Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Erster Teil. (58a)

Beuisches  Reich.  (Januar  24.—26.)  71

24.  Jan.  Kaiser  Wilhelm  richtet  aus  dem  Großen  Hauptquartier
  an  König  Wilhelm  von  Württemberg  folgendes
Handschreiben:

Durchlauchtigster  großmächtigster  Fürst,  freundlichlieber  Vetter  und
Bruder!  Am  heutigen  Tage  sind  25  Jahre  vergangen,  seit  Ew.  M.  in
dauernde  enge  Zugehörigkeit  zu  dem  Kürassierregiment  Herzog  Friedrich
Eugen  von  Württemberg,  westpreußischen  Nr.  15,  das  in  Ew.  M.  seinen
hochherzigen  Chef  dankbar  verehrt,  sowie  zu  meinem  Leib-Gardehusarenregiment
  getreten  sind,  das  Ew.  M.  ebenfalls  mit  Stolz  zu  den  Seinen
rechnen  darf.  Möchten  sich  die  beiden  Truppenteile  dieser  hohen  Ehre
noch  lange  erfreuen  und  sich,  wie  bisher,  auch  ferner  des  gnädigen  Wohlwollens
  wert  zeigen,  das  Ew.  M.  ihnen  stets  zugewendet  haben!  Ich  aber
möchte  Ew.  M.  meines  aufrichtigen  Dankes  hierfür  versichern  und  diesen
willkommenen  Anlaß  wahrnehmen,  dabei  auch  von  neuem  der  regen  Anteilnahme
  zu  gedenken,  die  Ew.  M.  dem  Gange  der  militärischen  Operationen
des  gegenwärtigen  Krieges  stets  entgegenbringen.  Die  warme  Fürsorge,
die  Ew.  M.  insbesondere  deren  württembergischen  Truppen  angedeihen
lassen,  hat  in  diesen  jenen  herrlichen  kriegerischen  Geist  wach  gehalten  und
gesördert,  kraft  dessen  sich  die  tapferen  Schwaben  in  den  heißesten  Kämpfen
bei  musterhafter  Haltung  ihres  alten  Ruhmes  stets  würdig  erwiesen  haben.
Von  dem  Wunsche  getragen,  meiner  uneingeschränkten  Anerkennung  wiederum
einen  sichtbaren  Ausdruck  zu  verleihen,  spreche  ich  Ew.  M.  die  Bitte  aus,
das  Abzeichen  meines  Ordens  Pour  le  mérite  annehmen  und  anlegen
zu  wollen.  Mit  der  Versicherung  der  vollkommensten  Hochachtung  und
wahren  Freundschaft  verbleibe  ich  Ew.  M.  freundwilliger  Vetter  und  Bruder.

Wilhelm  I.  R.

25.  Jan.  Kaiser  Wilhelm  verleiht  dem  Generalfeldmarschall
v.  Mackensen  durch  Handschreiben  das  Großkreuz  des  Eis.  Kreuzes.
25.  Jan.  (Bundesrat.)  Es  gelangen  zur  Annahme:

Die  Entw.  einer  Bek.  über  Kranken-,  Unfall-  und  Invalidenversicherung
von  Arbeitern  feindl.  Staatsangehörigkeit,  e.  Bek.  über  Zement,  e.  Bek.  über
Preisbeschränkungen  bei  Ausbesserungen  von  Schuhwaren  und  e.  Bek.  betr.
Bestimmungen  zur  Ausführung  des  Gesetzes  über  den  vaterländ.  Hilfsdienst.

25.  Jan.  (Bayern.)  Durch  Erlaß  des  Kriegsministeriums  wird
gemeinsam  mit  dem  Ministerium  des  Innern  die  Einrichtung  von
38  Wirtschaftsstellen  der  stellv.  Generalkommandos  zur  Unterstützung
  der  Zivilverwaltungsbehörden  bei  der  Förderung  der  restlosen
  Ausnützung  der  landwirtschaftlichen  Kräfte  des  Landes  verfügt.

26.  Jan.  Kaiser  Karl  weilt  im  Deutschen  Großen  Hauptquartier,
  um  Kaiser  Wilhelm  anläßlich  seines  Geburtstages  zu
beglückwünschen.

In  Begleitung  des  Kaisers  befindet  sich  der  Minister  des  Aeußern
Graf  Czernin,  der  mit  dem  Reichskanzler  sowie  mit  dem  Staatssekretär
Zimmermann  konferiert.

Bei  der  Frühstückstafel  bringt  Kaiser  Karl  folgenden  Trinkspruch
aus:  Ich  habe  Wert  darauf  gelegt,  am  heutigen  Tage  hier  zu  erscheinen,
um  Ew.  M.,  Meinem  teuren  Freunde  und  treuen  Verbündeten,  persönlich
Meine  wärmsten  Glückwünsche  darzubringen.  Zum  dritten  Male  begehen