370 Beutsches Reich. (März 29.)
den Grundsatz befolgen, uns in die inneren Verhältnisse anderer Länder
nicht einzumischen. (Lebh. Bravo l.) Von mißwollender Seite wird auch
jetzt wieder mit allen erdenklichen Mitteln in der Welt verbreitet, Deutschland
wolle die kaum errungene Freiheit des russischen Volkes vernichten,
Seine Mojestät der Kaiser wolle die Herrschaft des Zaren über die geknechteten
Untertanen wieder herstellen. Meine Herren, diese Ausstreuungen
sind eitel Lüge und Verleumdung (Bravo! und Hört, hörtl), was ich
bHiermit ausdrücklich feststelle. (GHört, hört! links.) Wie sich das russische
olk sein Haus einrichtet, ist ausschließlich seine eigene Angelegenheit (Lebh.
Zustimmung l.), in die wir uns nicht einmengen. Das einzige, was
wir wünschen, ist, daß sich in Rußland Zustände entwickeln
möchten, die es zu einem festen und gesicherten Bollwerk des
Friedens machen. (Lebh. Bravo! l.) Trägt die Neuordnung der Dinge
dazu bei, die Wiederannäherung der beiden auf gute Nachbarschaft angewiesenen
Völker zu erleichtern, so begrüßen wir das mit Freuden. (Bravol)
Wir haben unter den Sünden des alten Rußlands, das Serbiens Mordanschlag
gegen Oesterreich-Ungarn gedeckt, im Juli 1914 gegen uns mobil
gemacht, das im Dezember 1916 als erster unserer Feinde unser Friedensangebot
höhnisch abgelehnt hat (Hört, hört! r.), selbst genug gelitten. (Sehr
richtig! I.) Das russische Volk, das diesen Krieg gewiß nicht gewollt hat,
kann ohne Sorgen von irgendwelcher Einmischung von unserer Seite sein.
(Lebh. Beffall.) Wir begehren nichts anderes, als möglichst bald wieder
in Frieden mit ihm zu leben, in einem Frieden, der auf einer für alle
Teile ehrenvollen Grundlage aufgebaut ist. (Lebh. Bravol l.)
M. H., in den nächsten Tagen versammeln sich die Vertreter des
amerikanischen Volkes, die vom Präsidenten Wilson zu einer außerordentlichen
Sitzung des Kongresses zusammenberufen sind, um über die
Frage von Krieg und Frieden zwischen dem amerikanischen und dem deutschen
Volke zu entscheiden. Deutschland hat niemals die geringste Absicht gehabt,
Amerika anzugreifen, und hat diese Absicht auch heute nicht. Es
hat niemals den Krieg mit Amerika gewünscht, ebensowenig wie es das
heute tut. Aber wie ist denn der Hergang gewesen? Wir haben den Vereinigten
Staaten mehr als einmal gesagt, daß wir auf die unbeschränkte
Anwendung der U-Bootwaffe in der Erwartung verzichteten, daß England
dazu gebracht werden würde, bei seiner Blockadepolitik die Gesetze der
Menschlichkeit und die internationalen Abmachungen zu beobachten. Diese
englische Blockadepolitik — daran möchte ich ausdrücklich erinnern — ist
vom Präsidenten Wilson und vom Staatssekretär Lansing selbst als ungesetzlich
und nicht zu verteidigen (Hört, hört! l.) als illegal und indefensible
bezeichnet worden. (Hört, hört!) Unsere Erwartungen, die wir
acht Monate lang aufrecht erhielten, wurden bekanntlich völlig enttäuscht
(Sehr richtig! l.), England hat seine ungesetzliche und nicht zu verteidigende
Blockadepolitik nicht nur nicht aufgegeben, sondern andauernd verschärft.
Es hat in Gemeinschaft mit seinen Verbündeten unser Friedensangebot
hochmütig abgewiesen und Kriegsziele proklamiert, die auf unsere und
unserer Verbündeten Vernichtung hinauslaufen. Da haben wir zum unbeschränkten
U-Bootkrieg gegriffen und zu ihm greifen müssen. (Sehr richtig!
k.) Sieht das amerikanische Volk hierin einen Grund, dem deutschen Volke,
mit dem es über hundert Jahre in Frieden gelebt hat, den Krieg zu erklären,
und will es damit das Blutvergießen verlängern, wir sind es nicht,
die die Verantwortung dafür tragen. (Sehr richtig!) Das deutsche Volk,
das gegenüber Amerika weder Haß noch Feindschaft empfindet, wird auch
dies zu ertragen und zu überwinden wissen. (Lebhafter Beifall.)
M. H., die chinesische Regierung hat ihre Beziehungen zu uns