374 Heuistes Neig. (März 29.
handelt worden. Auch die Haltung des Botschafters Gerard wäre sehr
sonderbar gewesen.
Staatssekretär des Auswärtigen Amts Zimmermann: Der Abg.
Werner hat Beschwerden gegen den früheren Botschafter Gerard vorgebracht.
Diese Beschwerden send mir bekannt, und der Botschafter hat sie
mir selbst gegenüber zur Sprache gebracht und sich darüber beschwert. Es
handelt 1 um einige Amerikaner, die seine erbitterten Gegner waren.
Sie hatten einen Bund gebildet, den sogenannten Wahrheitsbund. Sie
aben von Zeit zu Zeit Schriften gegen den Botschafter losgelassen, und
ich bin selbst mit derartigen Schriften beehrt worden. Der Botschafter hat
sich selbst über diese Schriften beschwert und gewünscht, daß ich gegen
diese Herren polizeilich oder gerichtlich vorgehe. Ich bin diesen Beschwerden,
soweit sie gegen den Botschafter erhoben waren, und sich auf Gegenstände
bezogen, die für uns von Interesse waren, natürlich nachgegangen und
habe gefunden, daß sie grundlos waren. Soweit es sich um Differenzen
zwischen dem Botschafter und amerik. Staatsangehörigen handelte, glaubte
ich die Sache den Beteiligten überlassen zu sollen. Ich hielt es für meine
Pflicht, solange der Botschafter hier war und eine Großmacht vertrat, mit
der wir den aufrichtigen Wunsch hatten, die Beziehungen weiter zu pflegen,
ihm mit der Achtung zu begegnen, wie es einem Botschafter zukommt.
Abg. Dr. Werner--Gießen (Di. Fr.) glaubt, daß die von ihm vorgebrachten
Beschwerden nicht widerlegt seien.
Staatssekretär des Auswärtigen Amts Zimmermann: Ich habe die
Sache schon aufgeklärt. Die Person des Botschafters unter allen Umständen
zu schützen, war meine Pflicht als Staatssekretär des Auswärtigen Amts.
Es ist die Pflicht des Auswärtigen Amts, die Beziehungen mit den Vertretern
fremder Staaten zu pflegen. Diese berichten die Eindrücke, die sie
hier gewinnen, und ich mußte auch aus diesem Grunde dem Botschafter
Gerard freundlich entgegenkommen, weil ich wünschte, daß er günstige Eindrücke
bekomme. Es lag mir daran, die guten Beziehungen zwischen Deutschland
und Amerika zu erhalten und einen Bruch möglichst zu vermeiden.
Zur Aufnahme der Darlegungen des Reichskanzlers im feindlichen
Ausland bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg.“ unterm 2. April
u. a.: Aus dem feindlichen Ausland liegen zur letzten Rede des Reichskanzlers
eine Reihe von Aeußerungen vor, die zwei bemerkenswerte Tendenzen
haben: die eine geht dahin, einer für die Entente ungünstigen
Wirkung der Reichstagsverhandlungen nach Rußland hin entgegenzuarbeiten,
die andere ist von der seltsamen Vorstellung getragen, der
Entente könnte es möglich sein, bei uns zwischen Kaiser und Volk
einen Keil einzutreiben! Nach beiden Richtungen hat sich der
englische Blockademinister Robert Cecil in einer Unterredung versucht,
die außerdem noch den Zweck verfolgte, die Stimmung in Amerika mit
Rücksicht auf die bevorstehende Kongreßsitzung zu bearbeiten. Daher häuft
er nochmals Verdrehungen und Entstellungen der gröbsten Art zusammen,
um der klaren und einfachen Beweisführung des Reichskanzlers über die
Geschichte des U--Bootkrieges den Eingang in amerikanische Köpfe zu versperren.
Wir müssen es den Amerikanern überlassen, sich ihren eigenen
Vers darauf zu machen. Rußland gegenüber beobachten wir bei allen engl.
Aeußerungen das geradezu groteske Bemühen, die Tatsache aus der Welt
zu schaffen, daß nicht Deutschland, sondern England und Frankreich die
Verbündeten des Zarismus gewesen sind. Die Energie, mit der sie jetzt
den alten Bundesgenossen verleugnen, erklärt sich allerdings zwanglos aus
ihrem Bedürfnis, auch das neue Rußland in der Hand zu behalten. Aus
Petersburg liegen einige durch die Petersburger Telegraphenagentur