54
sind das ist er im Urbild. Immer eine unendliche Distanz
zwischen ihm und jenen; aber doch Aehnlichkeit, und doch
wird immer noch der naͤmliche Begriff von zeugen und von
Sohn seyn beibehalten. Ist hiedurch aber der Schrift-Begriff
erschopft? Macht sie nicht einen wesentlichen Unterschied
zwischen unserer Sohnschaft und der Sohrnschaft des
Eingebohrnen?
Christus ist Gottes eigenster Sohn. (Röm. 8, 32.)
Gott ist sein eigenster Vater. (Joh. 5, 18.) Er ist Sohn,
wie sonst kein Engel und kein Mensch Gottes Sohn ist,
nicht nur dem Grade nach von diesen verschieden, sondern
auf, eine ganz eigene Art. Bei diesen ist der Begriff tropisch,
bei ihm allein nicht: denn Gott ist sein Vater, wie
er sonst keines Wesens Vater genannt werden kann. Darauf
daß er Sohn ist, beruht sein großer Vorzug vor allen
Geschöpfen: sie alle sind geschaffen, er ist der Gezeugte, und
Jeugung, wenn dieses Wort von ihm gebraucht wird, ist
nach der eigenen Erklärung der beiligen Schrift Mittheilung
der ursprünglichen Lebensquelle: denn wie der Vater har
das Leben in ihm selber, so hat er auch dem Sohn gegeben,
zu haben das Leben in ihm selber. Man kann diesen Spruch.
nicht wohl von der menschlichen Natur Christi verstehen,
denn diese erhielt ihre ursprüngliche Lebenskraft nicht durch
das Geben des Vaters, sondern durch die personliche Vereinigung
mit dem Logos.
Wenn die Erklärung des Herrn U. wahr seyn sollte,
so verldre das Beiwort eigen den ganzen Nachdruck, der
ihm nach dem griechischen Sprachgebrauche gehört. So
unterschieden die Griechen den angenommenen Sohn von
dem phyfsisch erzeugken, so den wahrhaftig natürlichen Vater
von dem, der blos durch Wohlthaten ein Recht auf diesen