242 Oberpfalz u. Regensburg.
der Regen fällt, gebraucht der Oberpfälzer den eigenthümlichen Ausdruck: es
sifert.
III. Fro, altn. Freyr. Von ihm kömmt Frieden und Fruchtbarkeit.
Ihm, der Gottheit des Sonnenscheins, vor dem sich das Wetter klärt, werden
namentlich Ochsen zum Opfer gebracht. — Auf den Waldwiesen des Böhmerwaldes
gehen weißgezeichnete Rinder um. Zwischen Thannstein und
Winklarn im Kieselholze schreit ein Stier um Mitternacht; man kann ihn
nicht zu Gesicht bekommen. In der Schönau geht ein weißgefleckter Stier
vor dem Hüttenbauernhofe bis zum Stadel herum. Diese geisterhaften Thiere
mögen auf den Dienst des Freyr deuten, dessen Name selbst unter den altn.
dichterischen Bezeichnungen des Ochsen aufgezählt wird (Grimm I. c. I. 191).
Dem Sonnengotte war der Samstag heilig. In der Oberpfalz sagt
man: „Der Samstag gehört dem alten Herrgott, der Sonntag (Tag
der Auferstehung) und Montag (der dem hl. Geist geweihte) dem jungen.“
Am Sanmstag soll die Sonne scheinen, wenigstens einmal Mittags drei
Minuten lang.
Vielleicht steht auch das Johannisfeuer mit dem Dienste des Freyr
in Verbindung. Adam von Bremen schildert diesen in seiner hamburgischen
Kirchengeschichte (IV. 26) unter der Bezeichnung Fricco als den Gott der
Liebe. Das „Zimetsfeuer“ wird dem hl. Johannes, dem Jünger der Liebe,
zu Ehren angezündet am Tage der Sonnenwende. Der Sprung über das
„Sunnawendfeuer“ geschieht nach oberpfälzischer Sitte vielfach, indem sich
ein Bursche und ein Mädchen die Hand reichen. Je höher sie selband über
die Flamme springen, desto höher wird der Flachs in diesem Jahre. Es liegt
nicht allzu ferne, im Johannisfeuer die Verchristlichung eines Brandopfers
wahrzunehmen, welches unsere heidnischen Voreltern dem Gotte brachten, von
dem Sonnenschein und Fruchtbarkeit ausging.
IV. Hel, ahd. Hellia, die Todesgöttin, die unbarmherzige, zu welcher
die Toden fahren. Sie ist halb schwarz, halb menschenfarbig; ihre
Wohnung tief im Dunkel der Erde; sie ist die Erdgottheit.
An den heidnischen Heldienst gemahnt vor Allem die überaus reiche Sage
von den Burgjungfrauen, die bald einzeln, bald zu zweien und dreien auftreten.
Sie sind weiß oder schwarz, oder beides zur Hälfte. Ihr Erscheinen
knüpft sich an geheimnißvolle, unterirdische Gänge und Höhlen, wo#
Schätze verborgen liegen, die von geisterhaften Hunden, Schlangen oder Drachen
bewacht werden.
Auf der Burg Rosenberg bei Sulzbach saßen weiland drei Frauen,
welche nachher als Geister erschienen sind. Zwei davon waren weiß, die
dritte halb schwarz, halb weiß. Ein unterirdischer Gang soll von der Burg
weg geführt haben. — Bei dem Pangerlhof liegt die Ruine Heilsberg am
Wildbach, nahe bei Frauenzell. Das Hirtenmädchen der Heilsberger Mühle
begegnete einst einem kleinen Weibchen, welches oben bis zum Gürtel weiß,