Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6a. (6a)

290 Lord Lostus' Klage. v. Kardorffs Interpellation wegen Georgs V. Verhalten. 
Ich wünsche nicht, daß Ew. pp. zu einer Besprechung dieses Vorfalles dem britischen 
Minister gegenüber die õnitiative ergreifen, habe aber, für den Sall, daß dies seinerseits ge- 
scheben sollte, nicht ermangeln wollen, Ew. pp. durch die vorstehende Darlegung über den 
Sachverhalt aufzuklären. Ew. pp. werden dadurch sich in den Stand gesetzt sehen, der 
möglichen irrigen Auffassung entgegenzutreten, als könne in der von mir getroffenen Ein- 
richtung für die fremden Vertreter, und namentlich für den englischen Botschafter, irgend 
etwas Verletzendes oder Rücksichtsloses liegen. Empfange ich Lord Loftus, so muß ich 
natürlich von dem Moment an wieder alle Missions-Chefs empfangen, ein Suwachs von 
Anstrengung, dem ich jetzt nicht gewachsen bin“. 
Es wird mir stets zum Vergnügen gereichen, sobald mein Gesundbeitszustand es muläßt, 
den persönlichen Berkehr mit Lord Loftus in der früheren befriedigenden Weise zu pflegen, 
aber ich kann der Berechtigung nicht entsagen, meine amtliche Wirksamkeit in der Weise 
einzurichten, wie es einerseits mein körperliches Befinden und andererseits das nteresse 
des Königlichen Dienjtes erheischte. Es steht mleines) Elrachtens) dem Lord Auglustus) 
nicht an, empfindlicher wie Sleine) Mlajestät) der König zu sein, der mir gestattet, ohne 
sonstige Beschränkung meiner Zeiteintheilung, mich bei den Immediat-Vorträgen durch 
Herrn von Thile vertreten zu lassen ulnd) alle Cinladungen der Höfe, wie das seit 4 Wochen 
geschehen, abzulehnen. 
1037. Immedlatbericht des Staatsministerlums. 
(Reinkon#ept.) 
Am 25. Jebruar 1868 hatte der Abgeordnete v. Kardorff im Abgeordnetenhaufe eine von 
mebr als lechzig Abgeordneten unterstützte Interpellation, betreffend die Ausführung des mit 
dem König Georg V. abgeschlossenen Vertrages, eingebracht. Sie lautete: „Nach den durch 
die Cagespresse veröffentlichten Machrichten bat der König Georg V. unmittelbar nach der 
Genehmigung des wwischen ihm und der Krone reuhen abgeschlossenen Vertrages durch den 
Preußischen Landtag — einer Deputation seiner vormaligen hannoverschen Untertanen eine 
Empfangsrede gehalten, in welcher die baldige Aestauration des Welfenthrones, die baldige 
Wiederaufrichtung eines freien, unabhängigen Welfenreiches in Aussicht gestellt wird. 
Gleichzeitig mit dieser Aa#chricht wird allgemein durch die öffentlichen Blätter verbreitet, 
„daß die Zahl der hannoverschen Deserteure, welche bisber in der Schweiz den Bersuch gemacht 
batten, eine hannoversche Legion m formieren, und von dort nach dem Elfaß geiogen waren, 
infolge mahloser Agitationen, abenteuerlicher Versprechungen und reichlicher Löhnung in stetem 
SGuwachs begriffen sei.“ 
Ich erlaube mir an die Königliche Staatsregierung die Anfrage zu stellen: 
„Ob die Königliche Regierung bei jenen erwähnten provozierenden Auherungen und diesen 
den gegenwärtigen Rechtszustand in Frage stellenden Tatsachen die Absicht hat, dem Könige 
Georg V. diesenigen Vorteile zu gewähren, welche aus der durch die Publikation in der Gesetz- 
lammlung erfolgenden Persektion des Vertrages sich ergeben würden?“ » 
Aufbieleöntetpellationverlasdersiaansminiltersreiherkv.dHeydtmdersihuag 
desAbgeordnetenhaulesooka26.ZebraareineinderbauptlachevoaBismarckcleldltkonitpiekte 
Erklärung. Sie hatte folgenden Wortlaut: 
„Indem die Königliche Regierung mit dem König Georg das Abkommen vom 29. 5ep- 
tember v. J. abschloß, hat sie nicht glauben können, damit eine definitive Anerkennung der 
Ergebnisse des Hrager Sriedens durch den König Georg erlangt zu haben, wohl aber war sie 
zu der Voraussetzung berechtigt, dah der König Georg mit seiner Unterschrift des Abkommens 
mindestens die Verpflichtung einging, auf Bortsetzung der Beindleligkeiten gegen den Preuhischen 
Staat mu versichten. Es konnte unmöglich die Absicht der Kontrahenten lein, daß der Dreuhische 
Staat dem Könige Georg die Mittel m seindlichen Handlungen gegen Preußen zur Disposition 
stellte. Wenn dennoch bald nach dem Abschluß des Vertrages durch die Verstärkung der von 
Hletzing ausgehenden Agitationen die Vermutung gerechtfertigt wurde, daß der König Georg 
Der letzte Satz eigenhändiger Zusotz Bismarcks. 
* Der Vest des Erlasses eigenböndiger Zufatz Bismarcks.