520 Beust als Objekt Bismarckscher Erniehung. Anfrage Wertherns.
*1289. Telegramm an den Generalkonsul in Belgrad Rosen.
lEigenhändiges Konjept.]
Am 15. Januar hatte Rosen über ein Gespräch mit seinem österreichischen Kollegen Baron
v. Kallau, einem naben Freunde des ungarischen Ministerpräsidenten Graf Andraf#y, berichtet,
das den scharfen Angriffen der preußischen Presse gegen die Beuftsche Politik galt. Aus den
Auherungen Kallaus ging bervor, was ja auch bereits in der Sendung des Grafen Seberr-Thoß (ogl.
Trr. 1 285, Vorbemerkung) zum Ausdruck gelangt war, daß man sich in Ungarn über die preuhisch-
österreichische Dreßfehde zu beunruhigen begann und sich fragte, ob sich die preußischen Angriffe
gegen den Bestand der österreichisch-ungarischen Monarchie richteten. Nachdrücklich betonte
Kallap, daß dieser Bestand auch für die Ungarn ein noll me tangere vorstelle. „Ungarn habe
viel Sympathie für Dreußen, aber in belagtem Falle würde die Hust der Selbsterhaltung es
mit Leib und Seele gegen Dreußen ins Seld führen.“ Rosen gewann aus den Auherungen
Kallaus den Eindruck, dah sie bestimmt waren, zu Bismarcks Kenntnis gebracht zu werden, und
auf Andraffy selbst zurückgingen. ·
Berlin,den19.Zanuar1869.
Auf den Bericht vom 15. sagen Sie Ihrem östrleichischen) Collegen, daß uns jeder der
Integrität des östrleichisch)-ungarischen Staates feindliche Gedanke fern läge. Von dem
Verhalten der Preußischen Presse erwarteten wir keinen andern Erfolg als den, daß dem
Grlafen) Beust die Preßumtriebe gegen Preußen ulnd) die Beröffentlichung polemischer
Nothbücher durch unangenehmen Nachgeschmack verleidet werde. Diese Erziehungs-
metbode sei lediglich angewendet, um künftigen Störungen des guten Einvernehmens vor-
zubeugen.
Aur NAecidive der wiener Presse würden wiederholte, aber auch verstärkte Anwendung
zur Solge haben.
1200. Erlaß an den Gesandten in München
Freiherrn von Werthern.
(Konzept von der Hand des Vortragenden Aats Abeken.
Berlin, den 19. Januar 1869.
Ew. pp. erwähnen in õhrem gefälligen vertraulichen Berichte Ar. 4 vom 15. d. M. sich die
Ursachen der zwischen Berlin und Wien gerade vor kurzem entbrannten Seitungspolemik nicht
haben klarmachen zu können und knüpfen daran den Wunsch, zur Mitteilung meines Erlasses
Ar. 4 vom 6. d. M. ermächtigt zu werden, welcher den Charakter der seit längerer Seit von
dem Grafen Beust uns gegenüber im stillen betriebenen Agitation darlegt. Sch kann
indes auch jetzt nur wiederholen, was ich schon am Schlufse dieses Erlasses angedeutet, daß
derselbe seinem ganzen Charakter nach nicht zur Mitteilung, sondern nur dam bestimmt
ist, die Vertreter der Königlichen Regierung selbst über den Gegenstand zu informieren
und sie in den Stand zu setzen, ihre regelmäßige Sprache danach einzurichten. Die über-
zeugende Wirkung solcher Argumente und Sedanken wird größer sein, wonn der Gesandte,
nachdem er sich von den ntentionen seiner Aegierung durchdrungen bat, sie als seine
eigenen Außerungen wiederbolt im gewöhnlichen Verkehr mit dem fremden Minister
14 Siehe Ar. 1273.