Metadata : Deutsche Geschichte. Erster Band. (1)

Yudmwig  der  Deutjche.  Vertrag  von  Berdun  18431.  119

fiichen  Lande  hineinführten.  Eine  andere  Not  drängte  im  Süden:
von  Afrifa  her  Hatten  jeit  827  die  Araber,  im  Bejib  einer  Seemacht,
  auf  Sizilien  Fuß  gefaßt  und  machten  fi)  auch  im  unteren
Italien  Raum.  Und  nicht  minder  dringend  |prachen  die  Verhältnifle
im  Innern.  So  fam  denn  im  folgenden  Jahre,  Auguft  843,  eine
Berjtändigung  zustande  in  dem  berühmten  Bertrag  von  Birodunum
oder  Berdun.  Er  ist  für  die  beiondere  Gefchichte  des  Deutjchen
Bolfes  gewiffermaßen  der  Ausgangspunkt,  indem  er  Dftfranfenund
  Weftfranfenland  deutlich  chied:  Ludwig  erhielt  das  Gebiet
öftlic)  vom  NAhein  und  auf  deifen  linfem  Ufer  noc  Speyer,  Worms
und  Mainz  zugejchieden;  Karl  das  weitli  von  Maas,  Schelde  und
Nhone  gelegene  Land;  Lothar  mit  der  Katferwürde  das  zwilchen
beiden  gelegene  —  ein  verhältnismäßig  fchmales  Gebiet  von  Stalien
bi3  Friesland,  germanische  und  romanische  Bevölferungen  —,  ein
fünjtliches  Gebilde,  Lothari  regnum,  aus  dem  erjt  durch  die  Ereignifje
  wieder  eine  bejtimmte  Größe  und  ein  ewiger  Yanfapfel  zwilchen
dem  öftlichen  und  dem  weltlichen  Bolfe  herporging,  Zothringen.
Ludwig  der  Deutjche  regierte  noch  bi3  876,  ein  tüchtiger,
fraftooller  Negent:  da3  Zwilchenreich  verjchwand  mit  Zotharz  II
Tode,  und  der  Verduner  Vertrag  wurde  nun  erjebt  durch  einen
ZeilungSvertrag  zwilchen  Ludwig  dem  Deutichen  und  Karl  dem
Kahlen  zu  Merjen,  der  Ludwig  den  öftlihen  Teil  von  Lothars
Neich,  mit  einem  Teil  Frieslands,  germanische  Bevölferungen,  zumiesg,
jo  daß  jebt  der  Nhein  von  der  Quelle  bis  zur  Mündung  durd)
deutiches  Land  flog.  ES  wird  berichtet,  daß  Ludwigs  Söhne,  Karlmann,
  Yudwig  und  Karl,  nach  de8  Vaters  Tod  im  Niesgau  beim
heutigen  Nördlingen  zufammenfamen,  da  wo  Schwaben,  Oftfranfen
und  Bayern  fich  berührten,  und  das  Reich  unter  fich  teilten:  der
eritere  erhielt  Bayern  und  die  Oftmark,  Ludwig  Oftfranfen,  Thüringen,
  Sachjen  und  Friesland,  Karl  Alemannien,  während  Lothars
ehemaliges  Neich  auf  die  beiden  lebteren  je  zur  Hälfte  übergehen
\ollte.  Der  weitfräntiiche  König,  Karl  der  Kahle,  —  von  unruhigen
Ehrgeiz  erfüllt,  auf  Zanderwerb  erpicht,  Schon  ein  echter  Franzofe  —
wollte  fich  den  Todesfall  zunuge  machen,  wurde  aber  von  Xudwigs