Metadata : Privatrecht und Polizei in Preußen.

58  Beschränkungen  des  Privatrechts  durch  die  Polizei.

sie  das  Handelsgewerbe  betreffen,  durch  den  §  41a  Gew.O.  und  die
zur  Ausführung  desselben  ergangenen  zahlreichen  landespolizeilichen  Verordnungen
  überholt  worden.  Im  Uebrigen  sind  sie  in  soweit  gültig,  als
sie  zur  Aufrechterhaltung  der  öffentlichen  Ordnung  dienen.
Nach  dem,  was  oben  ausgeführt  wurde,  ist  dies  dann  der  Fall,  wenn
sie  die  äußere  Heilighaltung  der  Sonntage,  die  feierliche  Sonntagsruhe
gegen  Störungen  und  Verletzungen  schützen  wollen.  Es  darf  immer  nur
ein  nach  außen,  gegen  die  Allgemeinheit  gerichtetes  Thun  verboten
  werden  1).  Verrichtungen,  welche  nicht  an  die  Oeffentlichkeit  treten,
die  sich  im  Inneren  der  Häuser  und  der  Läden  halten,  müssen  gestattet
werden.  Die  Verabreichung  von  Speisen  und  Getränken  in  Wirthschaften
z.  B.  kann  in  soweit  untersagt  werden,  als  es  sich  um  einen  nach  außen
hin  wahrnehmbaren  Verkehr  handelt,  nicht  aber  schlechthin?).  Ebenso
verhält  es  sich  mit  dem  Verkehr  in  Ladengeschäften  3).  Keine  Rede  kann
davon  sein,  daß  auch  solche  Handlungen  verboten  werden  können,  die
eben  nur  den,  der  sie  verrichtet,  vom  Kirchenbesuch  und  von  einer  würdigen
Begehung  des  Sonntags  überhaupt  abhalten  ).  Auch  die  Verhinderung
anderer  an  der  Theilnahme  am  Gottesdienst  ist  keine  Störung  der
Sonntagsruhe?).  Durch  die  Bestimmungen  der  Gewerbeordnung  und

1)  Vgl.  die  Entsch,  des  Obertrib.  vom  23.  IX.  75  (Oppenhoff  Bd.  16,  S.  601),
vom  3.  X.  76  (das.  Bd.  17,  S.  635),  des  Kammerger.  vom  5.  VII.  83  (Johow  Bd.  4,
S.  256),  des  Reichsger.  vom  24/30.  X.  89  (Entsch.  in  Strafs.  Bd.  20,  S.  82  ff.).

2)  Zu  weit  gehen  daher  z.  B.  Verordn.  der  Regier,  zu  Trier  vom  14.  XII.  53
§  7,  Regulativ  der  Regier  zu  Danzig  vom  24.  II.  41  (A.Bl.  1883  S.  203),  Verordn.
der  Regier.  zu  Coblenz  vom  12.  XII.  53,  Düsseldorf  vom  14.  XII.  53  §7,  Köln  vom
3.  I.  54  §  7,  Aachen  vom  16.  XII.  53  87,  Köslin  vom  20.  XII.  54  (A.  Bl.  S.  448),
Stettin  vom  1.  VII.  58  §  13,  Oppeln  vom  18.  IX.  85  §  3  (A.  Bl.  S.  244).  Abweichender
  Ansicht  die  Entsch.  des  Kammerger.  vom  2.  VII.  88  (Johow  Bd.  8,  S.  222)
auf  Grund  des  §  6e  des  Polizeiverwaltungsgesetzes,  und  auch  schon  das  Obertribunal,
Entsch.  vom  1.  II.  77  (Selbstverwaltung  Bd.  4,  S.  117).  Vgl.  aber  auch  Kammerger.
Entsch.  vom  18.  VI.  94  (Johow  Bd.  15,  S.  320).

3)  Zu  weitgehend  z.  B.  Verordn.  der  Regier.  zu  Cöslin  vom  20.  XII.  54  §  3:
Während  des  öffentlichen  Gottesdienstes  ist  aller  gewerbliche  Verkehr  streng  untersagt,
also  der  Verkauf  überhaupt,  die  Bestellung  und  Abgabe  von  Waaren  auf  den  Straßen,
in  den  Buden  und  Häusern  2c.  Vgl.  auch  Verordn.  der  Regier,  zu  Düsseldorf  vom  14.
XII.  53  §  5,  Coblenz  vom  12.  XII.  53  §  5,  Trier  vom  14.  XII.  53  §  5,  Köln  vom
3.  I.  54  §  5,  Aachen  vom  16.  XII.  53  8  5,  Stralsund  vom  24.  XI.  53  §.3,  Stettin
vom  1.  VII.  58  §  12.

!)  Uebereinstimmend  Obertrib.  Entsch.  vom  23.IX.  75  (Oppenhoff  Bd.  16,  S.  601).

5)  Vgl.  auch  Reichsger.  Entsch.  vom  24/30.  X.  89  a.  a.  O.  S.  89  f.  Eine  hierher
gehörige  Bestimmung  ist  die  Verordn.  der  Regier.  zu  Cöslin  vom  20.  XII.  54  §7:
Ebenso  dürfen  Leistungen  und  Arbeiten,  welche  vom  Kirchenbesuche  abhalten,  nicht  ge-