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Ebrenmann, wurde von den preußischen Behrrden
(nach der Uebernahme) nach dem benachbarten
Städtchen B. (Barth?) geschickt, um nachzusehen,
wie die Gelder der Unmündigen verwaltet
würden. Sein Besuch kam den Herren in
B. sehr ungelegen. Sie fügten sich indes und
mußten sogar den „Depositenkasten", die Kasse
der ihnen anvertrauten Mündelgelder, aufschließen.
Er hatte aber nicht mir keinen Inhalt,
sondern — gar keinen Boden, die Gelder wurden
besser benutzt: die Herren spekulierten damit.
Ich habe oft von dem B.'er Depositenkasten
gehört, der keinen Boden
gehabt hat.
Aber nicht nur die Beanmten, sondern auch
die Kaufleute gingen mit gemischten Gefühlen
zu den neuen Verhältnissen über. Auch sie fürchteten,
daß ihnen durch die straffe preußische Marktund
andere Ordnungen mancher Profit entgehen
wirde, der ihnen bis dahin bei den alten Mißbräuchen
in den Schoß fiel.
Anders die Bauernl! Ihnen war es gleichgiltig,
ob sie preußisch oder schwedisch regiert wurden.
Bekannt dürfte sein, daß, als die Leibeigenschaft
ausgehoben wurde, die rügenschen Bauern mit
ihrer Freiheit unzufrieden waren und die Rückehr
zu den alten Zuständen verlangten. Bei der Huldigung
in Stralsund hatte man indes das Bedürfnis,
neben den Rittern auch die Bauern vertreten
zu sehen. In späteren Zeiten erzählte man sich
über das Verhalten der Bauern bei dem Huldigungsmahl
allerlei lustige Geschichten, um ihre politische
Unreife zu beweisen. So soll ein Bauer
beim Herumreichen von Eis einen großen Loffel
zum Munde geführt und sich in die äuberste Verlegenheit
gebracht haben. Ein anderer Bauer soll
die Weinblätter beim Nachtisch mit verzehrt haben.
Ferner erzählte man damals von einer rügenschen
Bauernfrau, daß sie ihre Kaffeebohnen wieder zurückgebracht
hat, weil ste trotz langen Kochens nicht
weich wurden und auch nicht als Schweinefutter
zu gebrauchen seien. —
Alle diese Zustände ließen sich nicht mit einem
Schlage ändern. Erst durch spystematische Arbeit
mite Preußen dahin wirken, das neuerworbene
Gebiet fester an Preußen zu knüpfen. Trotzdem ist
Neuvorpormern recht stiefmütterlich behandelt worden,
sodaß es in der Entwickel ung anderen
Landesteilen gegeniber zurückgeblieben ist.
Bei der ersten von Preußen vorgenommenen Volkszählung
(1816) zählte Neuvorpommern 125 988
Einwohner. Nach 50 Jahren (1864) war die Einwohnerzahl
um 87 153 Personen gewachsen. Dagegen
beträgt das Wachstum in den letzten 50 Johren
(bis 1910) nur 14 007 Personen. Man kaim
nicht annehmen, daß das langsame Wachstum Neuvorpommerns
in der letzten 50 Jahren durch Geburtenrickgang
oder vermehrte Sterblichkeit zu begründen
sei. Man muß vielmehr nach anderen
Gründen suchen. Diesen Gründen wird man nöher
— — Anser DPommerlans
kommen, wenn man das Wachstum von Stadt und
Land mileinander vergleicht. Die Stüdte Neuvor—
pommerus weisen, wie Mar Radicke kürzlich im
„Strals. Anz.“ nachwies, folgende Bevöolkerungsbewegung
auf:
1816 1864 1910
Barth 3872 6001 7505
Bergen 2085 3685 4146
Damgarten 849 2025 1646
Franzburg 676 1585 1526
Garz 1156 2219 1960
Greifswald 7337 16910 24679
Grimmen 1658 3185 4037
Gützkow 997 1988 1969
Lassan 1252 2590 2110
Loitz 1650 3921 3846
Richtenberg 998 2s150 696
Stralsund 19096 24457 33088
Tribsees 1673 3647 3394
Wolgast 4053 6637 8211
42352 81000 100713
Einen Rückgang haben demnach vornehnmlich die
kleinen Landstädte: Damgarten, Franzburg, Garz.
Gützkow, Lassan, Loitz, Richtenberg und Tribsees
in den letzten 50 Jahren aufzuweisen, während die
größeren Städte — verhältnismäßig den größten
Zuwachs hat Greifswald zu verzeichnen — zugenommen
haben, jedoch auch nicht in dem Maße,
wie in den ersten 50 Jahren, unter preußischer
Herrschaft.
Auch die ländliche Bevölkerung hat, wie die
Bewohnerschaft der Landstädte,
Jahren abgenommen.
in den letzten 50
Die vier Landkreise weisen
folgende Bevölkerungsbewegung auf:
1816 1864 1910
Franzburg 440661 71422 12189
Greifswald 31195 55069 41179
Grimmen 22598 39483 360954
Rügen 28134 47147 48159
125988 213121 168481
Der starke Rückgang der Landkreise Franzburg
und Greifswald erklärt sich zunächst durch das Ausscheiden
der Städte Stralsund und Greifswold
Nach Abrechnung der städtischen Bevülkerung betrug
die Einwohnerzahl der ländlichen Ortschoften
der neuerworbenen Gebietsteile im Jahre 1816:
83636, 1864: 132121 und 1910: 123435 Einwohner.
Während also in den ersten 50 Jahren die
Einwohnerzahl um 48485 Personen zunahm, trat
in den letzten 50 Jahren eine Verminderung von
8686 Personen ein.
Es bleiht deimnach als Tatsache bestehen: Das
vlatte Land und die kleinen Landstädte
haben in den letzten 50 Jahren
an Ein wohnern abgenommen,.
während die Städte eine bescheidene
Zunahme erfahren haben, die