Die Getreuen von Doorn. 127
und es wie unsere Väter mit dir halten wollen bis zum letzten
Odemzug. Wir können nie vergessen, wie viel Dank wir
dir schuldig sind. Wir sehen auch jeden Tag, was für eine
Knechtschaft und was für erbärmliche Zustände wir unter
der „Republik“ für die goldene Freiheit eingetauscht haben,
deren wir uns in deiner Regierung erfreuten. Darum glauben
wir auch, daß Deutschland nie und nimmer wieder zurecht—
kommt, als bis das ganze deutsche Volk seinen Kaiser wieder
ruft.“
Aus den Kreisen Deutschlands in Nord und Süd, die so
denken, stammen die Getreuen von Doorn, die die Umgebung
ded Kaisers bilden. Ich habe sie kennen gelernt, und das
Herz schlägt mir höher, wenn ich an sie denke. Sie alle,
hoch und nieder, sind wie eine große Familie, die sich fest
um ihren Kaiser schart. Am schönsten kommt das zum Ausdruck
in der Morgenandacht, die der Kaiser jeden Tag hält.
Kurz vor neun Uhr versammeln sich alle, die zum Hause
gehören, Hofmarschall, Beamte, Gäste, Diener, Dienstboten,
in der Eingangoshalle. Punkt neun Uhr erscheint der Kaiser.
Er kommt in Joppe und hohen Schaftstiefeln, denn er hat
schon über eine Stunde im Freien gearbeitet. Er tritt an
das Evangelienpult aus Olivenholz von Jerusalem. Der
Mann, der einst Millionen geboten hat, waltet jetzt seineo
Hauspriesteramts, das in unserem Vaterlande leider so viele
Hausväter nicht mehr üben und dadurch mit schuldig sind
am Niedergang von Gottesfurcht und Frömmigkeit. Heiliger
Ernst liegt auf seinen Zügen. Er beginnt: „Die Gnade und
Wahrheit des Herrn waltet über uns in Ewigkeit. Gnade
sei mit und und Friede von Gott unserm Vater und dem