4. Titel: Ausschließung und Ablehnung der Gerichtspersonen. 29
Die ersteren stellt die 3P. in § 41 zusammen; die Ausschließung
erfolgt, wenn die Gerichtsperson selbst Partei ist oder ein Interesse an
dem Ausgange des Prozesses hat (Erk. v. 7. XI. O1 — Kunze-Kautz 2
1182), wenn es sich um Angelegenheiten der Ehefran, eines nahen Berwandten
handelt, wenn der Richter in derselben Sache Prozeßbevoldbmächtigter
oder Beistand gewesen ist, wenn er als Zeuge oder Sachverständiger
vernommen worden ist, wenn er in der Sache bereits in einer
Vorinstanz mitgewirkt hat usw.
So ist der auf Grund des §74 Abs. 1 LBG. zum Vertreter
eines Amtsvorstehers für die mündliche Verhandlung vor dem Kreisausschusse
bestellte Kommissar gemäß § 41 Ziff. 4 3PO. von der Ausübung
des Richteramtes im Bezirksausschusse ausgeschlossen (Erk. v.
17. X. 90 — IV 1085). Ebenso darf eine Person, die im Merkpfahlsetzungsverfahren
als Kommissar des Kreisausschusses tätig gewesen
ist, nicht hinterher Richter sein (OBG. 21 196), wenn die Klage gegen
die Festsetzung des Wasserstandes erhoben wird (ZustG. § 67 Abs. 2;
OVG. 10 235). Auch darf jemand, der als Zeuge vernommen worden
ist, in derselben Sache nicht Richter sein; das umgekehrte ist gesetzlich
nicht ausgeschlossen (Erk. v. 13. V. 96 — IV 802).
Die Ausschließungsgründe sind von Amts wegen zu berücksichtigen.
Die Parteien haben darüber kein Berfügungsrecht.
Die Ausschließungsgründe können von der Partei auch als Ablehnungsgründe
geltend gemacht werden, daneben aber kann die Partei
wegen allgemeiner Besorgnis der Befangenheit die Ablehnung beantragen.
Eine Besorgnis der Befangenheit liegt vor, wenn gewisse
Tatsachen geeignet sind, Mißtrauen gegen die Unparteilichkeit des Richters zu
rechtfertigen. Solche Tatsachen sind u. a.: feindselige Gesinnung, Freundschaft
mit dem anderen Teile, Bestechung, private Außerung über den Rechtsstreit
vor Beendigung der Erörterungen, Erteilung von Rat in derselben Sache.
Es ist nicht notwendig, daß die bestimmte Erwartung besteht, der
Richter werde sich durch den Ablehnungsgrund wirklich beeinflussen
lassen. Die auf Tatsachen gegründete Besorgnis genügt. Bei dem Mißtrauen
gegen die Unparteilichkeit handelt es sich stets um die besonderen Verhältnisse
einzelner richterlicher Personen; eine Ablehnung ganzer
Verwaltungsgerichte kennt das Gesetz nicht (OVG. 39 449, 49 5).
Liegen die gesetlichen Ausschließungsgründe vor oder wird von
dem abgelehnten Richter der Ablehnungsgrund als richtig anerkannt, so
tritt im Zivilprozesse der ein für allemal bestellte Vertreter ein; eines
Gerichtsbeschlusses bedarf es dann nicht. Das gleiche gilt im Verwaltungsstreitverfahren
für den Richter und Protokollführer. Da sowohl bei den
Kreis= und Stadtausschüssen wie bei den Bezirksausschüssen an der Verhandlung
meist mehr Richter teilnehmen, als zur Beschlußfassung notwendig
sind, so scheidet das ausgeschlossene oder mit Recht abgelehnte