Full text : Das Buch von unsern Kolonien.

—  120  —

fortreißen  lassen.  Galt  es  doch,  Gebiete,  viermal  so  groß  wie  das
Deutsche  Reich,  der  deutschen  Herrschaft  endgültig  zu  sichern  und  eine
gegenseitige  Abgrenzung  der  Ansprüche  mit  dem  mächtigsten  Kolonial—
reiche,  das  je  bestanden  hat,  allem  gegenseitigen  Widersinn  der  betreffen—
den  beiden  Völker  zum  Trotz  zu  begründen.  Zunächst  wurde  auch  die
Herrschaft  des  Sultans  von  Sansibar  über  diese  Küste  gegen  4  Millionen
Mark  ein  für  allemal  abgelöst.  Ferner  wurde  Witu,  ein  etwa  1500  qkm
großes  Gebiet  unter  dem  Äquator,  dessen  Sultan  auf  den  Rat  der  dort
mit  großen  Siedlungen  interessierten  Gebrüder  Denhardt  1885  den
deutschen  Schutz  gegen  den  Sultan  von  Sansibar  angerufen  hatte,  der
Interessensphäre  Englands  zugewiesen.  Leider  gereichte  dies  sehr  zum
Schaden  des  Sultans  Fumo  Omari,  der  die  neue  Herrschaft  nicht  an—
erkennen  wollte  und  deshalb  vertrieben  wurde.

Die  Deutsch-Ostafrikanische  Gesellschaft  besteht  in  andrer  Form
weiter.  Sie  erhält  jährlich  600  000  Mark  aus  dem  Ertrage  der  Zölle,
die  unter  Reichsverwaltung  stehen.  Graf  Pfeil  riet  sehr,  diese  Abgabe
abzulösen.  Auch  verdanken  wir  dieser  Gesellschaft  die  „Phantasiemünze“,
nämlich  die  in  britischen  Teilen  nicht  gangbare  Rupie  zu  1.40  Mark,  statt
der  ehedem  hier  gebräuchlichen
Maria-Theresia-Thaler.

Wir  gelangen  nun  dazu,  uns
in  diesem  ausgedehnten  Gebiete
umzusehen.  Eine  Dhaw  (spr.  Dau),

-·--«  —  das  ist  ein  kleiner  arabischer  Zwei—
Munze  d  der  Deutsch-  Ostaftikanischen  master,  bringt  den  Reisenden  in
Gesellschaft  kurzer  Zeit  von  Sansibar,  der  Resiz
  I
denz  des  Sultans,  einer  Großstadt  mit  100  000  Einwohnern,  nach  dem
gegenüber  an  grünendem  Gestade  unter  Palmen  gelegenen  Bagamoyo,
von  wo  die  Karawanen  ihren  Weg  ins  Innere  nehmen.  Nach  kurzer
Wanderung  über  den  nur  einige  Meilen  breiten  Wüstensaum  ersteigt  man
das  bis  zu  1600  m  hohe  ostafrikanische  Plateau.  Von  dort  her  eilt  uns
der  durch  den  Mgeta  verstärkte  Kingani  entgegen,  welcher  bei  Bagamoyo
mündet.  Er  scheidet  die  Landschaften  Usaramo  und  Useguha,  welches
vom  Wami  durchflossen  wird,  dem  Entwässerer  des  Ngurugebirges.  Dieses
Hochland  ist  mit  Baum=  und  Graswuchs  besetzt,  und  die  aus  kegelförmigen
Grashütten  bestehenden  Dörfer  sind  dünngesät.
Die  Bewohner  derselben  sind  kleine,  gedrungene,  leicht  aufbrausende