Bedenklicher sah es in Galizien aus. Hler rannten die Russen auf der ganzen,
180 Kilometer breiten Strecke von der Bahn Lemberg-Brody bie zu den
Karpathen in unermüdlichem, menschenverschlingendem Ansturm gegen die
Südarmee und die verstärkte 7. österrelchische Armee an und erkämpften noch
erhebliche Fortschritte. Die Südarmee mußte schließlüch aus ihrer bei Buczacz
weit vorspringenden Stellung, die sie so tapfer behauptet hatte, bie hinter die
Zlota Lipa und die Bystrzoca zurückgenommen werden. Die Bezirksbauptstadt
Stanlelau flel wleder an die Russen, das altehrwürdige Halicz, dle elnstige
Hauptstadt des glelchnamlgen Königrelche, das dem ganzen Kronlande seinen
Namen gegeben hat, konnte gehalten werden. Die Gefahr des Russendurchbruchs
nach Lemberg war abgewehrt.
Zur Zeit des Sommesturms und der Verdunschlacht aber wüteten die
Kämpfe an den drei Hauptangreiffestellen der Ostfront in unverminderter
Heftigkelt fort. Unmöglich, auch nur einen Manm für die hart ringende Westfront
abzugeben
Als am 26. Juli im Großen Hauptquartler in Pleß die Nachricht eintraf,
daß am Tage vorher Brody, die 90 Kllometer östlich Lemberg gelegene wichtigste
Handelestadt Gallziene, von den Russen genommen sei, ließ das K. u. K. Oberkommando
sein Wlderstreben gegen eine Unterstellung österreichischer Frontabschnitte
unter deutsche Führung wenigstens teilweise fallen. Hindenburg
übernahm den Oberbefehl an der ganzen Ostfront von der Ostsee bie südlich
Brody. Der Südabschnitt als Heeresgruppe des Erzherzog-Thronfolgers mit
dem deutschen General v. Seeckt als Generalstabschef blieb dem K. u. K.
Oberkommando unterstellt. „Zu einem ganzen Entschluß“, sagt Ludendorff,
batte man sich also noch nicht durchringen können. Immerhin bot die jetzige
Eliederung so wesentliche Vorteile, daß ich sie ale elne große Berbessecung
ansap.“
Schon einen Monat später sollten sich Hindenburg und Ludendorff vor eine
ganz große — vor ihre eigentliche Aufgabe gestellt seben.
Inzwischen hatte sich der Generalansturm der Entente auch noch auf die
Ssonzofront ausgedehnt. Der Ausbruch der Brussilow-Offensive hatte der
Tiroler „Extratour“ Conrads den letzten Kräfterückhalt entzogen. Die Stallener
legten keinen Wert darauf, den Osterreichern den schwachen, ihnen nach der
Räumung von Asiago und Arsiero noch verbllebenen Gewinn ihrer Offensioe
im kräfteverzehrenden Gebirgekampfe wieder zu entreißen. Sie warfen ihre freiwerdenden
Verstärkungen schleunigst wider die Isonzofront, die sle geschwächt
wußten. Die sechste Zsonzoschlacht entbrannte und brachte den Angreifern am
8. August den heißersehnten Besitz der Trümmerstätte, die einmal Göcz gebeißen
hatte.
Dieser taktisch bedeutungelose Gewinn entfesselte in Itallen stürmischen
Jubel. Nun würde der Lohn für unerhörte Opfer kommen ... Mit einem
Schlage war die beginnende Kriegemüdlgkeit dee italienischen Volkes verschwunden.
Italien erklärte am 27. August auch an Deutschland formell den Krieg.
Dae war allerdinge auch der einzige Erfolg. Auch die neunte bie elfte
Ssonzoschlacht haben dem Angrelfer keine weiteren Fortschritte gebracht, sondern
nur neue entsetzliche Verluste gefordert.
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