Metadata : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

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scheinet.  inde  apharet,  eolligitur,  vgl.  erscheinen;
sonst  in  schärsster  Bed.  im  Gegensatz  zu  Wahrheit  und
Wefen:  von  auszen  scheinct  jr  fur  den  menschen  from,
aber  inwendig  seid  jr  voller  heuchelei  und  untugent
Matth.  23,  23;  das  die  metzger  das  fleisch,  damit  es
desto  mehr  (größer)  scheine,  aufzublasen  pflegen  Zinkgref“
  1,  321;  gelrau  ich  mir  zu  sein,  was  sie  zu
scheincn  nur  verstand  Schiller  5,  132;  so  laszt  mich
scheincn,  bis  ich  werde  Goethe  W.  Meister  8,  2;  abwesend
  schein  ich  nur,  ich  bin  entzüuckt!  Tasso  1,  3;
—  in  milderer  Bed.  —  den  Anschein  haben;  in  neuerer
Spr.  recht  ausgebildet;  mit  benanntem  Subj.,  in  mannigsacher
  Fügung:  er  scheinct  cin  ebrlicher  mann  zu  sein,
Mecsen  boni  viri  prachet  Stieler;  dazu  sechien
Lubeek  der  rechte  ort  Häusser  d.  Gesch.  3,  39;  deine
Hüsze  schinen  flugel  Grabbe  1,  345;  Sie  scheinen
sich  auf  dergleichen  hande!  zu  verstehen  Benedix
rel.  Stud.  3,  16;  der  mann  scheint  sieher,  die  verhältnisse
  scheinen  geordnet,  u.  s.  w.;  deshalb  scheint  eine
verständigung  durchaus  nöthig  Moltke  4,  118;  (eine
Frage)  die  mir  der  muahe  noch  weniger  wert  schien
Bismarck  Red.  3,  164;  dasz  nicht  der  erfolg  mehr
die  natürliche  frucht  seiner  tugend  als  ein  geschenk
des  zufalls  zu  scin  geschienen  hätte  Wieland  gold.
Sp.  2,  9;  mit  allgemeinem  es:  wie  es  echeint,  u4
videtur,  es  scheinct,  dasz  ich  verloren  bin,  videor
neriisse  Steinbach;  es  schien  Ihnen  weit  bequemecr,
dasz  mun  für  hundert  herrlichkeiten  nur  ein  wohlbesetztes
  obergericht  .  hätte  Möser  Phant.  4,  169;
der  herr  vorredner  hat  auch  diesen  und,  wie  mir  scheint,
die  ganze  weltlage,  aus  dem  ausschlicszlich  schleswigholsteinschen
  standpunkte  aulgefasat  Bismarck  Red.
3,  52;  es  scheint,  man  ist  zufrieden,  als  ob  man  zufricden
  ist  (sci),  u.  a.;  in  den  Partizipien:  meine  vielleicht
  nur  scheinende,  vielleicht  würkliche  narrheit
Lefsing  3,  226;  zerstörte  eine  wirkliche  welt,  um
eine  neue,  bisher  unbekanntc,  kaum  möglich  geschienene

wicder  hervor  zu  bauen  Goethe  53,  127;  im  substantiven
  Inf.:  unterschied  zwischen  scheinen  und  sein
Wieland  Danischm.  27;  —  in  der  gewöhnlichen  heutigen
  Spr.  auch  in  bedeutendem  Sinne,  —  guten  Anschein
  haben,  gut,  passend  aussehen:  der  vorschlug
scheint  mir;  das  scheint  mir  nicht.

Scheiße,  l.  das  Kotauswerfen  durch  den  After,  und
das  so  Ausgeworfene,  mhd.  schize;  als  Krankheit,  in
älterer  Spr.  in  anständiger,  setzt  nur  in  ganz  roher
Rede,  —  Durchfall.  —  scheißen,  Kot  durch  den  Asler
answerfen;  gemeingerm.,  goth.  nicht  bezeugtes  Wort,
altnord.  skita,  allengl.  seitan,  ahd.  seizan.  moͤd.  schizen,
ursprünglich  als  verhüllend  auch  in  anständiger  Rede
gebraucht,  mit  dem  ältesten  Sinn  beflecken,  besudeln
(vgl.  bescheiszen),  in  neuerer  Spr.  als  ganz  niedriger
Ausdruck  gemieden;  —  übertragen:  ist  ..  cin  bienlin
auch  ein  teins  thicrlin,  das  honig  scheiszt  Garg.  38.

Scheit,  u.  gespaltenes  Stück  Holz;  dem  Gemeingermanischen
  angehörig,  allnord.  skio,  altengl.  seid.
altfries.  skid.  ahd.  scit,  mhd.  sehit,  urverwandt  zu  griech.
schizn  Scheit,  litt.  skéda  Span,  zu  scheiden  in  seiner
ursprünglichen  Bed.  (s.  d.)  gehörig;  Plur.  im  Mbd.
schit  und  schiter,  uhd.  scheite  und  schciter;  Spaltholz:
  scheite  schlagen,  holz  zu  scheiten  schlagen  Adelung;
  gieszbäche,  fszt  zu  thal  geröll  und  scheiter
Heyse  1,  257;  befonders  zum  Brennen:  das  hurneholz,
  Schiter  oder  wellen  D.  Städtechr.  8,  865;  das
feuer  will  erlöschen,  das  letzte  schcit  vergluht  Schesfel
Tromp.  246;  schob  stets  scheit  um  scheit  in  den  olen
Nosegger  Waldheim.  2,  152;  dann  flammen  reisig  und
scheite  Goethe  Eleg.  l.  9;  häuften  empor  auf  die
scheiter  die  leichnume  Voß  JIl.  7,  128;  im  zusammenfassenden
  Sing.:  sie  stoppelt  schcit  und  stroh..  zu
sammen  Hagedorn  Fab.  1,  68;  in  Bildern:  die  wissenschaft
  iet  wie  ein  groszes  feuer,  .  ich  gehörc  zu

scheinen  —  Scheit.

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denen,  welche  die  pflicht  haben,  immer  neuc  scheite
in  das  grosze  feuer  zu  wersen  Freytag  Handschr.  1,  95;
feuer  .zu  dem  Sie  die  scheite  getragen  haben  Ahnen
6,  211;  im  Vergleiche  unbeweglich,  fuhllos  wie  ein
scheit;  so  durr  als  ein  scheit  Klagel.  Jer.  4,  8;  —
Knüppel,  Bengel,  Stecken:  hie  erwischt  der  wirt  ein
schit  und  sluoc  die  vronwe  Ges.  Abent.  2,  247;  noch
als  stangenarliges  Gerät  in  Zufammensetzungen,  grab--,
lenk-,  ort-,  zug-,  rühr-,  richtschcit  u.  a.;  —  der  Plur.
mit  dem  Beisinn  des  Zerbrochenen  in  der  Redensart
zu  scheitcren  gehen,  perire  Schottel;  zu  scheidtern
geben,  interire,  dbfre  in  agmenta  Steinbach;
gieug  jbr  (der  Feinde)  ein  grosze  meng  zu  scheitern
Zinkgres  1,  353;  eingeengt  auf  den  Schiffbruch:  ein
schiff  geht  in  scheiter,  zu  scheitern  Adelung;  da
das  schiff  zu  grund  ging,  was  sollen  die  schciter  tunn?
Platen  Gas.  128;  Klopstock  hat  hieraus  ein  Fem.
scheiter  —  Schiffsüberbleibsel  gebildet:  weit  hinah  an
dem  brausenden  gestade  lags  von  der  scheiter  umher
2,12.  —  Dazu:  Scheikerhanfen,  m.  Haufen  von  Scheitern,
Holzstoß  zum  Verbrennen,  trues,  rogus  Stieler;  zum
Verbrennen  von  Leichen:  will  mit  blutgen  thränen
dir  den  scheiterhaufen  bann  Ramler  2,  78;  von  Ketzern:
die  scheiterhaufen  der  inquisition.

Scheitel,  m.  l.  oberste  Kopfspitze  und  Haarscheide,
die  von  da  aus  geht,  ahd.  sceitila,  mbd.  secheitele,
scheitel,  zu  scheiden  gehörig;  neben  dem  in  aller  Spr.
allein  bezeugten  Fem.  hat  sich  späler  das  Masc.  herausgebildet
  und  in  neuerer  Spr.  die  Oberhand  gewonnen.
Bed.  oberste  Stelle  des  Haupts,  obere  haarbewachsene
Gegend  des  Kopfes:  rerle.r  scheitel,  schcidel,  schedel,
niederd.  scheidel  upt  hoefft  Dies.;  wird  der  herr  den
scheitel  der  tochter  Zion  kal  machen  Jes.  3,  17;  (Locke
die)  die  zierde  meiner  scheitel  war  Namler  1,  91;
gewandter  herr  mit  kahlem  schcite!  Freptag  Bild.
1,  330;  gesalbt,  mit  Lorbeer  gekrönt  bei  Fürsten  und
Dichtern:  das  heilge  öl  hat  seine  schcitel  noch  nicht
benctzt  Schiller  Jungfr.  3,  4;  dessen  sehcitel  unbethränter
  lorbeer  decket  U;##l,  165;  wo  Apoll  .  .  das
laub  der  Daphne  pfluckt,  die  nic  beschorne  scheitel
zu  bekrönen  Platen  gläs.  Pantoff.  2;  bei  Bestimmung
einer  Erstreckung:  von  der  fussolen  an  bis  auf  scine
scheitel  Hiob  2,  7;  schildert  ibn  vom  fersen  bis  zur
scheitel  Wicland  Ob.  9,  13;  modern  vom  scheitel  bis
zur  sohle  Benedix  Wespe  1,  4;  in  Nedewendungen:
sein  unglück  wird  anf  seinen  kopf  komen,  und  scin
krevel  auf  scine  scheitel  fallen  Ps.  7,  17;  noch  lebt  des
helden  geist  in  seinem  heer,  und  curc  scheitel  wird  es
lahlen  Ev  Kleist  Eissides  u.  Paches  3,  41;  er  thät  die
kronc  anf  dem  scheitel  tragen  Strachwitz  Ged.  133;  —
Haar,  das  vom  Scheitel  aus  geteilt  ist:  einen  geraden.
schiefen  scheitel,  den  schcitel  in  der  mitte  haben;  er
kümmt  sein  haar  zurlck  und  trügt  kcinen  schcitel:  ugl.
scheiteln;  —  übertragen,  geradezu  für  Kopf:  der  graucn
scheitel  füllt  das  lernen  schwer  Geibel  7,16;  =  Oberstes,
Gipfel:  des  himmels  blitz  tritlt  deine  (eines  Baumes)
scheitel  nie  Cronegk  2,  327;  der  worgen  rüthete
schon  der  berge  scheitel  Wieland  Am.  5,  13;  die
sonnc  glitt  hinter  den  schnccigen  scheiteln  der  alpen
nieder  Rofegger  Waldheim.  2,  253;  im  scheitel  (der
Wölbung)  Moltke  1,  269;  scheitel  einer  Curve,  einer
Linie,  Endpunlie  des  Durchmessers;  scheitel  bei  Vögeln
mittlere  Gegend  der  Oberfeile  des  Kopfes  bis  ans
Genick,  bei  Würmern  oberste  Hervorragung  des  Rückens
Campe.—  Zusammensetzungen:  Scheilelbein,  u.  Knechen,
deren  mehrere  den  Scheitel  bilden.  —  Scheitelhaar,  n.
Haar  auf  dem  Scheitel,  Kopfhaar:  dasz  uber  meinem
braunen  scheitelhaur  dic  sehncellen  jahre  machtlos  hingegangen
  Schiller  Wallenst.  Tod  5,  5.  —  ScheitelpFuult,
  m.  der  über  dem  Scheitel  eincs  Beobachters  befindliche
  Punkt  am  Himmel,  Zenith.  —  scheitelrecht,
senkrecht  über  einem  Scheitel,  Verdeutschung  des  fremden

Scheiterhaufen  —  scheitelrecht.