Metadata : Das Unterrichtswesen im Deutschen Reich. IV. Band 3. Teil. (6)

Franke:  Ostasien  im  Weltkriege

Seit  der  deutschen  Tauchbootsperre  im  Februar
1917  und  der  weiteren  Behinderung  der  Ausfuhr
sind  die  inneren  Schwierigkeiten  Spaniens  stärker  geworden;
  Romanones  hatte  im  März  1917  Arbeiterunruhen
  w  beschwichtigen.  Dann  mußte  er  abgehen,
da  seine  Politik  in  das  westmächtliche  Fahrwasser  geriet;
  der  liberale  Garcia  Prieto  wurde  sein  Nachfolger,
der  zwar  1912  als  auswärtiger  Minister  die  Verändigung

  mit  Frankreich  betrieben  hatte,  jetzt  aber

ie  Neutralität  zu  wahren  bemüht  war.  Auch  er
machte  im  Juni  1917  wieder  dem  Konservativen  Dato
Platz.  Es  hatten  sich  plötzlich  innere  Schwierigkeiten

ezeigt,  die  militärisch  und  partikularistisch  zugleich
95.  a  die  Offiziere  eines  katalonischen  Bezirks  Forerungen

  erhoben  und  in  Barcelona  sogar  ein  Sonder-Lorlament
  erstanden  ist.  Doch  ist  zu  boffen,  daß  der

önig  und  die  große  konservativ  -liberale  Mehrheit
des  Landes  unerschüttert  bleiben.  Reden,  wie  die  im
April  1917  von  dem  hervorragenden  karlistischen
Führer  Vazquez  de  Mella  in  Bilbao  und  von  dem
allverehrten  Antonio  Maura  in  Madrid  vor  einer
riesigen  Hörerschaft  gehaltenen,  zeigen,  daß  nicht  nur
die  Neutralität,  sondern  auch  die  Neigung  für  Deutschland
  und  der  Wunsch  nach  Befreiung  vom  Gibraltar-Joch
  in  Spanien  zahlreiche  Anhänger  zählen.

Da  die  paniberischen  Bestrebungen  im  Weltkrieg
stärker  geworden,  hat  sich  auch  der  Zusammenhang
Spaniens  mit  den  spanischen  Kolonien  Südamerikas

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gesesiigt  so  kommt  es,  daß  die  bedeutendsten,  Chile  und
rgentinien,  trotz  der  Verlockungen  Wilsons,  an  der
Neutralitätfesthalten,  während  das  portugiesische  Brasilien
  die  Beziehungen  zu  Deutschland  abgebrochen  hat.

Literatur.  Allgemeines:  VB.  Valentin,  Entente  und
Neutralität  (Leipz.  1917);  Clapp,  Britisches  Seekregsrecht
  und  die  Neutralen  (Üübersetzt  von  E.  Zimmermann,
Berl.  1010h:  J.  Jastrow,  Völkerrecht  und  Wirtschaftskrieg
  (Bresl.  1917);  „Neutrale  Stimmen=  (eingeleitet  von
R.  Eucken,  Leipz.  1916);  H.  Floerke,  Dokumente  der  Freundaft
  (Münch.  1915).  —  Schweiz:  „Polit.  Jahrbuch  der

weiz.  Eidgen.“,  Jahresberichte  und  Beilagen  des  28.—

.  Bandes;  Stimmen  im  Sturm=  (Flugschriftensammlung);
  H.  Bächtold,  Die  nationalpolitische  Krisis  in  der
Schweiz  (Basel  1916);  A.  v.  Salis,  Die  Schweiz  im  Welttrieg
  (Leipz.  1915);  Paul  Wernle,  Gedanten  eines  Deutsch-Schweizers
  (Zürich  1915);  Jak.  Schaffner,  Die  Schweiz
im  Weltkrieg  (Stuttg.  1915).  —  Skandinavien:  F
Stieve,  Schwedische  Stimmen  zum  Weltkrieg  (Leipyz.
1916);  M.  A.  Schiff-Drost,  Der  nordische  Knoten  (Berl.
1915).  —  Niederlande:  Treub,  Oorlogstud  (Haarlem
1916);  Hollands  Not.  Der  Niederl.  übersee-Trust-  (Bern
1916);  F.  Tönnies,  Die  mederländ.  Ubersee-Truft-Gesellschaft
  (Jena  1916).  —  Spanien:  P.  Herre,  Spanien  und
der  Weltkrieg  (Münch.  1915);  L.  A.  del  Olmet,  Der  Sieg
Deutschlands  (das.  1916);  Ed.  Llorens,  Der  Krieg  und
das  Recht  (Hamb.  1916);  T.  Gast,  Deutschland  und  Südamerika
  (Stuttg.  1915).  —  Ugl.  auch  die  auf  die  Neutralen
bezüglichen  Sonderhefte  der  „Süddeutschen  Monatshefte-(Skandinavien,
  Januar  1918;  Schweiz,  Mai  1916;
Niederlande,  August  1916;  Spanien,  Juni  1917).

Ostasien  im  Wellkrieget
von  Professor  Dr.  Otto  Franke  in  Hamburg

Wenn  man  sich  vergegenwärtigt,  daß  die  letzten
Ursachen  des  Weltkrieges  in  den  drei  bekannten  Grundtatsachen
  zu  suchen  sind,  nämlich  in  dem  Revanchebedürfnis
  Frankreichs,  in  den  Herrschaftsbestrebungen
des  russischen  Panslawismus  hinsichtlich  des  Balkans
und  des  Orients,  deren  Erfolg  die  Beseitigung  der
deutschen  und  österreichischen  Bukunfismöglichkeiten
dort  zur  Voraussetzung  hatte,  und  in  dem  Entschlusse
Englands,  zugunsten  seiner  besonderen  Weltstellung
die  Flotte,  die  Kolonien  und  den  überseeischen  Handel
  Deutschlands  zu  vernichten,  so  erhellt  ohne  weiteres,
  daß  für  Ostasien  und  sein  Verhältnis  zum  Kriege
höchstens  die  letzte  der  drei  Tatsachen  wirksam  werden
  konnte,  und  auch  diese  nur  in  ganz  beschränktem
Umfange.  Wenn  die  Brandfackel  des  Krieges  gleich
nach  seinem  Ausbruche  auch  in  Ostasien  aufloderte,
so  halte  dies  lediglich  seinen  Grund  in  der  Art,  wie
England  den  Krieg  vorbereitet  hatte,  die  nur  durch
ein  außerordentliches  Schwächegefühl  der  »weltbeherrschenodene
  Macht  erklärt  werden  kann.  Deutscher  Einfluß
  und  deutscher  Handel  sollten  nach  den  englischen
Plänen  offenbar  an  jedem  Punkte  des  überseeischen
Auslandes  bis  auf  die  letzte  Spur  ausgetilgt  werden;
aber  allein  fühlte  sich  Britannien  trotz  aller  Ruhmredigkeit
  und  Prahlerei  für  diese  Aufgabe  bei  weitem
nicht  stark  genug.  Es  warb  seine  Trabanten  und  Büttel,
  wo  immer  es  sie  fand,  und  zahlte  oder  versprach
wenigstens  die  höchsten  Preise.  In  Ostasien  wurde
Japan  für  seine  Dienste  gewonnen,  und  dieser  Umstand
war  es,  der  den  fernen  Osten  sogleich  in  den  Krieg

1  Abgeschlossen  Anfang  Juni  1917.

betnzig,  Aus  dem  europäischen  Kriege  wurde  durch
nglands  Zettelungen  ein  wirklicher  Weltkrieg.

Deutschland  besaß  an  der  Küste  von  Schantung,
gegenüber  dem  japanischen  Port  Arthur.  das  rasch
emporgeblühte  Schutzgebiet  von  Kiautschou,  Eisenbahnen
  und  Bergwerksgerechtsame  in  Schantung,
eigene  nationale  Niederlassungen  in  den  Häfen  Tientsin
  und  Hankou  und  einen  zukunftsreichen  Handel
in  vielen  von  den  übrigen  Vertragshäfen.  Dieser
Besitz  schien  England  wichtig  genug,  um  ihn  dem
deutschen  Eigentümer  zu  entreißen  und  soweit  wie
möglich  an  sich  zu  bringen.  In  Deutschland,  wo  man
von  der  Art  und  dem  Umfange  der  englischen  Verschwörung
  zunächst  kaum  noch  die  rechte  Vorstellun
hatte,  bemühte  man  sich,  ebenso  wie  Afrika,  so  auc
Ostasien  aus  dem  Bereiche  der  kriegerischen  Unternehmungen
  auszuschließen,  es  durch  ein  besonderes
Übereinkommen  zu  neutralisieren.  China  kam  diesen
deutschen  Bestrebungen  auf  halbem  Wege  entgegen.
Etwa  eine  Woche  nach  Ausbruch  des  Krieges  wurde
dem  japanischen  Vertreter  in  Berlin  in  Aussicht  genenlt.
  daß  das  deutsche  Geschwader  in  Ostasien  den

efehl  erhalten  würde,  sich  feindseliger  Handlungen
in  den  dortigen  Gewässern  zu  enthalten,  sofern  England,
  Rußland  und  Frankreich  Gegenseitigkeit  verbürgten
  und  Japan  neutral  bliebe.  Um  die  nämliche
  Zeit  bemühte  sich  China  bei  den  fremden  Vertretungen
  in  Peking,  die  Zustimmung  der  kriegführenden
  Mächte  zur  Neutralisierung  der  chinesischen.
Küsten  und  Gewässer  zu  erlangen.  Frankreich  und
Rußland  scheinen  diesen  Bestrebungen  nicht  grundsätzlich
  abgeneigt  gewesen  zu  sein;  dagegen  mußten
England  und  Japan  bei  der  Art  ihrer  Pläne  und
Abmachungen  sie  selbstverständlich  unter  allen  Umständen
  vereiteln.