Full text : Die Reichsbank 1901-1925. (2)

74  Die  Reichsbank  im  Weltkriege

Organisationen  beratende  Ausschüsse  zur  Seite.  Sie  setzten  sich  aus  Vertretern  der
Behörden,  angesehenen  Persönlichkeiten  aus  dem  Beamtenstand  und  der  Bankwelt,
  Vertretern  der  Handels=  und  Landwirtschaftskammern,  der  Presse,  Geistlichkeit,
  Lehrerschaft,  der  freien  Berufe  und  den  Vorsitzenden  größerer  Vereine
zusammen.  Auch  angesehene  und  bekannte  Landwirte  sowie  Beamte  der  Sparkassen
  und  Genossenschaften  wurden  zur  Mitarbeit  herangezogen,  so  daß  eine
Gewähr  dafür  geboten  war,  daß  alle  im  Geldverkehr  sich  ergebenden  Bedürfnisse
und  Mißstände  zur  Kenntnis  der  Zentralstelle  gelangten.  Die  Tätigkeit  der
Zentralstelle  bestand  darin,  aufklärend  und  werbend  zu  wirken,  die  Einrichtungen
  der  Träger  des  bargeldlosen  Zahlungsverkehrs  auszugestalten  und  seine
Mittel  zu  verbessern.

In  den  ersten  Nachkriegsjahren  wurden,  wie  schon  hier  bemerkt  werden
mag,  die  Bestrebungen  zur  Förderung  des  bargeldlosen  Zahlungsverkehrs  nachdrücklich
  und  mit  guten  Erfolgen  fortgesetzt.  Dies  bezeugt  u.  a.  die  wachsende
Zunahme  der  Kontoinhaber  im  Postscheckverkehr,  die  fast  eine  Million  erreichten,
der  Anschluß  weitester  Bevölkerungsschichten  an  die  Geldinstitute,  die  Verbesserung
  der  dem  bankmäßigen  Zahlungsausgleich  dienenden  Einrichtungen  und
die  zunehmende  Verwendung  von  Überweisung  und  Scheck  an  Stelle  der  Barzahlung.
  In  einigen  Gebietsteilen  des  Reiches,  z.  B.  im  Lande  Sachsen,  gelang
es,  über  90⅝  der  erwerbstätigen  Bevölkerung  zur  Eröffnung  von  Konten  zu
veranlassen.  Die  Zahl  der  Postscheckämter  erfuhr  in  diesem  Jahre  eine  erhebliche
Vermehrung  und  zog  die  Errichtung  zahlreicher  neuer  Postscheckkonten  nach  sich.
Die  Eisenbahnkassen  wurden  ermächtigt,  zur  Erleichterung  der  bargeldlosen
Zahlung  von  Frachten  und  Nachnahmebeträgen  Schecks  vertrauenswürdiger
Personen  an  Zahlungs  Statt  unter  gewissen  Voraussetzungen  anzunehmen.

Die  Organisation  zur  Förderung  des  bargeldlosen  Zahlungsverkehrs
wurde,  nachdem  sie  die  von  ihr  erstrebten  Ziele  erreicht  hatte,  am  Ende  des
Jahres  1922  wieder  aufgelöst.

Später,  als  die  Entwertung  der  Mark  immer  weiter  fortschritt,  verlor
die  bargeldlose  Zahlungsweise  ihre  Grundlage.  Die  Unterhaltung  eines  Bankoder
  Postscheckguthabens  war  gleichbedeutend  mit  Kapitalverlust,  wenn  es  sich
nicht  nur  um  Durchgangsgelder  handelte,  über  die  täglich  restlos  verfügt  wurde.
Giroüberweisung  und  Scheck  wurden  unbrauchbar,  da  die  Verzögerung  an  der
Gutschrift  nur  um  wenige  Tage  für  den  Betroffenen  einen  erheblichen  Vermögensverlust
  bedeutete.  Nur  der  bestätigte  Reichsbankscheck  nahm  einen