In Potsdam und Greifswald als Referendar und Einjähriger 35
unsympathischen Aufenthalte ein Ende zu machen, bat er um
Urlaub bei der Regierung und beantragte auch seine Versetzung
nach Greifswald in das dortige Jägerbataillon. Er glaubte
dort billiger leben und für seine neue Tätigkeit sich besser vorbereiten
zu können.
Im September war er in Greifswald. Er beschäftigte sich
im Anfang nebenher mit Chemie, in welchem Fach er mit einem
Mediziner, der sich zum Examen vorbereitete, täglich einige Stunden
arbeitete. In der Nähe sah er sich bei befreundeten Familien
die Wirtschaften an, die durchschnittlich in einem musterhaften
Zustande waren. Auch lauschte er bei Tisch im deutschen Hause
auf alle die wohlbeleibten Figuren mit roten Gesichtern, dicken
Händen und beneidenswertem Appetit, die sich täglich zu sechs
und acht und mehreren dort einfanden und ausschließlich nur von
Ackerbau und Kornhandel sprachen. Obgleich sie alle erschrecklich
schrien und heftig dabei gestikulierten, verstand er doch
selten, was sie sagten, da man allgemein platt sprach und sehr
schnell, so daß er mitunter nur etwas wie Raps, Hafer, Arbsen,
Sämaschine, Dröschen, pummersche Last und Berliner Schäpel
unterschied; das hörte er dann mit sehr verständiger Miene an,
dachte darüber nach und träumte nachts „von Dreeschhafer,
Mist und Stoppelroggen". Immatrikuliert war Bismarck weder
in Greifswald noch in der landwirtschaftlichen Akademie Eldena.
In den Hörsälen konnte er nicht mehr lernen als aus guten
Büchern; auch war der Weg nach Eldena, das eine halbe
Meile von Greifswald liegt, im Winter oft bodenlos.
Ganz zurückgezogen vom studentischen Treiben wird Bismarck
aber nicht gelebt haben. Er erzählt selbst von einer Mensur.
Auch in einen studentischen Handel, bei dem er von seiner Wohnung
aus hatte vermitteln wollen, wurde er hineingezogen und,
wie es scheint, zu unrecht von der Universitätsbehörde wie
ein Angeklagter behandelt. Er wehrte sich, und sein Hauptmann
nahm sich seiner an. Bismarck verklagte den beteiligten Nachtwächter
wegen Amtsüberschreitung, den Urheber falscher Nachrichten
über ihn wegen Beleidigung. Kurz, die Behörden, die
nicht gerecht verfahren waren, imponierten ihm nicht; er stand
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