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scheinet. inde apharet, eolligitur, vgl. erscheinen;
sonst in schärsster Bed. im Gegensatz zu Wahrheit und
Wefen: von auszen scheinct jr fur den menschen from,
aber inwendig seid jr voller heuchelei und untugent
Matth. 23, 23; das die metzger das fleisch, damit es
desto mehr (größer) scheine, aufzublasen pflegen Zinkgref“
1, 321; gelrau ich mir zu sein, was sie zu
scheincn nur verstand Schiller 5, 132; so laszt mich
scheincn, bis ich werde Goethe W. Meister 8, 2; abwesend
schein ich nur, ich bin entzüuckt! Tasso 1, 3;
— in milderer Bed. — den Anschein haben; in neuerer
Spr. recht ausgebildet; mit benanntem Subj., in mannigsacher
Fügung: er scheinct cin ebrlicher mann zu sein,
Mecsen boni viri prachet Stieler; dazu sechien
Lubeek der rechte ort Häusser d. Gesch. 3, 39; deine
Hüsze schinen flugel Grabbe 1, 345; Sie scheinen
sich auf dergleichen hande! zu verstehen Benedix
rel. Stud. 3, 16; der mann scheint sieher, die verhältnisse
scheinen geordnet, u. s. w.; deshalb scheint eine
verständigung durchaus nöthig Moltke 4, 118; (eine
Frage) die mir der muahe noch weniger wert schien
Bismarck Red. 3, 164; dasz nicht der erfolg mehr
die natürliche frucht seiner tugend als ein geschenk
des zufalls zu scin geschienen hätte Wieland gold.
Sp. 2, 9; mit allgemeinem es: wie es echeint, u4
videtur, es scheinct, dasz ich verloren bin, videor
neriisse Steinbach; es schien Ihnen weit bequemecr,
dasz mun für hundert herrlichkeiten nur ein wohlbesetztes
obergericht . hätte Möser Phant. 4, 169;
der herr vorredner hat auch diesen und, wie mir scheint,
die ganze weltlage, aus dem ausschlicszlich schleswigholsteinschen
standpunkte aulgefasat Bismarck Red.
3, 52; es scheint, man ist zufrieden, als ob man zufricden
ist (sci), u. a.; in den Partizipien: meine vielleicht
nur scheinende, vielleicht würkliche narrheit
Lefsing 3, 226; zerstörte eine wirkliche welt, um
eine neue, bisher unbekanntc, kaum möglich geschienene
wicder hervor zu bauen Goethe 53, 127; im substantiven
Inf.: unterschied zwischen scheinen und sein
Wieland Danischm. 27; — in der gewöhnlichen heutigen
Spr. auch in bedeutendem Sinne, — guten Anschein
haben, gut, passend aussehen: der vorschlug
scheint mir; das scheint mir nicht.
Scheiße, l. das Kotauswerfen durch den After, und
das so Ausgeworfene, mhd. schize; als Krankheit, in
älterer Spr. in anständiger, setzt nur in ganz roher
Rede, — Durchfall. — scheißen, Kot durch den Asler
answerfen; gemeingerm., goth. nicht bezeugtes Wort,
altnord. skita, allengl. seitan, ahd. seizan. moͤd. schizen,
ursprünglich als verhüllend auch in anständiger Rede
gebraucht, mit dem ältesten Sinn beflecken, besudeln
(vgl. bescheiszen), in neuerer Spr. als ganz niedriger
Ausdruck gemieden; — übertragen: ist .. cin bienlin
auch ein teins thicrlin, das honig scheiszt Garg. 38.
Scheit, u. gespaltenes Stück Holz; dem Gemeingermanischen
angehörig, allnord. skio, altengl. seid.
altfries. skid. ahd. scit, mhd. sehit, urverwandt zu griech.
schizn Scheit, litt. skéda Span, zu scheiden in seiner
ursprünglichen Bed. (s. d.) gehörig; Plur. im Mbd.
schit und schiter, uhd. scheite und schciter; Spaltholz:
scheite schlagen, holz zu scheiten schlagen Adelung;
gieszbäche, fszt zu thal geröll und scheiter
Heyse 1, 257; befonders zum Brennen: das hurneholz,
Schiter oder wellen D. Städtechr. 8, 865; das
feuer will erlöschen, das letzte schcit vergluht Schesfel
Tromp. 246; schob stets scheit um scheit in den olen
Nosegger Waldheim. 2, 152; dann flammen reisig und
scheite Goethe Eleg. l. 9; häuften empor auf die
scheiter die leichnume Voß JIl. 7, 128; im zusammenfassenden
Sing.: sie stoppelt schcit und stroh.. zu
sammen Hagedorn Fab. 1, 68; in Bildern: die wissenschaft
iet wie ein groszes feuer, . ich gehörc zu
scheinen — Scheit.
300
denen, welche die pflicht haben, immer neuc scheite
in das grosze feuer zu wersen Freytag Handschr. 1, 95;
feuer .zu dem Sie die scheite getragen haben Ahnen
6, 211; im Vergleiche unbeweglich, fuhllos wie ein
scheit; so durr als ein scheit Klagel. Jer. 4, 8; —
Knüppel, Bengel, Stecken: hie erwischt der wirt ein
schit und sluoc die vronwe Ges. Abent. 2, 247; noch
als stangenarliges Gerät in Zufammensetzungen, grab--,
lenk-, ort-, zug-, rühr-, richtschcit u. a.; — der Plur.
mit dem Beisinn des Zerbrochenen in der Redensart
zu scheitcren gehen, perire Schottel; zu scheidtern
geben, interire, dbfre in agmenta Steinbach;
gieug jbr (der Feinde) ein grosze meng zu scheitern
Zinkgres 1, 353; eingeengt auf den Schiffbruch: ein
schiff geht in scheiter, zu scheitern Adelung; da
das schiff zu grund ging, was sollen die schciter tunn?
Platen Gas. 128; Klopstock hat hieraus ein Fem.
scheiter — Schiffsüberbleibsel gebildet: weit hinah an
dem brausenden gestade lags von der scheiter umher
2,12. — Dazu: Scheikerhanfen, m. Haufen von Scheitern,
Holzstoß zum Verbrennen, trues, rogus Stieler; zum
Verbrennen von Leichen: will mit blutgen thränen
dir den scheiterhaufen bann Ramler 2, 78; von Ketzern:
die scheiterhaufen der inquisition.
Scheitel, m. l. oberste Kopfspitze und Haarscheide,
die von da aus geht, ahd. sceitila, mbd. secheitele,
scheitel, zu scheiden gehörig; neben dem in aller Spr.
allein bezeugten Fem. hat sich späler das Masc. herausgebildet
und in neuerer Spr. die Oberhand gewonnen.
Bed. oberste Stelle des Haupts, obere haarbewachsene
Gegend des Kopfes: rerle.r scheitel, schcidel, schedel,
niederd. scheidel upt hoefft Dies.; wird der herr den
scheitel der tochter Zion kal machen Jes. 3, 17; (Locke
die) die zierde meiner scheitel war Namler 1, 91;
gewandter herr mit kahlem schcite! Freptag Bild.
1, 330; gesalbt, mit Lorbeer gekrönt bei Fürsten und
Dichtern: das heilge öl hat seine schcitel noch nicht
benctzt Schiller Jungfr. 3, 4; dessen sehcitel unbethränter
lorbeer decket U;##l, 165; wo Apoll . . das
laub der Daphne pfluckt, die nic beschorne scheitel
zu bekrönen Platen gläs. Pantoff. 2; bei Bestimmung
einer Erstreckung: von der fussolen an bis auf scine
scheitel Hiob 2, 7; schildert ibn vom fersen bis zur
scheitel Wicland Ob. 9, 13; modern vom scheitel bis
zur sohle Benedix Wespe 1, 4; in Nedewendungen:
sein unglück wird anf seinen kopf komen, und scin
krevel auf scine scheitel fallen Ps. 7, 17; noch lebt des
helden geist in seinem heer, und curc scheitel wird es
lahlen Ev Kleist Eissides u. Paches 3, 41; er thät die
kronc anf dem scheitel tragen Strachwitz Ged. 133; —
Haar, das vom Scheitel aus geteilt ist: einen geraden.
schiefen scheitel, den schcitel in der mitte haben; er
kümmt sein haar zurlck und trügt kcinen schcitel: ugl.
scheiteln; — übertragen, geradezu für Kopf: der graucn
scheitel füllt das lernen schwer Geibel 7,16; = Oberstes,
Gipfel: des himmels blitz tritlt deine (eines Baumes)
scheitel nie Cronegk 2, 327; der worgen rüthete
schon der berge scheitel Wieland Am. 5, 13; die
sonnc glitt hinter den schnccigen scheiteln der alpen
nieder Rofegger Waldheim. 2, 253; im scheitel (der
Wölbung) Moltke 1, 269; scheitel einer Curve, einer
Linie, Endpunlie des Durchmessers; scheitel bei Vögeln
mittlere Gegend der Oberfeile des Kopfes bis ans
Genick, bei Würmern oberste Hervorragung des Rückens
Campe.— Zusammensetzungen: Scheilelbein, u. Knechen,
deren mehrere den Scheitel bilden. — Scheitelhaar, n.
Haar auf dem Scheitel, Kopfhaar: dasz uber meinem
braunen scheitelhaur dic sehncellen jahre machtlos hingegangen
Schiller Wallenst. Tod 5, 5. — ScheitelpFuult,
m. der über dem Scheitel eincs Beobachters befindliche
Punkt am Himmel, Zenith. — scheitelrecht,
senkrecht über einem Scheitel, Verdeutschung des fremden
Scheiterhaufen — scheitelrecht.