Napoleon III. als Gehilfe Bismarck's, 46
Bismarck hatte dagegen das Einvernehmen mit Frankreich
und Rassland zugleich aufgenommen und pflegte in letzterem
den Rückhalt, auf den er sich, falls ihm aus dem Verständniss
mit Frankreich Gefahren erwüchsen, zurückziehen könnte. Das
unterschied ihn von Pourtales und andern Häupternm der neuen
Ära, unterschied ihn ebenfalls von Cavour, dem während des
Spiels mit Napoleon eine alte Freundschaft seines Landes mit
der nordischen Macht nicht zur Seite stand.
Diese Doppelallianz Bismarck’s machte es ihm auch möglich,
sich durch eine Aufsehen und Erstaunen erregende Offenheit von
Cavour zu unterscheiden. Während dieser im Geheimniss eines
französischen Bades seinen Plan zur Reife bringen musste, konnte
Bismarck zwei Höfe und Cabinette mit seinen Entwürfen unterhalten,
welche diesen für ihre Pläne gegen Österreich, der Verranntheit
Napoleon's, seiner Fortsetzung der alten königlichen,
republikanischen und altkaiserlichen Politik Frankreichs gegen
das Haus Habsburg, und dem Revunchedurst Russlands für
Österreichs Abfall vom Haupt der heiligen Allianz (im Krimkrieg),
die lachendsten Aussichten eröffneten.
Bereits in den letzten Jahren seiner Frankfurter Amtsthätigkeit
hatte er den Collegen am Bundestage mit seiner Ankündigung
eines Bruchs mit Österreich und mit seinen Belehrungen
über Deutschlands Interesse an den italienischen Leistungen
Napoleons Räthsel aufgegeben und dazu die Lösung
geschenkt. Kaum war er jedoch als Nachfolger des verstorbenen
Pourtales und zur Recognoscirung des französischen Terrains seit
Ennde des Mai 1862 in Paris und im Kreise Napoleon’s mit dem ungewöhnlichen
unterm Schein tollkühner Wagchalsigkeit vorgetragenen
Offenbarungen seiner Pläne familiär und für Napoleon ein brauchbarer
Gehilfe geworden, als die Nachricht von der Bescheerung,
die er Deutschland zugedacht hatte, sich in die weite Welt verbreitete.
Seine eigene Eingebung stand schwerlich dem Artikel.
fern, mit dem ihn das „Journal des Debats" als ein Gestim
der Zukunft dem politischen Publikum ankündigte. Zwar bemerkt
die „Kreuzzeitung“, die am 19. Juni den Aufsatz in vollständiger
Übersetzung brachte, dass „einzelne Unrichtigkeiten und falsche
Äusserungen den französischen Ursprung verrathen“, allein, abgesehen
von den pflichtschuldigen Schmeicheleien für den Kaiser
der Franzosen, ist der Hauptinhalt mit Bismarck's damaliger
Situation nnd Absicht, die Änderung der deutschen Verhältnisse