Geschichte des Mädchenbild ‚esens in Deutschland. 279
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bildung, die im August 1873 stattfand). Zur Teilnahme waren einzelne
Rektoren, l.chrer und Lehrerinnen von Seminaren und öffentlichen
und privaten höheren Mädchenschulen berufen.
Wie die Weimarer Versammlung war auch diese Konferenz der
„\nsicht, daß sich die Bildung der Mädchen auch durch ihren inneren
pädagogischen Charakter von der der Knaben zu unterscheiden habe.
Fs mußte, so meinten die meisten der anwesenden Vertreter der
Mädchenschule, der Mädchenunterricht weniger die intellektuelle als
die ethische und ästhetische Seite betonen. Um nun dieses Ziel den
Anforderungen der verschiedenen Stände und Bildungsstufen entsprechend
zu erreichen, sollten, nach der Ansicht der Konferenz,
außer der Volksschule sowohl mittlere als höhere Mädchenschulen bestehen.
Die Mittelschule für Mädchen sollte der Mittelschule für die
männliche Jugend, deren Charakter im Zusammenhang einer ähnlichen
Konferenz über das Volksschulwesen socben festgesetzt war,
ungefähr entsprechen. Sie sollte sich in der Art der Bildung, die sie
über die Volksschule hinaus gewährte, nach den Bedürfnissen des
kleineren Mittelstandes richten, d.h. nmichr die praktischen und realistischen
Fächer betonen, als die wissenschaftlichen und ästhetischen.
las Kennzeichen der Mittelschule ist die Aufnahme einer fremden
Sprache in den Lehrplan. Die schulmäßige Fortsetzung der Mittelschule
sollte die gewerbliche Fortbildungsschule bilden. Wo das Bedürfnis
zur Einrichtung mittlerer oder höherer Mädchenschulen vorliege
und die Kräfte der Gemeinden dazu nicht ausreichten, sollte
nach Ansicht der Konferenz der Staat in demselben Umfange wie bei
den Gymnasien und Realschulen Beihilfen zu leisten haben. Bei der
Hrörterung, welche Unterrichtsstoffe die höhere Mädchenschule unfassen
sollte, wurden die von einigen Teilnehmern vertretenen Ideen,
daß die höhere und mittlere Mädchenschule auf der Elementarschule
aufbauen, also die gesamte Mädchenbildung in der Volksschule ihren
gemeinsamen Unterbau haben sollte, von der Mehrzahl der Teilnehmer
abgelehnt, da die Elementarschule für die Ziele der höheren Mädchenschule
nicht in geeigneter Weise vorbereiten könne. Die für die
einzelnen Klassen notwendige wöchentliche Stundenzahl wurde auf
22_—-24 für die Unterstufe, auf 30 als Maximun für Mittel- und Oberstufe
festgesetzt. Für die einzelnen Lehrgegenstände wurden folgende
Ziele aufgestellt: (es werden hier die Beschlüsse im Wortlaut wieder-I)
Protokolle über die im August 1873 im Königl. Preuß. Unterrichtsministerium
gepflogenen, das mittlere und höhere Mädchenschulwesen betreffenden Verhandlungen.