Metadata : Europäischer Geschichtskalender. Erster Jahrgang. 1860. (1)

Juli.  63

der  Forts  verursacht  hätte,  haben,  auf  Grund  der  ihnen  ertheilten

  Vollmachten,  nachfolgende  Convention  abgeschlossen:  1)  Die  kgl.

Truppen  werden  die  Stadt  verlassen,  ohne  bebelligt  zu  werden,  und  die

Stadt  wird  durch  die  sicilianischen  Truppen  besetzt  werden,  ohne  daß  diese

durch  die  königlichen  Truppen  beunruhigt  werden  können.  2)  Die  königl.

Truppen  werden  die  Forts  Genzaga  und  Castellaccio  binnen  2  Tagen  räumen.

  3)  Die  königl.  Truppen  werden  sich  einschiffen,  ohne  daß  sie  durch

die  Sicilianer  beunrubigt  werden  könnten.  4)  Die  königl.  Truppen  bleiben

im  Besitz  der  Citadelle  und  der  Forts  Den  Blasco,  Santerna  und  San

Salratere,  unter  der  Bedingung  jedoch,  daß  sie  in  keinem  Fall  der  Stadt

Schaden  zufügen,  außer  wenn  diese  Festungswerke  angegriffen,  oder  die

Angriffsarbeiten  in  der  Stadt  selbst  aufgeführt  würden.  Bleiben  diese  Bedingungen

    aufrecht  erhalten,  so  wird  die  Citadelle  es  unterlassen,  bis  zum

Aufhören  der  Feindseligkeiten,  ihr  Feuer  gegen  die  Stadt  zu  eröffnen.

6)  Der  Seehandel  bleibt  beiderseits  vollständig  frei;  demzufolge  werden

die  gegenseitigen  Flaggen  respectirt  werden.  Endlich  werden  die  Unterzeichner

  gegenwärtiger  Convention  die  Freiheit  haben,  sich  bezüglich  der

Bedürfnisse  zu  verständigen,  welche  sich  auf  das  bürgerliche  Leben  beziehen,

und  soll  denselben  hinsichtlich  der  königl.  Truppen  in  der  Stadt  Messina

genügt  und  dafür  gesorgt  werden“.

6000  Mann  königl.  Truppen  beziehen  in  Folge  dieser  Convention  die
Citadelle,  deren  Battericen  mit  300  Geschützen  versehen  sind.  Bei  12,000
Mann  werden  theils  nach  Neapel  eingeschifft,  theils  nach  Calabrien  übergesetzt.


31.  Juli.  Garibaldi  meldet  dem  Predictater  von  Palermo  den  Abschluß
der  Conventien  mit  General  Clary  von  „seiner  Batteric  von  14  Kano0
nen  in  Torre  di  Faro  aus“,  und  die  Uebergabe  der  Forts  mit  dem  Beifügen:

  „Die  Torre  di  Faro  bcherrscht  die  Mcerenge,  Salvatore  den

Hafen,  Gonzaga  liegt  auf  einem  der  Hügel,  welche  die  Stadt  umgeben“.

29.  Offener  Brief  des  Kaisers  Napoleon  an  seinen  Gesandten

in  England.

„Dank  dem  Mißtrauen,  welches  man  allenthalben  seit  dem  italieninischen
  Kriege  ausstreut,  scheint  mir  alles  so  verwirrt,  daß  ich  Ihnen  in
der  Heffnung  schreibe,  eine  offenherzige  Unterredung  mit  Lord  Palmersion
  werde  dem  bestehenden  Uebel  abhelfen.  Lord  Palmerston  kennt  mich,
und  wenn  ich  ctwas  mit  Bestimmtheit  sage,  so  wird  er  dem  Glauben
schenken.  Sie  können  ihm  also  in  meinem  Auftrage  auf  das  förmlichste
sagen,  daß  ich  seit  dem  Frieden  von  Villafranca  nur  Einen  Gedanken,  nur
Eine  Absicht  hegte,  nämlich  eine  neue  Aera  des  Friedens  zu  eröffnen  und
mit  all  meinen  Nachbarn,  besonders  aber  mit  England  in  gutem  Einverständniß
  zu  leben.  —  —  Ich  habe  seit  Villafranca  nichts  gethan,  ja  nichts
gedacht,  was  irgend  Jemanden  beunruhigen  könnte.  —  —  Ich  habe  1852
in  Berdeaux  gesagt  und  meine  Meinung  ist  noch  heute  dieselbe,  daß  ich
greße  Ereberungen  zu  machen  habe,  aber  in  Frankreich.  Seine  innere
Organisation,  seine  moralische  Entwicklung,  die  Zunahme  seiner  Hülfsquellen
  haben  noch  ungehenure  Fortschritte  zu  machen.  Da  ist  noch  ein
hinreichend  weites  Gebict  offen  für  meinen  Ehrzeiz  und  es  genügt  zu
meiner  Befriedigung.  Es  war  schwierig  für  mich,  mich  mit  England
wegen  Mittelitaliens  zu  verständigen,  da  ich  durch  den  Frieden  von  Villafranca
  Verpflichtungen  hatte.  In  Bezug  auf  Süditalien  bin  ich  von
leder  Verpflichtung  frei  und  ich  verlange  nicht  weniger,  mich  mit  England
über  diesen  Punkt  zu  verständigen,  wie  über  die  andern.  Aber  wollen
dech  um  des  Himmels  willen  die  hervorragenden  Männer,  die  an  der
Sxitze  der  englischen  Regierung  stehen,  die  kleinlichen  Eifersüchteleien  und
das  ungerechtfertigte  Mißtrauen  bei  Seite  lassen;  verständigen  wir  uns
doch  loyal,  wie  ehrbare  Leute  wie  wir  thun  sollen,  und  nicht  wie  Diebe,