74 Die Reichsbank im Weltkriege
Organisationen beratende Ausschüsse zur Seite. Sie setzten sich aus Vertretern der
Behörden, angesehenen Persönlichkeiten aus dem Beamtenstand und der Bankwelt,
Vertretern der Handels= und Landwirtschaftskammern, der Presse, Geistlichkeit,
Lehrerschaft, der freien Berufe und den Vorsitzenden größerer Vereine
zusammen. Auch angesehene und bekannte Landwirte sowie Beamte der Sparkassen
und Genossenschaften wurden zur Mitarbeit herangezogen, so daß eine
Gewähr dafür geboten war, daß alle im Geldverkehr sich ergebenden Bedürfnisse
und Mißstände zur Kenntnis der Zentralstelle gelangten. Die Tätigkeit der
Zentralstelle bestand darin, aufklärend und werbend zu wirken, die Einrichtungen
der Träger des bargeldlosen Zahlungsverkehrs auszugestalten und seine
Mittel zu verbessern.
In den ersten Nachkriegsjahren wurden, wie schon hier bemerkt werden
mag, die Bestrebungen zur Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs nachdrücklich
und mit guten Erfolgen fortgesetzt. Dies bezeugt u. a. die wachsende
Zunahme der Kontoinhaber im Postscheckverkehr, die fast eine Million erreichten,
der Anschluß weitester Bevölkerungsschichten an die Geldinstitute, die Verbesserung
der dem bankmäßigen Zahlungsausgleich dienenden Einrichtungen und
die zunehmende Verwendung von Überweisung und Scheck an Stelle der Barzahlung.
In einigen Gebietsteilen des Reiches, z. B. im Lande Sachsen, gelang
es, über 90⅝ der erwerbstätigen Bevölkerung zur Eröffnung von Konten zu
veranlassen. Die Zahl der Postscheckämter erfuhr in diesem Jahre eine erhebliche
Vermehrung und zog die Errichtung zahlreicher neuer Postscheckkonten nach sich.
Die Eisenbahnkassen wurden ermächtigt, zur Erleichterung der bargeldlosen
Zahlung von Frachten und Nachnahmebeträgen Schecks vertrauenswürdiger
Personen an Zahlungs Statt unter gewissen Voraussetzungen anzunehmen.
Die Organisation zur Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs
wurde, nachdem sie die von ihr erstrebten Ziele erreicht hatte, am Ende des
Jahres 1922 wieder aufgelöst.
Später, als die Entwertung der Mark immer weiter fortschritt, verlor
die bargeldlose Zahlungsweise ihre Grundlage. Die Unterhaltung eines Bankoder
Postscheckguthabens war gleichbedeutend mit Kapitalverlust, wenn es sich
nicht nur um Durchgangsgelder handelte, über die täglich restlos verfügt wurde.
Giroüberweisung und Scheck wurden unbrauchbar, da die Verzögerung an der
Gutschrift nur um wenige Tage für den Betroffenen einen erheblichen Vermögensverlust
bedeutete. Nur der bestätigte Reichsbankscheck nahm einen