Metadata : Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. Juli 1913.

20  II.  Abschnitt.  Staatsangehörigkeit  in  einem  Bundesstaate.  §  3.

kindern  im  Sinne  der  Artikel  I  und  II  dieses  Vertrages  nicht  bloß  Nachkommen
  im  ersten  Grade,  sondern  auch  deren  Nachkommen  zu  verstehen  sind.
Artikel  IV.  Die  Ratifikation  dieses  Vertrages  wird  so  bald  als  möglich  erfolgen
  und  der  Austausch  der  Ratifikationsurkunden  in  Berlin  stattfinden.
Zu  Urkund  dessen  haben  die  beiderseitigen  Bevollmächtigten  diesen  Vertrag
in  doppelter  Ausfertigung  unterschrieben  und  besiegelt.  So  geschehen  zu
Berlin  am  11.  Januar  1907.  (gez.)  v.  Tschirschky.  (gez.)  Hegermann-Lindencrone.“

Die  Auswechflung  der  Ratifikationen  des  Vertrages  ist  am  21.  Januar  1907
in  Berlin  erfolgt.  ·
Wenn  ich  indessen  in  der  8.  Auflage  meines  Kommentars  der  Erwartung
Raum  gab,  daß  den  Mißstimmungen  zwischen  der  preußischen  und  der  dänischen
Regierung  auf  Grund  des  obenerwähnten  Vertrages  ein  Ziel  gesetzt  würde,
so  hat  sich  diese  Hoffnung  nicht  vollständig  erfüllt.  Der  Vertrag  hatte  nämlich
nur  die  Abschaffung  der  Staatlosigkeit  der  nach  Schleswig-Holstein  zurückgekehrten
  Optantenkinder  zum  Zwecke.  Aber  zu  den  in  Schleswig-Holstein
sich  aufhaltenden  Staatlosen  zählen  nicht  nur  die  Optantenkinder,  sondern
auch  die  von  Dänen  abstammenden  Kinder,  die  in  Schleswig-Holstein  als  im
Ausland  geboren  nach  der  vor  dem  Jahre  1898  geltenden  dänischen  Gesetzgebung
  als  dänische  Staatsangehörige  nicht  anerkannt  wurden.  Nun  ist  durch
§  1  des  dänischen  Staatsangehörigkeitsgesetzes  vom  19.  März  1898  (s.  Anhang,
II.  Teil,  Dänemark)  auch  den  im  Ausland  geborenen  Kindern  eines  Dänen
die  dänische  Staatsangehörigkeit  zuerkannt.  Diese  gesetzliche  Bestimmung
entbehrt  aber  der  rückwirkenden  Kraft  (8  11  Abs.  II  a.  a.  O.).  Es  sind  somit
alle  vor  1898  in  Schleswig-Holstein  geborenen  Kinder  dänischer  Untertanen
staatlos.  Daß  aber  staatlose  Individuen,  deren  Verhalten  der  Regierung  gegenüber
  nicht  anfechtungsfrei  ist,  sich  der  Gefahr  der  Ausweisung  aussetzen,  wird
im  internationalen  Rechtsverkehr  als  eine  dem  ausweisenden  Staate  zustehende
Maßregel  durchweg  anerkannt.

b)  Option.

Nach  Art.  11  des  zwischen  dem  Deutschen  Reich  und  Kostarika  abgeschlossenen
  Vertrages  vom  18.  Mai  1875  konnte  der  in  Deutschland  geborene
eheliche  Sohn  eines  Kostarikaners  und  der  in  Kostarika  ehelich  geborene  Sohn
eines  Deutschen  zu  der  Zeit,  wo  er  nach  vaterländischen  Gesetzen  die  Volljährigkeit
  erlangt  hatte,  mittels  einer  im  Laufe  des  betreffenden  Jahres  bei
dem  Konsulate  der  Nation,  welcher  sein  Vater  angehörte,  abgegebenen  Erklärung
  für  die  Nationalität  seines  Geburtslandes  sich  entscheiden,  und  er  wurde
dann  als  Bürger  dieses  Landes  von  Geburt  an  betrachtet.  Dieser  Vertrag
mit  Kostarika  ist  am  30.  Nov.  1897  gekündigt  worden  (REl.  1897  S.  785).

Dagegen  ist  laut  dem  deutsch-bolivianischen  Freundschafts-  und  Handelsvertrag
  vom  22.  Juli  1908  (vgl.  Anhang  II.  Teil,  Bolivia)  Art.  VI  Abs.  3
vereinbart  worden:

„Die  in  Bolivien  geborenen  Kinder  von  Deutschen  und  die  in  Deutschland
  geborenen  Kinder  von  Bolivianern  haben,  wenn  sie  bei  der  Vollendung