Volltext : Friedrich der Vorläufige, die Zietz und die Anderen.

redner  herausgestellt,  sondern  einen  Staatsmann.  Das  ist
in  dieser  Umgebung  fast  Verschwendung.  Die  Unabhängigen
versuchen  es  zunächst,  ihn  durch  die  Taktik  lärmender  Zwischenrufe
  mundtot  zu  machen,  müssen  endlich  aber  doch  widerwillig
  mit  anhören,  was  der  Graf  im  Bart,  dieser  alte  Berkünder
  der  sittlichen  Verpflichtung  des  Staates  zur  Sozialreform,
  zu  sagen  hat.  Er  sagt  manch  bittere  Wahrheit  ohne
Ansehen  der  Person,  zum  allgemeinen  Erstaunen  mitunter
auch  an  die  Adresse  des  alten  Systems.  Aber  in  seiner  unwiderstehlich
  sachlichen  Art,  in  der  überlegenen  Ruhe  seiner
Beweieführung  zwingt  er  die  Zuhbörer  schließlich  doch  über
alle  Konkurslegenden  hinweg  zu  der  Wahrheit,  daß  trotz
aller  ihrer  Versäumnisse  die  Monarchie  unvergleichlich  viel
herrlicher,  größer,  gerechter  gewesen  sei  als  ihre  Rechtsnachfolgerin
  bei  uns,  die  neue  Republik.  Die  Rechte  sei
gegen  jeden  gewaltsamen  Umsturz,  sei  also  auch  für  eine  gewaltsame
  Gegenrevolution  nicht  zu  haben,  bekenne  sich  aber
nach  wie  vor  zum  Kaisertum  als  dem  besten  Bande  unserer
Einheit  und  hoffe  auf  zunehmende  politische  Erkenntnis  des
Volkes.  Posadowsky  stellt  das  alte  Deutschland,  wo  die
Oberrechnungskammer  jeden  Pfennig  nachprüfte,  dem  neuen
Deutschland  der  Revolution  gegenüber,  wo  Milliarden  unbesehen
  verwirtschaftet  werden,  er  schildert  als  alter  Finanzpolitiker
  das  über  uns  hereinbrechende  Unheil  und  kritisiert
die  nationale  Ohnmacht  der  jetzigen  Regierung.  Still  wird
es  im  Hause,  ganz  still.  In  diese  Stille  hinein  dringt  kurz
und  klar  und  scharf  die  Erklärung  des  Redners,  die  Auskünfte
Erzbergers  hätten  nicht  befriedigt,  und  man  werde  um  die
Frage  nicht  herumkommen,  „ob  unser  Unterhändler  seiner
Aufgabe  gewachsen  war  oder  nicht“.

Der  Staatesekretär  ohne  Portefeuille  und  ohne  Eignung,
Herr  Matthias  Erzberger,  hat  gewiß  eine  gesunde  Epidermis.
Trotzdem  möchte  heute  wohl  niemand  in  ihr  stecken.

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