Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1844. (21)

                                                                                                                                                     183

verwalteten  Innenpostagenturen  sind  außerdem  zur  Annahme  von  Postanweisungen
nach  Orten  in  Kamerun  und  in  Deutschland  und  zur  Auszahlung  von  Postanweisungen
  aus  Orten  Kameruns  ermächtigt.

      Die  Postverbindung  zwischen  dem  Schutzgebiet  und  der  Heimat  erfolgt  durch
die  Dampfer  der  vereinigten  deutschen  Westafrika-Linie  (Woermann-Linie,  Hamburg-Amerika-Linie
  und  Hamburg-Bremer-Afrika-Linie)  in  beiden  Richtungen
monatlich  zweimal  und  durch  die  der  African  Steamship  Company  und  der
British  and  African  Steam  Navigation  Company  alle  vier  Wochen.  Zum  Teil
vermitteln  diese  Dampfer  auch  im  Verein  mit  den  beiden  Gouvernementsfahrzeugen
  „Nachtigal“  und  „Herzogin  Elisabeth“  den  Küstenverkehr  zwischen  Rio
del  Rey,  Bibundi,  Victoria,  Duala,  Malimba,  Longji,  Plantation,  Kribi  und
Campo.  Zwischen  Sante  Isabel  (Fernando  Po)  und  Victoria  besteht  durch  spanische
  Dampfer  eine  monatliche  Verbindung  zum  Anschluß  an  die  deutsche  Kamerun-Hauptlinie.
  Gelegentlich  werden  auch  andere  Fahrzeuge,  wie  Kriegsschiffe,  Privatpinassen
  usw.,  zur  Beförderung  der  Post  zwischen  den  Küstenplätzen  benutzt.  Daneben
  stellen  Botenposten  und  auf  einzelnen  Strecken  Kanus  und  Pinassen  Verbindungen
  zwischen  den  Küstenplätzen  untereinander  sowie  zwischen  diesen  und
einigen  näher  gelegenen  Postanstalten  des  Innern  her.  Die  weiter  im  Innern
gelegenen  Postanstalten  haben  durch  die  Verbesserungen  im  Dienste  der  Woermann-Dampfer
  vermehrte  Verbindungen  erhalten,  die  Botenposten  von  und  nach
der  Küste  verkehren  jetzt  monatlich  viermal.  Die  Postagenturen  Garna  und  Kusseri
benutzen  zur  Beförderung  der  Briefpost  den  Wasserweg  über  Forcados—Lokodja—
Bola  und  die  Postagentur  Molundu  leitet  den  größten  Teil  ihrer  Post  über
Matadi  (Belgisch-Congo).  Die  Nordbahn  wird  zur  Beförderung  der  Post  durch
Einrichtung  einer  wöchentlich  dreimal  in  beiden  Richtungen  verkehrenden  Bahnpost
  benutzt.

     Das  Postamt  in  Duala  ist  durch  ein  Unterseekabel  mit  Bonny  im  englischen
Süd-Nigeria  verbunden  und  hierdurch  an  das  internationale  Kabelnetz  angeschlossen.
  Die  Länge  der  Telegraphenlinien  und  -leitungen  im  Schutzgebiet,  die
sowohl  dem  Telegraphen-,  als  auch  dem  Fernsprechverkehr  dienen,  hat  860  und
890  km  erreicht.  Die  Länge  der  nur  für  den  Fernsprechverkehr  benutzten  Linien
ist  auf  82  km  gestiegen,  die  Länge  der  Fernsprechleitungen  auf  576  km.  Im  Bau
befindet  sich  eine  neue  Telegraphenlinie  zwischen  Akonolinga  und  Abong-Mbang.
Besondere  Ortsfernsprechnetze  bestehen  an  17  Orten.  Die  Zahl  der  an  die  Ortsfernsprechneße
  herangeführten  Anschlüsse,  einschließlich  der  öffentlichen  Fernsprechstellen,

beträgt  314.

       Von  den  beiden  in  Kamerun  angelegten  Bahnen  wurde  die  Kamerun-Nordbahn
  mit  160  km  Länge  von  Bonaberi  bis  Nkongsamba  am  1.  April  1911  dem
öffentlichen  Verkehr  übergeben,  während  der  Oberbau  der  Mittellandbahn  nach
Fertigstellung  der  Dibambabrücke  über  diese  hinaus  verlegt  wurde  und  im  Februar
1912  den  Nordarm  des  Sanagaflusses  erreichte.  Am  27.  März  1912  konnte  der
vorläufige  Fracht=  und  Personenverkehr  bis  km  81,  d.  h.  bis  zum  Sanaga-Nordarm,
  aufgenommen  werden.

Dem  Grundsatz  entsprechend,  daß  die  Erschließung  des  Schutzgebiets  dort,
wo  eine  Bahn  weder  besteht  noch  vor  der  Hand  geplant  ist,  gute  Verkehrswege  voraussetzt,
  daß  aber,  wo  Bahnen  bestehen  oder  entstehen  sollen,  zu  ihrer  völligen
Ausnutzung  sich  dem  Gerippe  des  Schienenweges  ein  Netz  von  Zubringerstraßen
angliedern  muß,  ist  der  Wege=  und  Brückenbau  nach  Möglichkeit  gefördert  worden.
Insbesondere  schreitet  der  Süden  fort,  wo  dem  Vordringen  der  Batanga-Firmen
von  Kribi  und  den  benachbarten  Küstenplätzen  ins  Innere  naturgemäß  ein  Ausbau
  der  Hauptrouten  in  westöstlicher  Richtung  entspricht.

      Am  besten  wird  der  große  Aufschwung,  den  die  Kolonie  genommen  hat,  durch
die  gute  Entwicklung  der  Finanzen  illustriert.