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fortreißen lassen. Galt es doch, Gebiete, viermal so groß wie das
Deutsche Reich, der deutschen Herrschaft endgültig zu sichern und eine
gegenseitige Abgrenzung der Ansprüche mit dem mächtigsten Kolonial—
reiche, das je bestanden hat, allem gegenseitigen Widersinn der betreffen—
den beiden Völker zum Trotz zu begründen. Zunächst wurde auch die
Herrschaft des Sultans von Sansibar über diese Küste gegen 4 Millionen
Mark ein für allemal abgelöst. Ferner wurde Witu, ein etwa 1500 qkm
großes Gebiet unter dem Äquator, dessen Sultan auf den Rat der dort
mit großen Siedlungen interessierten Gebrüder Denhardt 1885 den
deutschen Schutz gegen den Sultan von Sansibar angerufen hatte, der
Interessensphäre Englands zugewiesen. Leider gereichte dies sehr zum
Schaden des Sultans Fumo Omari, der die neue Herrschaft nicht an—
erkennen wollte und deshalb vertrieben wurde.
Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft besteht in andrer Form
weiter. Sie erhält jährlich 600 000 Mark aus dem Ertrage der Zölle,
die unter Reichsverwaltung stehen. Graf Pfeil riet sehr, diese Abgabe
abzulösen. Auch verdanken wir dieser Gesellschaft die „Phantasiemünze“,
nämlich die in britischen Teilen nicht gangbare Rupie zu 1.40 Mark, statt
der ehedem hier gebräuchlichen
Maria-Theresia-Thaler.
Wir gelangen nun dazu, uns
in diesem ausgedehnten Gebiete
umzusehen. Eine Dhaw (spr. Dau),
-·--« — das ist ein kleiner arabischer Zwei—
Munze d der Deutsch- Ostaftikanischen master, bringt den Reisenden in
Gesellschaft kurzer Zeit von Sansibar, der Resiz
I
denz des Sultans, einer Großstadt mit 100 000 Einwohnern, nach dem
gegenüber an grünendem Gestade unter Palmen gelegenen Bagamoyo,
von wo die Karawanen ihren Weg ins Innere nehmen. Nach kurzer
Wanderung über den nur einige Meilen breiten Wüstensaum ersteigt man
das bis zu 1600 m hohe ostafrikanische Plateau. Von dort her eilt uns
der durch den Mgeta verstärkte Kingani entgegen, welcher bei Bagamoyo
mündet. Er scheidet die Landschaften Usaramo und Useguha, welches
vom Wami durchflossen wird, dem Entwässerer des Ngurugebirges. Dieses
Hochland ist mit Baum= und Graswuchs besetzt, und die aus kegelförmigen
Grashütten bestehenden Dörfer sind dünngesät.
Die Bewohner derselben sind kleine, gedrungene, leicht aufbrausende