977
die fixierte Entschädigung, — in letzterem Fall
jedoch nur, sofern nicht seit der unrechtmäßigen
Lösung des Arbeitsverhältnisses bereits 14 Tage
verflossen sind. Dieses Recht auf fixierte Entschädigung
steht kraft Gesetzes nur den kleineren
Arbeitgebern (mit weniger als 20 Arbeitern) und
ihren Arbeitern zu. In der Großindustrie ist die
Reglung der Schadloshaltung durch den Arbeitsvertrag
möglich, nur ist auch dieses bestehende g
Recht dahin geregelt: 1) daß, wenn der Arbeitgeber
sich die Verwirkung des rückständigen Arbeitslohns
im Fall des Vertragsbruchs ausbedingt,
diese Schadloshaltung auf höchstens einen Wochenlohn
beschränkt bleibt, und 2) daß in der Arbeitsordnung
über die Verwendung des verfallenen
Betrags Bestimmung getroffen werden muß. Mit
letzterer Vorschrift bezweckte der Gesetzgeber, die
Arbeitgeber zu veranlassen, die Verwendung zum
Besten der Arbeiter vorzusehen. — Um die Gleichberechtigung
von Arbeitgeber und Arbeiter bei
Abschluß des Arbeitsvertrags in jeder Beziehung
möglichst zu wahren, ist noch die besondere Bestimmung
vorgesehen, daß die Kündigungsfristen
für Arbeitgeber wie Arbeiter gleich sein müssen
1229.
d) Sicherung einer schnellen undgerechten
Begleichung der Streitigkeiten
betreffend den Arbeitsvertrag (s. d. Art. Gewerbegericht).
Literatur. Mit der Arbeiterschutzgesetzgebung
im Deutschen Reich befassen sich: Fr. J. Neumann,
Zur Reform der deutschen Fabrikgesetzgebung
(1873); F. Hitze, Schutz dem Arbeiter (1890);
M. Hirsch. Arbeiterschutz (1890); A. Braun, Arbeiterschutzgesetze
der europ. Staaten, 1. Tl, Deutsches
Reich (1890); G. Anton, Gesch. der preuß.
Fabrikgesetzgebung bis zu ihrer Aufnahme durch
die Reichsgewerbeordnung (1891); J. Wenzel, Arbeiterschutz
u. Zentrum mit Berücksichtigung der
übrigen Parteien (1893); A. Dodd, Die Wirkung
der Schutzbestimmungen für die jugendl. u. weibl.
Fabrikarbeiter usw. (1898).
Über den Stand der Arbeiterschutzgesetzgebung
in Deutschland unterrichten als Kommentare der
Reichs-Gew.O.: R. v. Landmann, Die Gew O.
für das Deutsche Reich (2 Bde, *1907, Nachtrag
1909); Berger-Wilhelmi, Reichs-Gew.O. (181910,
Guttentagsche Sammlung); Hoffmann, Gew.O.
(71910); K. v. Rohrscheidt, Die Gew. O. (1901,
Nachtrag 1904) usw. Ferner Evert, Handbuch des
gewerbl. Arbeiterschutzes (1897 u. 1900); ders., Der
Arbeiterschutz u. seine Entwicklung im 19. Jahrh.
(1899); Nelken, Die deutschen Handwerker= u. Arbeiterschutzgesetze
(1901); Ph. Lotmar, Der Arbeitsvertrag
nach dem Privatrecht des Deutschen
Reichs (2 Bde, 1902/08); Poellath, Der Arbeiterschutz
(1901); Prenner, Der gewerbl. Arbeitsvertrag
(1906); Klein, Arbeiterschutz u. Gewerbeaufsicht
(1902); Bail, Rechtsverhältnisse der Arbeitgeber
u. Arbeitnehmer im Handwerk, Industrie
u. Handelsgewerbe (1904); Umbreit, Die Arbeiterschutzgesetzgebung
(1907); v. d. Borght, Das Recht
der Handlungsgehilfen (1909); Hitze, Was Arbeitgeber
u. Arbeitnehmer über die Gew.O.Novelle
von 1900 wissen müssen (1901); Laß, Die sozial-Schutzgesetze
gewerbliche. 978
reformatorische Gesetzgebung u. die Handlungsgehilfenfrage
(1904); Löhner, Bauarbeiterschutz u.
Baupolizei in Bayern (1907); Stier-Somlo, Deutsche
Sozialgesetzgebung (1906); ders., Die neueste
Entwicklung des Gewerbe- u. Arbeiterschutzrechts
(1910); Zwiedinek-Südenhorst, Arbeiterschutz u.
Arbeiterversicherung (1905). — Zum Betriebsstättenschutz
kommen die Schriften über Gewerbehygiene
u. Unfallverhütung in Betracht. Es seien
enannt: L. Hirt, Die Krankheiten der Arbeiter
(1871/73, 1875/78); H. Eulenberg, Handbuch der
Gewerbehygiene (1876); M. Popper, Lehrbuch der
Arbeiterkrankheiten u. Gewerbehygiene (1882);
Sander, Handbuch der öffentl. Gesundheitspflege
(21885); Uffelmann, Jahresbericht über die Fortschritte
u. Leistungen auf dem Gebiet der Hygiene
(1884/87); K. Morgenstern, Einrichtungen u.
Schutzvorkehrungen zur Sicherung gegen Gefahren
für Leben u. Gesundheit der in gewerbl. Etablissements
beschäftigten Arbeiter (1883); A. Pütsch,
Die Sicherung der Arbeiter gegen die Gefahren für
Leben u. Gesundheit im Fabrikbetrieb (1883/84);
Reichel, Die Sicherung von Leben u. Gesundheit,
Bericht über die Brüsseler Ausstellung 1886 (1887);
Füller, Hygiene der Berg-, Tunnel= u. Hüttenarbeiter
(1895); Albrecht, Handbuch der prakt.
Gewerbehygiene mit bef. Berücksichtigung der Unfallverhütung
(1896); Sommerfeld, Handbuch der
Gewerbekrankheiten (1898); Dammer, Handbuch
der Arbeiterwohlfahrt (1902/03). — Eine Zusammenstellung
der „Landesbehördl. Arbeiterschutzvorschriften“
sind vom Reichsamt des Innern veröffentlicht
(I!: 1897, II: 1902). Eine „,internat.
Übersicht über Gewerbehygiene" gibt Neißer (1907).
— Bezüglich Reglung der Arbeitszeit bieten Aufklärung:
Rost, Der achtstündige Normalarbeitstag
(1896); Rae, Der Achtstundentag (1897); Brentano,
Arbeitslohn u. Arbeitszeit (1875); Herkner,
Die soziale Reform als Gebot des wirtschaftlichen
Fortschritts (1891); E. Bernhard, Die höhere Arbeitsintensität
bei kürzerer Arbeitszeit (1910). —
Über Arbeitsordnungen handeln: Bitzer, Der freie
Arbeitsvertrag u. die Arbeitsordnungen (1872);
Hitze, Normalarbeitsordnung nebst Normalstatut
eines Arbeiterausschusses (1892); Koehne, Die Arbeitsordnung
im Gewerberecht (1901); Ulrichs,
Das Recht der Zurückbehaltung u. Aufrechnung
beim gewerbl. Arbeitsvertrag (1910); Anleitungen
zur Aufstellung einer Arbeitsordnung bieten Steinert
(1883, 1892), Oppermann, Platz, Ruediger,
Schulze, Soetbeer (alle 1902), Berndt (1910).—
Dankenswerte Beiträge zu den Fragen des Arbeiterschutzes
enthalten die Schriften der Gesellschaft für
Sozialreform, z. B. Hft 3/4, 6, 7/8, 18, 19; ferner
die Schriften der internat. Vereinigung für gesetzl.
Arbeiterschutz u. der österreich. Gesellschaft für Arbeiterschutz.
— Zur Frage der „Beschäftigung verheirateter
Frauen“ find bedeutungsvoll die auf
Grund der Erhebungen der Gewerbeausfsichtsbeamten
im Reichsamt des Innern zusammengestellten
Ergebnisse (1901); Pohle, Frauen-Fabrikarbeit
u. Frauenfrage (1900). Ein „Lexikon des
Arbeiterrechts“ hat A. Elster herausgegeben (1910).
— Eine Übersicht der Arbeiterschutzgesetzgebung
geben auch Herkner, Die Arbeiterfrage (51908) u.
Hitze, Die Arbeiterfrage (7(1904). Wichtiges Material
bieten endlich die Drucksachen des „Beirats
für Arbeiterstatistik“ u. die Berichte der Gewerbeaufsichtsbeamten.