Full text : Quellensammlung zur Entwicklungsgeschichte des modernen Staates. Zweiter Band. (2)

Stahl:  Die  Revolution  und  die  konstitutionelle  Monarchie.  97

sittliche  Notwendigkeiten  anerkennen  müßte,  die  ihm  eine
Schranke  bilden.

Sondern  wenn  die  Souveränität  des  Königs  behauptet
wird,  so  geschieht  das  in  der  ganz  spezifischen  staatsrechtlichen
  Bedeutung  der  Souveränität,  d.  i.  der  obersten  und  alles
in  sich  konzentrierenden,  nicht  aber  der  uneingeschränkten
Gewalt.  Es  muß  nämlich  die  Staatsgewalt,  die  in  mannigfachen
  Organen  tätig  ist  (Richtern,  Beamten,  Kammern,
Armeen),  ein  dSentrum  haben,  gleichsam  die  innerste  Persönlichkeit
  des  Staates;  das  ist  eine  Macht  und  Rutorität,
von  welcher  alle  diese  Organe  ihre  Ermächtigung  ableiten
(selbst  wenn  sie  in  ihren  Hunktionen  unabhängig  handeln),
die  ihre  Tätigkeit  veranlaßt,  sie  beaufsichtigt  und  sie  alle
aufeinander  beziehend  und  berechnend  für  den  einen  Gesamtzweck
  des  Staates  verbindet,  die  endlich  den  Staat  nach
außen  repräsentiert  —  das  ist  Souveränität  in  ihrem  technischen
  staatsrechtlichen  Begriff,  also  nicht  dasselbe  mit  der
totalen  und  deshalb  unumschränkten  Staatsgewalt,  sondern
gerade  im  Gegenteil  den  Sentralpunkt  im  Unterschiede  der
ganzen  peripherischen  Lätigkeit  der  Staatsgewalt  bezeichnend,
und  dies  ist  es,  was  in  der  Monarchie  notwendig  dem  Könige
zukommt.  Darum  hat  der  König  allein  den  Staat  nach
außen  zu  repräsentieren,  darum  hat  er  die  Richter  zu  ernennen,
  zu  ermächtigen,  und  sie  sprechen  im  Namen  des
Königs.  Darum  darf  sich  das  Parlament  nicht  versammeln
ohne  Berufung  des  Rönigs,  und  ungeachtet  dieser  seiner
Souveränität  erkennen  die  Richter  unabhängig  von  ihm,
votieren  die  Kammern  unabhängig  von  ihm.

Die  Souveränität  in  diesem  Begriff  dem  Dolke  zuzuschreiben,
  hätte  schon  gar  heinen  Sinn;  denn  man  könnte
allenfalls  die  oberste  Ermächtigung  aller  Staatsorgane  und
Staatsfunktionen  mittelst  einer  Fiktion  vom  Dolhe  herleiten,
  aber  es  hönnte  doch  niemals  das  Dolk  eine  solche
alles  zusammenfassende,  honzentrierende  Tätigkeit  üben.

Es  ist  deshalb  auch  das  wieder  eine  durchaus  schiefe
Maurer,  Uduellensammlung.  II.  7