436 Sachsen von 1815—1833.
des Tumults wurden ergriffen und wanderten auf den Königstein.
Die sowohl von dem österreichischen als dem preußischen
Gesandten angebotene Truppenhilfe wurde von der Regierung
aus triftigen Gründen abgelehnt. Am 11ten machte die Commission
bekannt, daß sie beauftragt sei, Wünsche und Anträge
über städtische Angelegenheiten anzunehmen, worauf am 12ten
Bürgerversammlungen zu Erörterung der Hauptbeschwerden
zusammentraten, die in der Altstadt sieben Vertrauensmänner
zu ihren Wortführern erwählte. Tags darauf verkündigte die
Commission, daß der Stadtrath unter Verzicht auf sein Privilegium
keine Kämmereirechnung abzulegen künftig die jährlichen
Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben den von der
Commune zu erwählenden Repräsentanten zur Prüfung und
Genehmigung vorlegen werde.
Hätte die Aufregung bloß in der Unzufriedenheit über locale
Mißstände ihren Grund gehabt, so wäre hiermit ihr Ziel
erreicht gewesen. Aber sie erstreckte sich weiter. Zwar standen
auch in den Petitionen der dresdener Bürgerschaft die städtischen
Beschwerden obenan, mehrere derselben aber richteten sich
auch auf die allgemeinen Landesangelegenheiten; namentlich die
von dem Obersteuerprocurator H. G. Eisenstuck, einem Manne
des höchsten öffentlichen Vertrauens, verfaßte der Neustadt forderte
baldigste Berufung der Stände, Vorlage des Budgets,
Reform der ständischen Vertretung, Preßfreiheit, Aufhebung des
Geleites, Belebung der Industrie, Ersparungen im Staatshaushalte,
Erledigung der kirchlichen Beschwerden, Sicherstellung
gegen das Einschleichen der Jesuiten. Dazwischen erhob sich in
den Reihen der Bürgergarde immer lauter der Ruf, der
König möge zu Gunsten des Prinzen Friedrich abdanken; nicht
als ob die sächsische Gutmüthigkeit an eine gewaltsame Ent—
thronung gedacht hätte, aber man wollte ihn in aller Ehrerbietung,
äußerstenfalls durch einmüthige Kundgebung des allgemeinen
Volkswunsches dahin bringen, selbst aus Rücksicht auf
die Wohlfahrt des Landes diesen Entschluß zu fassen. Sobald
der Prinz von diesem Vorhaben Kunde erhielt, ließ er den
Geheimenrath v. Könneritz zu sich rufen. „Nimmermehr“,