Das Aettungswerk in Kandia und die Gruppierung der Mächte. 39
lochen“ (H. Oncken, Die Abeinpolitit Kaiser Mapoleons III. von 1863 bis 1870, II, 449).
Tatsächlich kamen Granz Joleph und Napoleon III. in Sahzburg in Benug auf den Cretensischen
Aufstand dabin überein, „dah gegenüber der Pforte ein weniger komminatorisches Verfahren
eingeschlagen werde, als dies bis jetzt von Ruhland in Gemeinschaft mit Srankreich, Dreußen
und Stalien geschehen war“ (ogl. Graf v. Beust, Aus drei Viertel-Jahrhunderten, II. W4
In Petersburg war Sürst Gortschakow nach einem Bericht des Seschäftsträgers Grafen
v. Keuserling vom 2. September schon von den ersten Anzeichen eines franjösischen Abschwenkens
lehr beeindruckt; um so mehr gab er sich der Hoofnung bin, daß Italien und Hreußen in ihrer
freundschaftlichen Kooperation fortfohren würden. irklich dauerte das Jusammenwirken
NuHlands, Srangreichs, Dreußens und Staliens in der kretischen Srage munächst noch fort,
nachdem schon am 27. August die Vertreter dieser AMächte der Pforte den Vorschlag gemacht
batten, die Feindseligkeiten auf der Insel für drei Monate zu suspendieren und eine internationale
Kommission zur Erforschung der Stimmung der Bevölkerung einzusetzen. Doch wurde dieler
Vorschlag von der Pforte im wesentlichen abgelehnt.
Vertraulich. Berlin, den 7. September 1867.
Herr von Oubril hat mir in den letzten Cagen über den Wunsch des FSürsten Gortschakow
wegen der Gortsetzung unserer Beteiligung bei dem Rettungswerke in Kandia die von dem
Fürsten Cw. pp. nach Ihrem politischen Berichte Ar. 133 vom 2. d. M. angekündigte ver-
trauliche Mitteilung gemacht. Sch habe darauf Herrn von Oubril meine Ansicht über die
Sache, wie Ew. pp. sie in nachstehendem entwickelt finden, dargelegt und ihn gebeten, dieselbe
dem Gürsten mitzuteilen.
Zunächst, bemerkte ich ihm, sei es mir nicht wahrscheinlich, daß wir, wie der Fürst an-
nimmt, auf die fernere Beteiligung Staliens bei der Rettung der kandiotischen Familien
rechnen können. Im Gegenteil glaubte ich nach der Haltung, welche Stalien in füngster Zeit
beobachtete, annehmen zu müssen, daß es auch in dieser wie in andern wichtigeren ulnd) für
Stalien direct bedenklicheren Sragem mit Srankreich gehen würde. Es würde sodann aus
dem Nettungswerke eine neue Gruppierung der Mächte gegenüber der Pforte hervorgehen.
Der Widerstand, welchen die Pforte bisher in Sachen der christlichen Bevölkerung gezeigt,
habe keine andere Stütze als die Haltung Englands und dessen Aichtbeteiligung bei den
Schritten der übrigen Mächte gehabt. Crete jetzt auch noch die TCrennung Außlands und
Grankreichs in dieser Frage öffentlich in Svidenz, so werde die türkische Regierung darin
den Beginn des Anschlusses Frankreichs an die englische Politik= und einen Grund zu noch
zäherem Widerstande gegen die Bestrebungen der Mächte finden. Die Sache würde also
ein Ergebnis liefern, das sowohl den Interessen der Chriften in Kandia und in der Türkei
überhaupt, als den Intentionen Außlands mwider liefe. Es scheine mir daher wünfchens-
wert, ein öffentlich erkennbares Auseinandergeben Frankreichs und Rußlands in dieser
Angelegenheit nicht evident werden zu lassen und daber die Sache nicht auf die Spitze zu
treiben. Bleibe indessen der Fürst Gortschakow definitiv bei seiner Absicht, das Rettungs-
werk ohne Grankreich fortzusetzen, und dem Wunsche unferer ferneren Beteiligung bei dem-
selben bestehen, so würde ich darüber die weiteren Befehle Seiner Majestät des Königs ein-
bolen, da mir ein ostensibles Auseinandergehn der rulflischen) ulnd] der preußlischen] Politik
auch in dieser für uns kein directes Interesse darbietenden Srage sehr unwillkommen sein
würde"“.
1 Die Worte: „wie in andern wichtigeren . eigenböndiger Einschub Bismarcks.
2 Die Worte: „den Beginn des Anschlusses eigenböndiger Einschub Bismarcks.
i Dle Worte: „öffentlich erkennbares“ eigenbändiger Einschub Bismarcks.
· Der letzte Aebensatz: „da mir ein oltensibles: ..“ eigenbändiger Zufatz Bismarcks.