es  allerlei  Fragen  und  mancherlei
Punkte  gibt,  wo  wir  mit  England  zusammengehen  können  und
gern  zusammengehen,  ohne  Schädigung  und  unter  vollster  Wahrung
  anderweitiger  wertvoller  Beziehungen.“  Ahnliche  Vorbehalte
zugunsten  Rußlands  hat  Bülow  regelmäßig  gemacht,  wenn  von
guten  Beziehungen  zu  England  die  Rede  war.

Der  Glaube  an  die  von  Chamberlain  betonte  Redlichkeit  der
englischen  Politik  wäre  damals,  in  der  Zeit  der  Burenbegeisterung,
gänzlich  vernichtet  worden,  wenn  die  Presse  von  einem  anderen
Geheimabkommen,  das  im  Jahre  1899  zwischen  England  und
Poringal  geschlossen  wurde,  Wind  bekommen  hätte.  Auch  der
deutschen  Regierung  blieb  der  sog.  Windsorvertrag  unbekannt.  Als
bei  den  Festen  zu  Ehren  eines  englischen  Geschwaders  in  Lissabon
(Dezember  1900)  der  König  von  Portugal  die  alte,  durch  neue
Akte  bekräftigte  Allianz  mit  dem  großen  Albion  pries,  glanbte  man
in  Berlin,  unter  den  neuen  Akten  sei  der  portugiesisch-englische
Grenzvertrag  von  1892  zu  verstehen,  der  England  ein  Vorkaufsrecht
  auf  die  Delagoabai  verlieh.  In  Wirklichkeit  war  der  Windsorvertrag
  gemeint,  der  erst  13  Jahre  später  der  deutschen  Regierung
mitgeteilt  wurde,  als  neue  Versuche  im  Gange  waren,  um  ein
Einvernehmen  zwischen  Deutschland  und  England  über  die  Ausführung
  des  Geheimvertrags  von  1898  und  zugleich  über  die
Vollendung  der  Bagdadbahn  herzustellen.

Seinem  Inhalt  nach  war  der  Windsorvertrag  eine  Bestätigung
alter  Verträge,  in  denen  sich  England  und  Portugal  gegenseitig
zur  Verteidigung  ihres  Besitzstandes  verbündet  hatten.  Die  neu
crlangte  Bürgschaft  brauchte  natürlich  Portugal  nicht  zu  hindern,

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