Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Erster Teil. (58a)

212  Veutsches  Neich.  (Februar  27.—März  2.)

Kriege  herangetreten  werden.  Der  großen  Zeit  einigermaßen  gewachsen  zu
bleiben,  muß  der  Stolz,  die  Ehre  und  die  Aufgabe  des  Reiches  und  des
Volkes  sein.  Dann  wird  auf  der  Grundlage  deutscher  Tatkraft  und  deutschen
Idealismus  die  deutsche  Zukunft  in  dem  Glanz  und  in  der  Herrlichkeit
bestehen,  wie  wir  es  wünschen.  (Lebh.  Beif.  b.  d.  Natl.)

Staatssekretär  des  Auswärtigen  Amts  Zimmermann:  In  der  Tat
haben  Verhandlungen  zwischen  uns  und  Dänemark  über  ein  Lebensmittelabkommen
  stattgefunden.  Sie  sind  vorzeitig  durch  Indiskretionen
der  dänischen  Presse  bekannt  geworden.  Ueber  den  genauen  Inhalt  unserer
Abreden  kann  ich  Ihnen  leider  nichts  mitteilen.  So  viel  kann  ich  Ihnen
aber  sagen,  daß  diese  Abreden,  falls  sie  überhaupt  zur  Ausführung  kommen
sollten,  unseren  wirtschaftlichen  und  militärischen  Interessen  nach  dem  übereinstimmenden
  Urteil  der  militärischen  und  sonstigen  beteiligten  Ressorts
durchaus  Rechnung  tragen  (Bravo))  daß  sie  zeitlich  begrenzt  sind,  und  daß
sie  sich  auf  eine  Quantität  von  Lebensmitteln  beziehen,  die  ebenfalls  beschränkt
  ist.  Es  ist  daher  keinerlei  Sorge  vorhanden,  daß  durch  diese  unsere
Abreden  —  ich  wiederhole,  falls  sie  überhaupt  zur  Ausführung  kommen
sollten  —  unsere  Handelssperre  gegen  England  beeinflußt  werden  könnte.

Ueber  unsere  Verhandlungen  mit  Amerika  ist  in  der  Presse  viel
gesprochen  worden.  Ich  habe  mich  in  der  Kommission  eingehend  darüber
ausgelassen.  Aber  dort  waren  viele  von  Ihnen  nicht  anwesend,  und  es
wird  die  Herren  interessieren,  die  Angelegenheit  kennen  zu  lernen.  Es
liegt  folgender  Sachverhalt  zugrunde.  Am  8.  Febr.  erhielten  wir  durch
Vermittlung  des  schweizerischen  Bundesrats  ein  Telegramm  des  schweizerischen
  Gesandten  in  Washington,  der,  wie  Ihnen  bekannt  ist,  unsere  Interessen
  nach  Abbruch  unserer  Beziehungen  mit  den  Vereinigten  Staaten  vertritt,
  folgenden  Inhalts:  Es  ist  in  Amerika  der  Wunsch  vorhanden,  den
Krieg  zu  vermeiden.  Falls  die  deutsche  Regierung  die  Geneigtheit  zeigt,
über  die  Blockade  mit  der  Union  zu  verhandeln,  sei  er,  der  schweizerische
Gesandte,  gern  bereit,  die  Sache  weiter  zu  betreiben.  Gestern  ist  ja  von
allen  Rednern,  die  hier  zum  Worte  gekommen  sind,  zum  Ausdruck  gebracht
worden,  daß  der  Bruch  mit  Amerika  bedauerlich  ist.  Es  würde  zweifellos
noch  bedauerlicher  sein,  wenn  es  zum  Kriege  zwischen  uns  und  Amerika
käme.  Zwischen  Deutschland  und  Amerika  haben  alte  freundliche  Beziehungen
  bestanden.  Politische  Gegensätze  zwischen  beiden  Ländern  gibt  es
nicht.  Wirtschaftlich  sind  wir  wohl  mehr  oder  weniger  aufeinander  angewiesen.
  Man  kann  sagen,  wir  sollten  eigentlich  wirtschaftliche  Bundesgenossen
  sein.  Es  ist  daher  begreiflich,  daß  die  Regierung  es  sich  angelegen
sein  läßt,  alles  zu  vermeiden,  was  den  Konflikt  verschärfen  könnte  und
etwa  zu  einem  Kriege  mit  Amerika  führen  könnte.  Aus  diesen  Erwägungen
heraus  haben  wir  die  Anregung,  die  uns  durch  den  schweizerischen  Gesandten
  geworden,  geprüft.  Wir  waren  von  vornherein  überzeugt,  daß  wir
natürlich  durch  ein  Entgegenkommen  auf  die  Anregung  nicht  etwa  unseren
U-Bootkrieg  irgendwie  abschwächen  dürfen.  (Bravo!  und  Hörtl  hört!)  Selbstverständlich
  kann  unser  Wunsch,  mit  Amerika  uns  zu  verständigen,
  nur  soweit  in  Erfüllung  gehen,  als  er  nicht  in  Konflikt
gerät  mit  unserer  Handelssperre,  die  wir  gegen  unsere  Feinde
unter  allen  Umständen  aufrechtzuerhalten  entschlossen  sind.
(Bravol)  Sie  wissen,  wir  haben  erst  nach  langen  Erwägungen  zu  dieser
Maßnahme  uns  entschlossen.  Ich  brauche  auf  die  Einzelheiten  nicht  noch
einmal  einzugehen.  Sie  sind  ja  von  den  gestrigen  Herren  Rednern  ausführlich
  erörtert  worden.  In  der  Note  vom  4.  Mai  v.  J.  hatten  wir  dem
Präsidenten  Wilson  ausdrücklich  gesagt,  wir  legen  die  Waffen  nur  nieder
in  dei  Erwartung  und  Hoffnung,  daß  er  nun  die  Freiheit  der  Meere  her-