404 Militärische Vorbereitungen am Bunde. General Dannhauer.
gart ist, bei Gelegenheit der Depesche vom 5., in den mündlichen Erläuterungen der Ver=
treter Östreichs auf den Art. 47 der Schlußacte Bezug genommen worden. Auch habe
ich mich überzeugt, daß der General Schmerling zu seinen Collegen in der Militär=Com=
mission die Wahl der Corpsführer, die Vorbereitungen zur Mobilisirung der einzelnen
Contingente offiziös besprochen und sich ihre Autorisation zu derjenigen vertraulichen
Correspondenz mit den Bundesfestungs=Behörden erbeten hat, welche die Umstände er=
heischen mußten. Ueber letztern Punkt ist er bereits vor Wochen mit dem General Dann=
bauer in Verbindung getreten, wie mir dieser vor einigen Tagen mittheilte. Die andern
Besprechungen haben aber, soviel ich weiß, ohne Zuziehung unsres Militärbevollmächtig=
ten stattgefunden und den Character discreter Vertraulichkeit gehabt; jedenfalls ist
Neigung vorhanden, und nicht bloß in Wien, die „Bundespolitik“ ohne unsre Mitwirkung
richtigzustellen, und nach den zur Zeit der orientalischen Frage hier rückhaltlos in den
Sitzungen ausgesprochnen Ansichten der Mehrheit wird die auswärtige Politik eines jeden
Bundesstaates, namentlich Preußens, sich der durch die Mehrheitsbeschlüsse der Ver=
sammlung vorgezeichneten Bundes=Politik zu accomodiren haben. Wenn ich Östreicher
wäre, so wünschte ich mir auch so ein Preußen.
Sobald Usedom mich ablöst, komme ich mit möglichster Beschleunigung. Ich würde
gern schnell auf einige Wochen nach Petersburg gehn, um selbst zu sehn, was ich dort zu
meiner Einrichtung brauche, was ich von meinen Sachen behalte, was ich neu anschaffe und
wie. Die Einrichtung ist eine harte Nuß, die ich wohl ohne einen privativen Schaden von
10 bis 20 000 Thalern nicht werde knacken können.
In der Hoffnung auf baldiges Wiedersehn bin ich mit freundschaftlicher Hochachtung
der Ihrige.
458. Privatschreiben an Unterstaatssekretär v. Gruner.
[Eigenhändig.]
24. Februar 1859.
E. H. sage ich meinen verbindlichsten Dank für das gefl. Schreiben von vorgestern.
Wenn ich vor meiner Abreise noch mit einigen Zeilen darauf antworte, so geschieht dieß,
weil ich den Tag der erstern noch nicht sicher bestimmen kann. Ich bin seit meiner Rück=
kehr aus Berlin noch nicht gesund gewesen, muß dann wieder das Zimmer hüten und
möchte eine so große Reise doch nicht mit der Gefahr antreten, unterwegs fremden Ärzten
in die Hände zu fallen und in einem russischen Posthause das Zeitliche zu segnen.
Ich schreibe hauptsächlich, um Sie zu bitten, daß Sie den General Dannhauer und
sein Thun in der Militär=Commission im Auge behalten. Ich kann ihn nicht zwingen, mit
mir die Geschäfte zu besprechen; seit meine Abberufung bekannt ist, bewegt er sich voll=
kommen unabhängig, was mich bei seiner gänzlichen Urtheilslosigkeit in politischen Dingen
mit einiger Sorge erfüllt. Sein östreichischer College hat ihn in der Tasche und benutzt ihn,
wie er will. Bei der eigenthümlichen Stellung der Militär×Commission können deren Be=
schlüsse in Zeiten wie die heutigen zu Demonstrationen benutzt werden, die hinter einer
Bundes=Mobilmachung der Wirkung nach wenig zurückbleiben. Die Geheimhaltung ist un=
möglich, denn durch den holländischen Bevollmächtigten und die Dänische Gesandschaft
wird, wenigstens in Paris, alles bekannt; nicht durch die Herrn persönlich, aber durch ihre
Höfe.
¹) Nicht bekannt