Full text : Das Buch von unsern Kolonien.

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von  den  Flotten  vor  Taku  Entsatz  heischen  sollten.  Sie  mußten  nachts
über  die  Stadtmauer  gelassen  werden  und  brauchten  Wochen,  um  sich
durch  die  Boxerscharen  durchzuschleichen.  Die  Gräben  lagen  voller
Leichen,  die  letzten  Luxushunde,  die  edelsten  Rennpferde  wurden  geschlachtet,
um  für  die  armen  chinesischen  Christen  Nahrung  zu  schaffen.  Aber  kein
Entsatz  ließ  sich  blicken.

Der  Zug  Seymours.

Und  doch  wurde  während  all  der  Zeit  fieberhaft  an  der  Aufgabe
des  Entsatzes  gearbeitet.  Sofort  nach  der  ersten  Nachricht  von  der  be—
drohlichen  Wendung  der  Dinge  in  Peking  hatte  das  internationale
Geschwader  vor  Taku  eine  starke  Truppe  gelandet,  die  von  den  Forts
unbehelligt  blieb.  Es  waren  915  Engländer,  350  Deutsche,  300  Russen,
158  Franzosen,  104  Amerikaner,  51  Japaner,  40  Italiener  und  25
Osterreicher,  die  sich  unter  den  Befehl  des  englischen  Admirals  Seymour
stellten.  Wir  besitzen  aus  der  Feder  des  Korvettenkapitäns  Schlieper
von  der  „Hertha“  eine  packende  Schilderung  des  kühnen  und  bis  dahin
einzigartigen  Zuges  der  zweitausend  Mann  aller  Kulturnationen,  der
fast  an  den  Zug  der  zehntausend  Griechen  unter  Kenophon  gemahnt.

Die  Bahn  Taku—Tientsin—Peking  schien  die  Expedition  leicht  zu
machen,  und  in  Tientsin,  wo  eine  große  Fremdenkolonie  besteht,  fand  ein
glänzender  Empfang  statt;  aber  von  dort  aus  mußte  man  unter  stetem
Halt  vorrücken.  Überall  waren  Schienen  aufgerissen,  und  schwelten  die
Schwellen.  Bei  Langfang  am  14.  Juni  wurden  die  Boxerhorden  zurückgeworfen,
  wobei  Kapitän  von  Usedom  verwundet  wurde.  Ohne  Wagen
und  Pferde  und  ohne  Kavallerie  sah  sich  die  Expedition  bald  am  Ende
ihrer  Kräfte.  Am  18.  kamen  die  Züge  vor  der  zerstörten  Brücke  über
den  Peiho  bei  Yangsun  zum  Stillstand,  konnten  weder  rück=  noch  vorwärts.
  Große  Massen  kaiserlicher  Truppen  mit  schwerem  Geschütz  und
bewaffnet  mit  den  modernsten  Gewehren  mit  rauchlosem  Pulver,  während
unsere  Matrosen  noch  das  alte  Modell  1871/84  führten,  rückten  von
Peking  her  ins  Treffen  ein.  Zwar  ließen  die  Chinesen  etwa  500  Tote
auf  der  Walstatt;  aber  auch  die  Verbündeten  waren  am  Ende  ihrer
Kräfte.  Die  Eisenbahn  mußte  aufgegeben  werden.  Die  kostbaren  Waggons
wurden  von  den  Chinesen  verbrannt.  Zum  Glück  hatte  Oberleutnant

Röhr  vier  große  Dschunken  erobert,  auf  denen  die  Boxer  Eisenbahn-16“