Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6a. (6a)

40 Aunderlaß vom 7. September über Sallburger Zusammenkunft. 
Sch babe Ew. pp. von meinen Außerungen gegen Herrn von Oubril Mitteilung gemacht, 
um Sie in den Stand m setzen, nach WMaßgabe derselben Ihre Sprache gegen den Fürsten 
Gortschakow zu regeln. 
Anm Srohenteils bei H. Michael, Bismarck und England von 1866 bis 187o, S. 160 f., nebft 
853. Runderlaß an die Missionen bel den Großmächten 
und den säddeutschen Höfen. 
[Reinkonzept.] 
Über den Unterredungen, die gelegentlich der Entrevue Vapoleons III. mit Sranz 
Joseph I. in Saliburg (18. bis 22. Auaut 1867) zwischen dem französischen Kaiser und dem öster- 
reichischen Reichskanzler Sreiherrn v. Beust stattgefunden haben, liegt noch immer ein gewisses 
gunkel. Wir wissen zwar aus der von Beust für die Zusammenkunft niedergeschriebenen 
Denkschrift (H. Oncken, Die Abeinpolitik Kaiser A#poleons III., II, aar ff.), daß er mit der 
Absicht nach Salzburg ging, sich gegen den französischen Kaiser in vollster Offenbeit und Ent- 
Diedenheeit über alle Angelegenbheiten ausjusprechen, in denen Frankreich etwa ein gemein- 
ames Vorgeben gegen Preußen wünschen sollte, also vor allem in der süddeutschen und der 
orientalischen Srage. ÜUber die süddeutsche Srage hieh es in der Beuftschen Denkschrift: „Was 
die süddeutsche Srage betrifft, so liegt es auf der Hand, daß Österreichs entschiedenes Interesse 
dabin geht, die Ausbreitung des Rorddeutschen Bundes über Süddeutschland zu verbindern, 
da. wenn dieselbe gelingt und somit in dieser oder jener Sorm den preußischen Ring von Oder- 
berg bis Salzburg und Bregenz sieht, die Stellung der Kaiserlichen Regierung in den deutschen 
Provinzen einer unausgeseczten Beunruhigung entgegenzujehen hat. Österreich kann daher 
nicht darauf angewiesen sein, durch eine rein palssive Haltung das preußische Vorgehen zu stützen 
und den franjölsischen Widerstand dagegen abjuschwächen. Es kann lich vielmehr nicht der 
NAotwendigkeit entziehen, in einer Weise vermittelnd einjutreten, welche Preußen jowohl als 
den süddeutschen Staaten darüber keinen Zweifel lasse, daß sterreich sich die vollste Sreihe#it 
er Alction im Salle Kriegerischer Cventualitäten offenhalten werde.“ Man wird biernach an- 
nehmen dürfen, dah gerade über die süddeutsche Srage sehr eingebend in Salzburg verbandelt 
worden ist. Das von Kaiser Aa#poleon durchkorrigierte Beustsche Hrotokoll über den Salz- 
burger Gedankenaustausch (Oncken, a. a. O., II. 457 f.), das die beiderseitige entente parfaite 
et cordiale konstatiert, drückt sich aber gerade hierüber mit größter Zurückhaltung und Vorsicht 
aus. Auch das näher verabredete österreichisch-französische Vorgehen im Orient läht in dem 
rotokoll keineswegs eine Spitze gegen Preußen durchblicken. Dah sie gleichwohl in der Ab- 
sicht Beufts lag, ergibt sich daraus, dah dieser laut einer Meldung an Kaiser Sranz Joseph vom 
19. Auguft (ogl. 3 v. Wertheimer, Sranj Joseph I. und Vapoleon III. in Sallburg, Olter- 
reichische Rundschau, LXII, 228) Vapoleon förmlich darauf stieß, dab eine französisch-öster- 
reichische Allian; im Orient die vollste Sreiheit der Nation gegen ein daselbst zugunsten Ruß- 
lands intervenierendes Preuhen eröffnen würde. 
Was aber auch in Salzburg zwischen Mapoleon und Beust besprochen und verabredet 
lein mag, so waren doch beide angesichts der grohen, durch die Zusammenkunft in der Öffent- 
lichkeit hervorgerusenen Beunruhigung entschlossen, nach auhen die volle Griedlichkeit ihrer 
Absichten zu betonen. Der österreichische Geschäftsträger in Berlin erhielt den Auftrag, ein 
Telegramm Beusts vom 28. August vorzureigen, wonach bei der Saljburger Jusammenkunft 
eine Einmischung in die süddeutschen Staaten, 1. B. die Vildung eines lüddeutschen Bundes, 
überhaupt nicht Gegenstand der Besprechung gewesen lei. Ebenso wies der französische Ge- 
schäftsträger Lefebore de Béhalne eine Depesche Warquis de MWoustiers vom 25. Auguft 
(Onden, d. a. C., II ass f.) vor, die von den friedlichsten Versicherungen erfüllt war. Bismarck 
lie durch Abeken am 2. September den geuischen. Vertretern an den europäüschen und den 
lübdeutschen Höfen von den frankösisch-lterreichischen Bersscherungen Witteilung machen. Wie 
Heptisch er auch über sie denken mochte, so gab er sich doch den Anschein, ibnen vollen Glauben 
u schenken. 
Berlin, den 7. September 1867. 
kS .. itgetei l von Kaiserlich 
pp. bereits die Außerungen mitgeteilt, welche uns sowoh 
— 7 ebobrich Kasserlich Französischer Seite über die Bedeutung und den Charakter