Ersatzbataillone und in Kürze wieder ln die Front gesteckt, um den Schreckenekrieg
des Westens zu lernen und zu führen ... Daß aus diesem Holze keine
Sturmsoldaten mehr geschnitzt werden konnten, sondern höchstens DOeserteure,
Orü#ckeberger und Hetzer, das mußte jedem wilrklichen Kenner des „Mannes
#lm Graben“" klar sein. Aber Ludendorff sah nur auf die Zahl. Ihm war ein
Soldat ein Soldat.
Habel sprachen doch auch zu lhm dle Zeichen der Zeit lhre unüberhörbare
Sprache. Der Verfall der Manneozucht spielte in allen Berichten selne ungern
gesehene Rolle. Nicht nur, daß das Zurückgeben der Angriffefreudigkelt sich bei
den Kämpfen in der Lpeniederung unverkennbar auegesprochen hatte — die
Klage riß nun nicht mehr ab, daß dem Soldaten das Suchen nach Lebenemitteln
wichtiger geworden sel als der Kampf. .. Und seldst der Wert des Offizierkorps
hatte offensichtlich nachgelassen. Die Besten waren hinweggemäht, der Nachwuchs
ließ ln Ausblldung und Haltung zu wünschen übrig. Has Mark der Nation
war verbraucht.
Gewiß: das Heer in seiner Gesamtheit „war noch ln Zucht und Ordnung
und hatte doch den Feind geschlagen“. IZn krampfbaftem Optimiemue boffte
Ludendorff, „das Pflichtgefühl und der Sliegeswille des Heeres würden stark
genug sein, die vielen ungünstigen Einflüsse zu überwinden". Diese Hoffnung
bat lhn wahryaftig nicht getrogen. Aber daß ein Heer mit also schwindenden
Kräften wohl noch den Sleg, aber schließlich nicht mehr die Alederlage ertragen
würde, war llar. Und gespenstisch tauchte hier und dort in den von Strapazen,
Hunger und Enttäuschungen bin- und wldergezerrten Kämpferscharen ein unbelmlicher
Gast auf. Cholera, Topbus, Pocken, einst die ständigen Begleiterinnen
dee Krleges — sie alle hatte die Kunst der modernen Lagerärzte dem Welttriege
ferngehalten. Nun tauchte ein Feind auf, der ihrer Schutzmittel spottete: die
Erippe.
Und dabei kam es jetzt mehr als je darauf an, höchste Leistung aus der
Armee berauszuholen. In der knappen Frist elnes Monate soliten die tlefgreifenden
Folgen einer beispiellosen Anstrengung verwunden und noch die Vorbedingungen
neuer Großtaten geschaffen werden! Und hler war Ludendorff
in selnem Element. Selne dämenische Schaffenekraft durchdrang den ganzen
Organiemus des Westheeres noch einmal mit mächtigem Auftrieb. Die Erfabrungen
der letzten Kämpfe wurden in Schnellkursen den Führern entwickelt.
Vor allem kam es darauf an, kelnen Angriff mehr über Gebühr auszudehnen,
wenn dle feindliche Verteidlgungskraft zu erstarken begann — dann aber mußte
dem Ubergang zur Verteidigung durch schnelles Einrichten neuer Abwehrstellungen
Festigkelt verllehen werden. An Auerüstung und Auebildung wurde in diesen
vler sogenannten Ruhewochen fieberhaft gearbeitet.
Man mag an Ludendorffe Entschlüssen, wle an seiner ganzen Perssnlichkelt,
noch sovlel Kritik üben: man konn der Meinung sein, daß gerade seine nervenlose
Stärke, so wie unser Gesamtschicksal nun einmal gelagert war, die deutsche Tragödle
auf solche Wahnsinnehöbe der Spannung, in solche Abgrundtiefen des
Sturzes geschleudert hat — dem Manne kann nur böszartige Vorelngenommenbelt
den Zoll der Bewunderung versagen.
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