Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 2. (2)

Die Herren v. Vogelsang, v. Linde und v. d. Kettenburg. 69 
nur kann ich heut noch nicht sagen, wie, weil Schrenk und Prokesch fort sind. Im Ganzen 
ist die östreichische Vorlage der mäuse=gebährende Berg, und alles verwundert, daß mit 
diesem 12 Bogen langen Anlauf nicht mehr gewollt und erreicht worden ist. 
Kelchner drängt auf Schluß, und Gröben (von der Fürstin Liegnitz) dringt soeben bei 
mir ein. In freundschaftlicher Ergebenheit der Ihrige. 
77. Bericht vom 24. Juli 1855 an Minister v. Manteuffel, betr. 
die Verbesserung der Polizeiverhältnisse in Frankfurt a. M. Haltung Öster= 
reichs. — Vgl. Poschinger, Neue Berichte S. 203 f. 
78. Bericht vom 26. Juli 1855 an Minister v. Manteuffel, betr. 
die Verbesserung der militärischen Stellung Preußens in Mainz. — Vgl. Po= 
schinger, Neue Berichte S. 205 f. 
79. Bericht vom 27. Juli 1855 an König Friedrich Wilhelm IV., 
betr. die Abstimmung über die österreichische Vorlage in der orientalischen An= 
gelegenheit. Kriegsbereitschaft des Bundes. — Vgl. Poschinger II Nr. 142. 
80. Bericht an Minister v. Manteuffel. 
[Konzept.] 
5. August 1855. 
Auf E. E. h. Erlaß vom 30. v. M.¹) beeile ich mich um so mehr den befohlenen Be= 
richt zu erstatten, als m. u. D. nach allem, was ich über die Persönlichkeit des Ritter= 
gutsbesitzer von Vogelsang aus Mecklenburg höre, der Verleihung einer Oberamtmanns= 
Stelle in den hohenzollerschen Landen allerdings die erheblichsten Bedenken entgegenstehen 
möchten. 
Ich bin durch die Beschwerde, die Herr von Vogelsang in Gemeinschaft mit dem 
Kammerherrn von Kettenburg gegen die mecklenburgische Regierung bei der Bundesver= 
sammlung eingereicht hat, veranlaßt worden, meine Aufmerksamkeit auf ihn zu richten, 
und kann ihn nur für eins der tätigsten  Werkzeuge der preußenfeindlichen Richtung in der 
katholischen Kirche halten. Er ist vor einigen Jahren zum Katholizismus übergetreten 
und zwar, wie ich von ihm nahestehenden Personen vernehme, weniger auf Grund seiner 
religiösen Überzeugung, als im Interesse seiner politischen Bestrebungen. Er ist der 
Schwiegersohn des Bundestagsgesandten für Liechtenstein Dr. von Linde, welcher für eine 
der wesentlichsten Stützen des Kampfes gilt, den teils die ultramontane Partei selbst, teils 
durch sie die österreichische Politik gegen Preußen führt. E. E. habe ich oft Gelegenheit 
gehabt, sowohl in offiziellen Berichten als vertraulich von den antipreußischen Ver= 
bindungen und Intrigen des Dr. von Linde Anzeige zu machen, der ausschließlich von 
Österreich Besoldung erhält und alles in seinen Kräften Stehende tut, um diese zu ver= 
dienen, wenn er sie dafür empfängt, Preußen bei den übrigen Bundesstaaten und in der 
Presse zu verdächtigen. Daß sowohl Herr v. d. Kettenburg als Herr von Vogelsang 
ebenfalls in einem sehr nahen Verhältnis zu den Agenten der österreichischen Regierung 
und der ultramontanen Partei stehen, ist bei den Verhandlungen über die Beschwerde gegen 
Mecklenburg nicht zweifelhaft geblieben und bei den Beziehungen des Dr. von Linde zu den 
¹) Inhalt vgl. Poschinger, Neue Berichte S. 207, Anm. 1.