204 Großbritannien. (Juli 31.)
spricht die Erwartung aus, daß eine Zeit kommen werde, in der irgendeine
Art von Homerule, wie man sie jetzt durch allgemeine Wahlen nicht würde
erreichen können, möglich werden dürfte. Er stellt an die Nationalisten die
Frage, ob sie sich verpflichten wollen, die zu erwartenden Vorschläge des
Premierministers anzunehmen. Ihr Zögern veranlaßt Sh. wiederum zur
Frage, was es unter diesen Umständen überhaupt für einen Zweck haben
würde, die Regierung zu einer Regelung zu drängen. — Schließlich wird
der Antrag Dillon mit 245 gegen 106 Stimmen (darunter etwa 60 Lib.
und Arbeiterp.) abgelehnt.
31. Juli. Lloyd Georges Wirtschaftsprogramm.
Der Premierminister gibt im Unterhause vor einer Abordnung von
200 Fabrikanten folgende wichtige Erklärung über die Wirtschaftspolitik der
Regierung nach dem Kriege ab: Es wird viel vom Völkerbund geredet.
Aber es bestehen bereits zwei Völkerbünde, nämlich erstens das britische
Reich und zweitens das Bündnis der zusammen gegen die Mittelmächte
kämpfenden Völker. Wozu die Besprechungen auch führen mögen, es wird
ein Völkerbund sein müssen, bei dem wir mit diesen schon bestehenden
Völkerbünden, von denen wir bereits einen Teil darstellen, Hand in Hand
gehen können. Wir haben dieses Problem in den letzten zwei Wochen mit
den Vertretern der Dominions besprochen, wie bereits 1916 mit unseren
Bundesgenossen, zu denen damals Amerika noch nicht gehörte. Dieses hat
sich bisher über die Pariser Frage noch nicht ausgesprochen. Eine Uebereinstimmung
in dieser großen Frage würde bedeuten, daß die wirtschaftliche
Lage der Welt in den Händen der Verbündeten bliebe. Die bedeutendsten
Industrien dieser Länder müssen nicht nur aufrechterhalten, sondern verstärkt
werden. Je länger der Krieg dauert, desto schwerer werden die wirtschaftlichen
Bedingungen sein, die wir dem Feinde auferlegen werden. Je
früher er das einsieht, um so besser für ihn. Er kämpft, um uns seine eigenen
Bedingungen aufzuerlegen, aber dies wird ihm niemals gelingen. Was die
Haltung unserer Regierung nach dem Kriege anbetrifft, so denkt niemand
daran, das gegenwärtige System der Eingriffe in das Privatleben fortzusetzen.
Aber eine oder zwei Bedingungen müssen bleiben, bis wir über
die Uebergangswirtschaft hinüber sind. Wir werden nicht ohne Mithilfe der
Regierung eine bedeutende Menge Rohstoffe bekommen können. Wir werden
Transporte organisieren müssen. Wir werden ferner bedenken, daß die
Dominions den ihnen zukommenden Anteil erhalten sollen. Aber wir haben
noch mehr zu tun, und auch die nicht zu vergessen, die für uns kämpfen
und ein Recht haben auf Englands Unterstützung bei der Wiederherstellung
ihres industriellen und nationalen Lebens. Wir können vielleicht von feindlicher
Seite Bestellungen erhalten, die uns mehr Vorteil versprechen als
Bestellungen von englischer, überseeischer oder verbündeter Seite. In erster
Linie kommen aber die Menschen, welche Schulter an Schulter mit uns
kämpfen. Laßt uns nicht den Irrtum begehen und Genossenschaften auflösen,
sobald der Krieg vorüber ist. Die Welt wird nicht gleich wieder in
ihre Fugen gerenkt sein, und wenn wir die Genossenschaft aller dieser
großen Völker auflösen, dann könnte es vorkommen, daß manches Volkdarauf
vorbereitet ist, daraus seinen Nutzen zu ziehen. Deshalb ist es von
größter Wichtigkeit, daß wir, sobald das Uebergangsstadium nach dem Kriege
erreicht ist, einander beistehen und uns in höchster Bereitschaft verhalten.
31. Juli. Ein neuer Friedensbrief Lansdownes.
Lord Lansdowne (s. S. 153) richtet an seine Anhänger, die in London
zu einer Konferenz zusammenkommen, einen offenen Brief, worin er ausführt,
Smuts glanzvolle Rede v. 17. Mai (s. S. 183 f.) habe der Theorie vom