geschwüchtem Fortgang, ein großer deutscher Vorstoß dort in Vorbereitung!
Und im Sommeabschnitt mehrten sich die Anzeichen, daß in allernächster Zeit
eine feindliche Offensive großen Stils bevorstebe.
Welche Anforderungen diese Tage des Umschwungs an die seelische und
körperliche Spannkraft des deutschen Oberfeldherrn gestellt baben — wer
vermöchte das nachzufühlen? In solchen Zeiten erwies es sich, welchen Schatz
das Feldheer, das Vaterland an seinem Generalstabe besaß. Der Träger
der entscheidenden Entschlüsse war von einer Schar von Mitarbeitern umgeben,
deren jeder das Feld seiner Bearbeitung bis ine kleinste beherrschte. In ihren
Gehirnen konnte er blättern wie in einem unfehlbar zuveriässigen Nachschlagebuch.
Auf ihrer Sachkenntis ruhten die Entscheidungen wie auf Felsgrund.
Ein Dutzend Möglichkeiten wurde erwogen und verworfen. Bildung einer
großen deutschen Heeresgruppe zum strategischen Gegenstoß? Aber woher die
nehmen? Rückverlegung der gesamten Ostfront? Aber es fehlte die durchgehende
rückwärtige Stellung; der unvermeidliche Materialverlust bei Uberhastetem Rückzuge
war unerträglich. Abbruch der Westoffensive vor Verdun und Rückverlegung
des Schwerpunktes nach dem Osten — in einem Augenblick, wo die
Westmächte sich zu ihrem Generalvorstoß anschickten?
Es blieb nur das „System der Aushilfen“ ... Man mußte von allen
deutschen Fronten, auch vom Westen her, jedes entbehrliche Bataillon an die
bedrohten Stellen werfen, zunächst die beiden klaffenden Breschen zu stopfen
suchen, dann aber auch die einstweilen noch standfesten, aber schon brüchigen
Linien der Verbündeten durch Einschieben von „Korsettstangen" stützen.
Das wurde nun mit resignierter und beherrschter Tatkraft ins Werk gesetzt.
Von der Westfront wurden drei Divisionen herangebolt und mit zwel Diolsionen
der Ostfront und „eirugen besser erhaltenen österreichisch-ungarischen Kräften“
in der Gegend von Kowel als Heeresgruppe Linsingen zu einem Gegenangriff
auf die Russen angesetzt, die inzwischen den Stochod überschritten hatten und
noch zwei Lagemärsche weit vorgekommen waren. Hier trat ihnen am 16. Inni
die neue Kampfgruppe entgegen und bannmte sie in die Schützengräben.
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