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möglichkeit, so daß die Gründe, die bei den übrigen Genossenschaftsarten
mehr oder weniger der Ausbreitung entgegenstehen, hier nicht zutreffen.
d) Die Beteiligung am Wiederaufbau Ostpreußens.
Neben der Schaffung dieser Organisation des Handwerks sind noch
einige Kriegsgründungen zu erwähnen. Um dem Handwerk die Möglichkeit
zu geben, an dem Wiederaufbau der Provinz Ostpreußen teil-
zunehmen, gründeten die in Ostpreußen bestehenden Genossenschaftsverbände
den „Kriegsverband Ostpreußischer Genossenschaften". Der Ver-
band will die Bauhandwerker Ostpreußens genossenschaftlich zusammen-
schließen, um ihnen die Mitarbeit an der Wiederherstellung der Provinz
zu ermöglichen. Eine Anzahl derartiger Genossenschaften (Lieferungs und
Rohstoffgenossenschaften) sind bereits entstanden. Ferner kommt die Grün-
dung von Schuhmacher-, Schneider-, und Sattlergenossenschaften in Betracht;
auch ist eine genossenschaftliche Organisation der Kleinhändler geplant. In
Berlin ist zu ähnlichem Zwecke die „Deutsche Zentralgenossenschaft für
das Tischler- und Tapezierergewerbe e. G. m. b. H.“ errichtet worden. Sie
ist hervorgegangen aus der Verdingungsstelle der ostdeutschen Handwerks-
kammern für den Wiederaufbau Ostpreußens. Diese war errichtet worden,
um dem ostpreußischen Handwerk die ihm gebührende Berücksichtigung
bei dem Wiederaufbau der Provinz zu sichern. Es wurden Lieferungs-
genossenschaften vornehmlich des Tapezierer- und Tischlergewerbes ins
Leben gerufen, und zu der „Ostdeutschen Zentralgenossenschaft“, auf die
die Obliegenheiten der Verdingungsstelle übergingen, zusammengeschlossen.
Um auch den Tischler- und Tapezierergenossenschaften außerhalb der ost-
deutschen Kammerbezirke die Erwerbung der Mitgliedschaft zu ermöglichen,
wurde diese Zentralgenossenschaft zur „Deutschen Zentralgenossenschaft
für das Tischler- und Tapezierergewerbe“ erweitert. In vielen Orten Ost-
preußens sind Verkaufsläger errichtet worden. Der Absatz in Möbeln und
sonstigem Hausgerät hat sich bereits erfreulich entwickelt (s. a. Artikel Xl).
So sehen wir, daß im Handwerk der Wille lebendig ist, auch unter
den erschwerten Verhältnissen des Krieges seinen Platz zu behaupten und
darüber hinaus durch Schaffung einer Organisation, die bisher fehlte, und
deren Fehlen das Handwerk beinahe um seinen Anteil an den Kriegsauf-
trägen gebracht hätte, die Grundlage für eine gedeihliche Entwicklung in
der kommenden Friedenzszeit zu schaffen.
III. Die Konsumvereine.
Keine Genossenschaftsart ist so umstritten, wie die Konsumgenossenschaft.
Zwar haben auch die Handwerkergenossenschaften in den Kreisen des Handels
und die Baugenossenschaften in den Kreisen der Hausbesitzer ihre Gegner;
aber diese Gegnerschaft ist gering im Verhältnis zu derjenigen, der die Kon-
sumvereine ausgesetzt sind. Die Ursache ist darin zu finden, daß die Konsum-
vereine dem Kleinhandel mitunter eine fühlbare Konkurrenz bereiten; so-
dann aber auch darin, daß man gelegentlich den Konsumvereinen die Auf-
gabe zugeschrieben hat, die heutige Wirtschaftsordnung abzulösen, indem