70 Veuisches Reich. Januar 23. 24.)
morden letzten Endes nur noch dazu dient, einen unbequemen Konkurrenten
von dem Weltmarkt auszuschließen. Unsere Gegner wollen den Krieg fortsetzen,
bis ihr Ziel erreicht ist und wir vollständig vernichtet sind. Das ist
die nackte Tatsache, vor der wir stehen. Es handelt sich für uns um Leben
oder Tod. Zetzt naht des Deutschen Reiches Schicksalsstunde. Zum zweiten
Male ist uns nach dem Willen unserer Feinde heute der Krieg erklärt.
Das ist die Freveltat, die uns empört. Wieder schart sich das Volk um
den Thron. Doch heute steht ein ernsteres, reiferes, sieggewohntes Volk
hinter seinem Herrscher. Wieder wird das Volk die Antwort geben, zu
dem es unsere Feinde jetzt gezwungen haben. Stahlharter Wille soll zur
Tat sich wandeln, und reinen Schwertes scharfer Stahl in unserer Hand
soll uns mit grimmen Schlägen freie Bahn zur lebensvollen Zukunft
schaffen. Schwert,, Tat und Wille, das gibt einen wundervollen deutschen
Dreiklang: Sieg! Durchdrungen von dem tiefen Ernst dieser Stunde steht
mit dem ganzen deutschen Volk das Herrenhaus in bewährter Treue hinter
seinem Kaiser und König. Lossen Sie uns das einmütig betonen, indem
wir einstimmen in den Ruf: S. M. der Kaiser und König, er lebe hoch!
23. Jan. (Bayern.) König Ludwig empfängt den apostolischen
Nuntius Msgr. Aversa in Antrittsaudienz.
24. Jan. Kaiser Wilhelm richtet an den Kaiserl. Kommissar
und Militärinspekteur der freiw. Krankenpflege, Herzog zu Trachenberg,
Fürsten von Hatzfeldt, folgendes Handschreiben:
Ich habe Ihren Bericht vom 8. Januar d. J. über die Entwicklung
der freiwilligen Krankenpflege in den vergangenen 29 Kriegsmonaten
gern entgegengenommen und freue Mich der Gelegenheit, den Ritterorden,
den Männer= und Frauenvereinen vom Roten Kreuz und den anderen
unter Ihrer bewährten Leitung vereinten Organisationen Meinen warmen
Dank und Meine besondere Kaiserliche Anerkennung auszusprechen. In den
Lazaretten aller Etappengebiete wie in den zahlreichen Veranstaltungen der
Heimat habe ich mit Freude verfolgen dürfen, wie unter den wachsenden
Ansprüchen des Krieges Anfangsschwierigkeiten überwunden sind, wie eine
Heimarmee treuer Helfer und Helferinnen gewonnen und schließlich unter
dem Zeichen des Roten Kreuzes eine großartige, die verschiedensten Gebiete
umfassende Organisation geschaffen worden ist. Daß diese Organisation
— über die hergebrachten Arbeitsgebiete hinaus — die volle Wiederherstellung
der Arbeitsfähigkeit unserer Kriegsbeschädigten erstrebt, daß sie
die Lage unserer Gefangenen in Feindesland und das Los unserer von
Haus und Hof vertriebenen, in die Heimat zurückgekehrten auslandsdeutschen
Brüder zu erleichtern sucht, und daß sie vor allem der kämpfenden Truppe
durch Zuführung warmer Unterkleidung und anderer Liebesgaben wertvolle
Dienste leistet, erfüllt Mich mit besonderer Genugtuung. Wenn bei
diesen Aufgaben Männer und Frauen aller Alters- und Bildungsstufen,
aller Stände und Konfessionen sich im Dienst der Nächstenliebe zu gemeinsamer
ernster Arbeit vereint haben, so betrachte Ich dies als einen Gewinn,
von dem Ich auch für die Aufgaben des Wiederaufbaues und für
die Entwicklung unseres Volkslebens im Frieden reiche Früchte erwarte.
Die bisherigen Leistungen geben Mir die Gewähr dafür, daß die in der
freiwilligen Krankenpflege tätigen Kräfte treu ausharren werden, bis der
leidenden Welt durch den endgültigen Sieg unserer Waffen der Friede wieder
geschenkt wird. Ich ersuche Sie, diese Kundgebung allen der freiwilligen
Krankenpflege angeschlossenen Organisationen bekannt zu geben.