Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

Num̃m̃er  3

Eine  neue  englische  Gemeinheit.
Haag,  10.  Marz.  Det  englische  Admitalstab
teilt  mit,  daß  den  geretteten  Ofsizieren  des  versentten
  Unterseebootes  nicht  dieselbe  ehrenvolle
Behandlung  zugebilligt  werden  könne,  wie  anderen
  Gesangenen,  da  das  Untersceboot  wahrscheinlich
  der  Urheber  zahlreicher  englischer
Schiffsverluste  im  Kanal  sei.  Es  könne  ähnen
nicht  gestattet  werden,  sich  unter  anderen  Gesangenen
  frei  zu  bewegen.  Das  „Echo  de  Paris“
  meldet,  das  Admiral  Lord  Beresford,  ge
stützt  auf  ein  altes  Gesetz  des  Kriegerechtes,  die
sormelle  Anwendung  dieses  Gesetzes  fordert,
wonach  die  gefangenen  Offiziere  des  deutschen
Unterseebootes  aufgehängt  merden  sollen.  (3Z.)
Die  deutsche  Regierung  wird  sicherlich  um
gehend  die  rechte  Antwort  auf  diese  englische
Gemeinheit  finden.

Die  Verluste  der  englischen
Handelsmarinc.

Berlin,  10.  März.  Eine  nach  genauer  privater
  Aufstellung  angefertigte  Liste  der  bie  1.
März  1915  vernichteten  englischen  Dampfer  ergibt
  zusammen  111  Dampfer  mit  einem  Gesamtgehalt
  von  uber  400  000  Tonnen,  vier
Hilsekreuzer,  1  Segler,  1  Schooner,  8  Minensucher
  und  ein  Transportdampfer  unbekannter
Orôße.  Alles  in  allem  ergibt  sich  eine  Tonnage
von  437  879.  Die  in  Häsen  internierten  englischen
  Handelsschiffe  sind  in  dieser  Liste  nicht
enthalten.  (3.)

Die  Torpedierung  der  drei
englischen  Dampfer.

London,  10.  März.  Die  „Prinzeß  Victoria“
  wurde,  18  Meilen  von  der  Merseymündung
  entfernt,  torpediert.  Es  wurde  scharf  Ausguck
  nach  Unterseebooten  gehalten,  aber  trotz
des  klaren  Wetters  wurde  kein  feindliches  Fahrzeug
  wahrgenommen,  bis  der  Steuermann  um
9  Uhr  30  Min.  vormittags  plötzlich  einen  Torpedo
  gerade  auf  das  Schiff  zukommen  sah.  Eine
hestige  Explosion  warf  das  Schiff  auf  die  Seite.
Zwei  Boote  wurden  niedergelassen  und  die
Besatzung  mußte  stundenlang  ausharren,  bis  sie
von  einem  kleinen  Damvser  ausgenommen
wurde.  Die  „Prinzeß  Victoria“  ging  in  15
Minuten  unter.  „Blackwood“  wurde  um  6  Uhr
früh  torpediert.  Das  Wetter  war  schlecht  und
esr  herrschte  Schneetreiben.  Die  Besatzung
brachte  21½2  Stunden  in  Booten  zu,  bis  sie  aufgenommen
  wurde.  Nachdem  der  Dampfer  getrossen
  worden  war,  erschien  das  Unterseeboot
lurze  Zeit  an  der  Oberfläche  des  Wassers.  Der

Dampfer  „Tangistan“  wurde  um  1212  Uhr
sruͤh  versenkt.  Man  war  im  Begrifse,  die  Boote
niederzulassen  und  die  Besatzung  hatte  eben
darin  Platz  genommen,  als  dos  Schiff  plötzlich
  mit  den  Booten  und  der  Besatzung  versonk.
Ein  Matrose,  der  gerettet  wurde,  hatte  sich
au  eine  Kiste  geklammert  und  blieb  212  Stunden
  darauf,  bis  er  von  einem  Boot  aufgenom.
men  wurde.  Eine  Anzahl  indischer  Matrosen
hielt  sich  an  der  Schiffsplanke  und  blieb  eine
Zeit  lang  über  Wasser.  Die  Leute  konnten  aber
nicht  aushalten.  (.3.)

Zum  Untergang  des  Dampfers
„Bengrove“.

Amsterdam,  10.  März.  Wie  Neuter  aus
London  berichtet,  sank  der  vor  Ilfracombe  torledierte
  Dampfser  „Bengrove“  (nicht  „Bergerove“)
  vor  den  Augen  von  Tausenden  von  Juschauern.
  Das  Schiff  hatte  am  Sonntagfrüh
Barry  in  Südwales  mit  einer  dung  von
//0  Tonnen  Kohlen  verlassen.  Zur  Zeit  der
Explosion  waren  21  Dampfer  in  der  Nähe,
von  denen  sechs  Hilfe  senden  konnten.  Gerade
die  Reederei  der  „Bengrove“  hatte  an  die  Zeitungen
  ein  Schreiben  gesandt,  worin  sie  eine
Prämie  von  500  Pfund  für  die  Vemichtung
der  nächsten  vier  deutschen  Unterseeboote  durch
Handelsschiffe  aussetzte.  „Bengrove“  war  2989
Tonnen  groß.  (3.)

B##  den  Sler9.  Kulegsichanglster.

Der  omtliche  österr.  Bericht.

WISB.  Wien,  10.  März.  Amtlich  wird  gemeldet:
  An  der  Front  in  Russisch-Polen  herrscht
auch  weiter  eine  lebhafte  Gefechtstätigkeit.  —
In  Westgalizien  wurde  das  von  unseren  Trupren
  südlich  Gorlice  eroberte  Gebiet  noch  erneitert.
  Ein  anschließender  Schützengraben  des
Feindes  wurde  erstürmt  und  über  200  Mann
gefangen.  —  Bei  günstigeren  Sichtverhältnissen
hatte  geslern  in  einigen  Abschnitten  der  Karbathenfront
  unsere  Artillerie  durch  gute  Wirlung
  einen  sichtlichen  Erfolg.  Eine  nahe  vor  der
eigenen  Stellung  liegende  Bergrückenlinie,  die
von  feindlicher  Infanterie  besetzt  war,  wurde  insolge
  des  flanlierenden  Feuers  unserer  Artilkerie
  fluchtartig  geräumt.  Gierbei  erlitt  der
Feind  in  wirlsamstem  Schrapnellseuer  schwere
Verluste.  Bei  der  Eroberung  einer  Stellung  an
dieser  Front  wurden  300  Mann  gefangen  und

viel  Koiegematerial  erbeutet.  Vor  unseren  Stellungen

  in  Stdastgalizen.  herrscht  im  Allgemeinen
  Ruhe.  Nördlich  von  Nadworna  wurde  ein

###  Ahet#e#

Ein  Meisterwerh  der

In  den  auslandischen  Blättern  wird  ülereinstimmend
  die  staunenswerte  Geschidlichleil  der
deutschen  Truppen  in  der  Spatenarbeit  hervorgehoben
  und  ihre  auherordentliche  Kunlt.
fertigkeit  in  der  Ausnutzung  des  (Gelände?  zu

„Schippe#thelonnen.“

Auch  unser  Landsturar
ierin  Leldenen

  unserer  Feld-Merleidigungozwecken.



ohne  Wafse,  die  „Schipper“,  haben  hi
stungen  auszuweisen,  die
grauen  nicht  nachstel#en.

 

 

Vorstoß  schwächerer  feindlicher  Kräfte  abgeuiesen.
  Gleichzeitig  wurden  an  anderer  Stelle  mehrere
  seindliche  Bataillone,  die  gegen  uniere
Front  vorgegangen  waren,  zurudgeworfen  und
in  der  Verfolgung  1900  Mann  gefangen.
In  der  Bukowina  ereignete  sich  in  der  letzten
Zeit  nichts.  Am  nördlichen  Pruth-Ufer  bei
Gernoueg  fanden  nur  unbedeutende  Plänleleien
stat
Russische  Kampfesweise.

Wien,  10.  März.  Aus  dem  Kriegepressequartier
  wird  gemeldet:  Nachmittags  erschien
vor  der  befeiligten  Stellung  unserer  Truppen
nördlich  von  Radworna  ein  russischer  Parla.
mentär,  der  folgendes  mitteilte:  Auf  Befehl
ded  russischen  Kommandanten  mürden  morgen
vormittag  ungefähr  15/7)  „Judensamileen,  die
heute  bei  Kamiona  und  Tyemieniczany  versammelt
  wurden,  über  die  russische  Linie  hinaus.
zu  den  österreichisch-ungarischen  Truppen  abgeschoben
  werden.  Da  die  Judenfamilien  befürchteten,
  von  den  Oeslerreichern  angeschoisen.
zu  werden,  so  erschien  der  Parlamentär,  um
dies  mitzuteilen.  Durch  dieses  unerhört  brutale
  Vorgehen  bezweckt  der  Feind  zweifellos,
Tausende  Unbeteiligter,  die  er  brotlos  machte,
gleich  einer  Viehherde  vor  sich  herzutreiben,  um
sich  ungefährdet  unseren  Stellungen  zu  nähern.
Die  Verwirklichung  des  scheußlichen  Vorhabens.
das  als  Schande  des  Jahrhundert;  bezeichnet
werden  muß,  kann  bei  dem  tiefsten  Mitgefühl
für  die  armen  Opfer  der  barbarischen  Willkür
aus  militärischen  Gründen  nicht  geduldet  werden.
  Der  Raum  vor  den  befestigten  Stellungen
muß  nämlich,  da  ein  Waffenstillstand  fur  das
Abschieben  der  Judensamilien  vom  Feinde  weder
  angeboten  wurde,  noch  unsererseits  negen
des  Heranziehens  feindlicher  Verstärtungen  annehmbar
  ist,  bei  jeder  Annäh  herung  von  seiten
des  Feindes  unbedingt  unter  Feuer  genommen
werden.  Dem  russischen  Kommandanten  n  urde
daher  durch  den  Parlamentär  nachslehende
schriftliche  Antwort  übersandt:  as  Ueberschreiten
  der  eigenen  Linie  von  seilen  des  Feindes
  kann  unter  leinen  Umständen  für  irgend
jemand  gestattet  werden.  Daher#  mird  der  Raum
vor  der  eigenen  Front  unter  Feuer  gehalten.
Ich  ersuche  die  Judenfamilien  in  Kamiona  und
Tysmieniczany,  HBiervon  Neuntnis  zu  nemen
und  daß  die  ungeheure  Verantwortung  für  die
beabsichtigte  unmenschliche  Handlung,  Tausende
unschuldiger  Landbewohner  gegen  unsere  Stellung
  zu  treiben,  ausschließlich  dem  russischen
Kommandanten  zufällt,  der  den  barbarischen,
jedem  Kriegsbrauch  hohnsprechenden  Befehl  erteilte,
  dies  umsomehr,  als  keine  Gewähr  dajür
besteht,  daß  die  Unschuldigen  nicht  beoh  als

Schild  für  die  Annäherung  der  vussischen  Truppen
  dienen  werden.  Es  wird  dafür  gesorgt,
daß  dieses  Verhalten  vor  aller  Welt  gebrandmarkt
  werde.“

Julen.

Arbeitslosigkeit  und  Teuerung
in  JItalien.
Mailand,  10.  März.  Aus  verschiedenen
Orten  Venetiens  werden  schwere  Ausschreitungen
  der  Bevölkerung  negen  Arbeitslosigkeil  und
Brotteuerung  gemeldet,  ebenso  aus  Perugia.
Die  Arbeiterkammer  von  Carrara  erllärte  den
Generalstreik  aller  Kotegorien,  mit  Einschluß
der  Stadtangestellten.  Die  Agitat  on  nurde  durch
das  gänzliche  Darniederliegen  der  Marmorindustrie,
  in  der  10  000  Personen  beschäftigt  waren,

 

Ein  italienischer  Sieg  in  Tripolis.

Benghasi,  10.  März.  (Agenzia  Stefani.)
Um  ein  Lager  der  Ausständischen  am  Wadi
Gamra  zu  zerstören,  ging  am  8.  Mätz  eine
aus  italienischen,  erythreischen  und  lybischen
Truppen  zusammengesetzte  Ableilung  von  Benina-Macoagatta
  ab  und  erreichte  Omen  Seilaneb
  ohne  Widerstand;  sie  marschierte  am  9.
März  auf  Gheifat.  Eine  Stunde  von  diesem
Ort  entsernt  fand  sie  eine  elwa  1500  Mann
starke  Gruppe  der  Aufständischen.  Diese  murden
angegriffen  und  zu  schleuniger  Flucht  genöügt.
Hestige  Gegenangrifse  anderer  Gruppen  vurden
  glanzend  zurüdgewiesen;  ein  wirkungsvolles
Artilleriefeuer  vervoliständigte  den  Sieg.  GEheisat
  murde  dann  ohne  weileren  Zwischenfall  erreicht.
  Der  Feind  ließ  159  Tote  und  gahlreiche
  Veru  unndete  auf  dem  Felde.  Auf  italienischer
  Seite  naren  1  Offizier  tot,  2  verwundet,
von  italienischen  Soldaten  3  lot.  4  leicht  ver-Uundet,
  von  farbigen  Soldaten  20  tot  und  600
verwundet.  Die  Haltung  der  Offiziere  und
Mannschaften  Lar  über  jedes  Lob  erhaben.  (3.)

Griechenland.

Ein  französisches  Eingeständnis.

Genf,  11.  März.  Der  „Matin“  gibt  heate
zu,  daß  die  Bemühungen  der  Ententemäcte
und  ihrer  Presse,  die  Balkanländer  zu  einem
Krieg  gegen  die  Türkei  zu  zen,  gescheieert
sind,  weil  die  Regierungen  der  Baltanstaalen
kein  Vertrauen  in  den  Sieg  Rußlands  haben.
Der  „Matin“  meint,  daß  die  diplomatischen
Bittgänge  nach  Bukarest,  Sofia  und  At#en
nichts  mehr  nützen,  daß  die  Sprache  der  Kanonen
  allein  zum  Ziele  führen  könne.  Lder
Durchbruch  durch  die  Dardanellen  und  die  Wederaufnahme
  der  russischen  Offensive  in  der
Bukonina  sind,  so  schließt  das  Blatt,  unsere
besien,  fast  unsere  einzigen  diplomatischen
Trümpse  in  den  Balkanländern.  Dort  wie
überall  gilt  das  Wort,  daß  nichts  glückt  gie
der  Erfolg.  (.3.)

Venizelos.

Mailand,  10.  März.  „Sera“  meldet  ous
Athen:  Venizelos  ist  ohne  Handschreiben  des
Königs  in  voller  Ungnode  entlassen  worden.
Es  bestätigt  sich,  daß  Venizelos  dem  Dreioerbande
  bindende  Erllärungen  gegeben  hatte,  obne
die  Zustimmung  des  Königs  und  der  Ministekollegen
  zu  besitzen.  Unmittelbar  nach  Bekamtwerden
  des  Regierungsnechsels  sind  auch  die
bulgarischen  Truppenlonzentrationen  an  der
griechischen  Grenze  zum  Stillstand  gekommen.
„Unione"  schreibt:  „Der  Enischluß  des  griechischen
  Königs  hat  die  Gefahr  eines  neuen
Balkankrieges  tatsächlich  beseitigt.“

De  ßeschehung  der  Dardanellen.

Die  Beschießung  der  Dardanellen.

Konstantinopel,  10.  März.  Die  Beschießung
  der  Hedorleafort  am  Sonntag
nar  furchtbar.  §5.  12  Uhr  15  linnte
kabchen  3  englische  uggfe  und  ein  französisches

 

veranlaßt.  (3.)

am  Horizont  auf  und  bald  eröffneten  diese
mit  den  4  chwersten  Geschützen  die  Beschießung.

Fecttag,  12.  Mäsz  18  1#

s  hr  wifam  riff  das  Fork  Hamidie  in  den
Nompf  ein.  1%  Schon  einer  der  erlten  Schuss#
rof  ein  englische=  Kriegsschiff  und  lräs  machten
  die  Batterien  des  Forts  noch  zu#i  Tre  ser.
Mit  geuultigem  Gctöse  rollten  die  35  Zentimeter-Geschosse
  über  das  Wasser  hin.  Der  Artilleriekanm
  f  zu#ischen  den  Forts  und  den  feind
lichen  Schiffen  nar  entsetzlich.  Aber  trotz  der
sohllosen  Geschosse,  die  von  den  Engländern
abgeseuert  wurden,  blieben  die  Angriffe  ersolglos.
  Auf  den  Forts  ist  nicht  ein  Mann  verletzt
  und  nicht  ein  Geschütz  getroffen  morden.
Nach  dreistündiger  Beschießung  zogen  sich  die
feindlichen  Schiffe  zurück.  (3Z.)
Vor  Smyrna  gesunken.
Konstantinopel.  10.  März.  Wie  aus
Smurna  gemeldet  wird,  wurden  Matrosenmüt:
zen  und  verschiedene  andere  von  feindlichen  Schifsen
  stammende  (begenstände,  sowie  Schiffstrümmer
  an  die  ZKusfte  gespielt.  Man  nimmt  an.
daß  die  Gegenstande  von  dem  seindlichen  Mi
nensucher  stammen,  der  bei  dem  Bombardemenl
der  Forts  von  Siyrna  untergegangen  it.  (3.)
Die  englische  Niederlage
in  Mesopotamien.

Konstantinopel,  10.  März.  Der  „Agence
Milli“  zufolge  besetzten  die  Türken  nach  der  ge-#Krern
  vom  Hauptquartier  gemeldeten  Schlacht  in
Mesopotamien  die  Stadte  Abwaz  und  Utaz.
Der  vollständig  in  die  Flucht  geschlagene  Feind
verschanzte  sich  in  der  Umgebung  Schuabis.  (3#)

Mißtrauen  in  Rußland.

Petersburg,  10.  Marz.  „NRietsch“  vom
z.  März  polemisiert  gegen  die  Aeußerungen
französischer  Blätter,  die  zwar  den  Besiy  Kon
stantinopels  Rußland  einräumen,  den  Bosporus
und  die  Dardanellen  aber  neutralisieren  wollen.
Der  Besitz  Konstantinopels  jei  für  Rußland  von
Wert  nur  dann,  falls  auch  die  Meerengen  ruf.
sischer  Besinz  uürden.  Konfstantinopel  sei  in  der
Tat  nur  die  natürliche  Zugabe  zu  dem  Besich
der  Meerengen.  Die  freie  Durchfahrt  für  die
Neutralen  und  die  Balkanstaaten  sei  natürlich
n  ichtig,  die  Entscheidung  uber  die  Durchfahn
lönnc  aber  ebensogut  in  Petersburg  ohne  Mit.
wWirkung  der  Alliierten,  mie  in  Paris  oder  Lon
don  getroffen  werden.  Die  Trennung  der  Herr.
schaft  in  der  Frage  der  Meerengen  von  der
Frage  des  Besitzes  Konstantinopels  beweise  nur,
daß  die  alli#terte  Presse  das  Lebensinteresse  Ru##
lands  nicht  verstehe.  Wünschensmwert  sei,  daß
die  alliierte  Presse  sich  diese  zweifellose  Wahr.
liin  sest  einpräge.  Unsere  Verbündeten  müssen
uissen,  daß  für  Ruhbland!)  diese  Frage  nicht  weniger
  wichtig  ist,  als  die  Frage  Acgyptens  oder
die  des  Copern-  Vertrages  für  England,  die
England  selbständig  gelost  hat,  olne  erst  die
Friedensverhandlungen  abzuwarten.  Deöhalb
hat  die  Erflärung  Sir  Edward  Greys,  daß  die
Einzelheiten  binsichtlich  der  Dardonellen  dem
Friedensvertrag  vorzubehalten  seien,  das  öfsemliche
  Bewußtsein  in  Rußland  so  schmerzlich
berührt,  besonder?  zu  einer  Zeit,  wo  unsere
Verbündeten  alle  Anstrengungen  zur  Bezwingung
  der  Dardanellen  machen  und  bald  als
erste  vor  den  Mauern  Konllantinopels  slehen.
lonnten.  (3.)

Meriko
Kritische  Lage  in  Meziko.

Rotterdam,  10.  März.  Aus  Meriko  wird
gemeldet:  Die  Lage  in  der  Hauptstadt  Meriko
nahm  durch  die  Verbinderung  der  Zufuhr  von
Lebenomitteln,  durch  die  Beschlagnahme  der
rorhandenen  Vorräle  und  durch  das  Abschneiden
  der  Wasserleitung  durch  Carranza  einen
dußerst  bedrohlichen  Charakter  an.  Das  diplomatische
  Korps,  das  vor  einigen  Tagen  einstimmig
  beschlossen  hatte,  die  Hauptstadt  zu
rerlassen,  gab  diese  Abjicht  zunächl  auf,  wahrscheinlich
  auf  Anregung  der  Washingtoner  Fegierung.
  Inzuischen  wurde  auch  die  lEisenbahnrerbindung
  mit  der  Stadt  Mocriko  unterbrocien,
  so  daß  das  Verlassen  der  Hauptstadt  für
die  Diplomaten  und  die  zahlreichen  Ausländer
unmöglich  wurde.  Die  Dixlomaten  ersuchten
telegraphisch  ihre  Regierungen  um  Vorstellun
gen  in  Walhington,  damit  seilens  der  amerikanischen
  Regierung  Mabnahmen  zum  Schutz
der  Ausländer  ergriffen  werden.  (Die  deutsche
Regierung  trug  ihrem  Vertreter  in  Washinglon
entsprechende  Vorstellungen  auf.)  Inzwischen
entsandte  die  amerikanische  Regierung  bereits.
den  geschützten  Kreuzer  „Tacoma“,  den  Panzer
lreuzer  „Washington“  und  das  Schlachtschiff
„Georgia“  nach  Veracruz.  (3Z.)

Krieos-  Togurg  des  Reichstages.
Berlin,  10.  Marz.

Der  Reichstag  trat  heute  wieder  zu  einer
lürgen  Kriegstagung  zusammen,  in  der  nament
lich  der  Etat  für  das  kommende  Finanzjahr
erledigt  werden  soll.  Die  beiden  ersten  Sit
zungen  trugen  auch  diesmal  wieder  einen  erbebenden
  Charakter  angesichts  der  überaus  stark
besetzten  Reihen  im  Haus  und  auf  den  Tribünen.
  Der  Reichskanzler  war  heute  nicht  anwesend.
  .

 

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