Full text : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Fünfzehnter Jahrgang. 1887. (15)

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zur

Ausfüllung  der  Fragebogen.

Zu  I  und  II.  Die  Vertheilung  des  aufzunehmenden  Personals  und  der  pharmazeutischen  Anstalten
auf  größere,  mittlere  und  kleine  Gemeinden  hat  unter  Zugrundelegung  der  bei  der  letzten  allgemeinen  Volkszählung
  vom  1.  Dezember  1885  ermittelten  Bevölkerungszahl  stattzufinden.  Soweit  das  endgültige  Ergebniß  der
Zählung  noch  nicht  vorliegt,  sind  die  bekannt  gewordenen  vorläufigen  Resultate  zu  Grunde  zu  legen.

Zu  I  1 a.  Unter  A)  sollen  nur  diejenigen  zur  Führung  des  Titels  Arzt  berechtigten  Medizinalpersonen
  ersichtlich  gemacht  werden,  welche  für  das  große  Publikum  thatsächlich  als  Aerzte  thätig  sind,  also
dem  ärztlichen  Bedürfnisse  der  Bevölkerung  genüge  zu  leisten  suchen.  Es  sind  daher  hier  nicht  aufzunehmen:

a)  Aerzte  in  solcher  Beamtenstellung,  welche  eine  berufsmäßige  Nebenbeschäftigung  mit  ärztlicher
Praxis  ausschließt,  z.  B.  Ministerialbeamte,  Leiter  und  Assistenten  anatomischer  und  physiologischer

Institute  2c. ;

b)  Aerzte,  die  sich  gänzlich  von  der  Praxis  zurückgezogen  haben,  z.  B.  diejenigen  inaktiven  Militärärzte,
welche  Civilpraxis  nicht  ausüben,  oder  welche  da,  wo  eine  Anmeldung  ihrer  praktischen  Thätigkeit
als  Civilärzte  bei  der  Behörde  vorgeschrieben  ist,  solche  nicht  bewirkt  haben;

c)  die  kontraktmäßig  ausschließlich  für  bestimmte  Anstalten,  z.  B.  für  Irrenanstalten,  große
Krankenhäuser  angestellten  Aerzte.

Die  letzteren  (c)  sind  unter  B)  aufzuführen,  die  vorstehend  unter  a  und  b  ausgenommenen  Aerzte

werden  bei  der  Aufnahme  überhaupt  nicht  berücksichtigt.

Den  praktizirenden  Aerzten  beizurechnen  und  mithin  unter  A)  aufzunehmen,  sind  diejenigen  klinischen
Lehrer,  Anstaltsärzte  und  Professoren,  welche,  wenn  sie  auch  grundsätzlich  eine  hausärztliche  Praxis  nicht
betreiben,  doch  zur  Mitbehandlung  einzelner  Krankheitsfälle  zugezogen  werden.

Ferner  sind  unter  A)  mitzuzählen  alle  den  Aerzten  gesetzlich  gleichgestellten  Medizinalpersonen,  beispielsweise
  die  ehemaligen  Wundärzte  1.  Klasse  in  Preußen  und  Württemberg,  die  ehemaligen  medici  practici
  (Aerzte  2.  Klasse)  im  Königreich  Sachsen,  die  officiers  de  santé  in  Elsaß=Lothringen.

Zu  I  2.  In  die  Rubrik  derjenigen  approbirten  Medizinalpersonen,  welche  nach  §.  29  der  Gewerbeordnung
  den  Titel  „Arzt“  nicht  führen  dürfen,  gehören,  abgesehen  von  den  lediglich  als  Zahnärzte  approbirten
Personen,  welche  gesondert  aufzuführen  sind,  nur  solche  Personen,  deren  Approbation  fernerhin  nicht  mehr
stattfindet,  deren  Zahl  also  in  steter  Abnahme  begriffen  ist,  z.  B.  in  Preußen  die  Wundärzte  2.  Klasse,  in
Bayern  die  Landärzte,  in  Württemberg  die  Wundärzte  2.  und  3.  Klasse.

Ob  die  in  Mecklenburg  und  einigen  mitteldeutschen  Bundesstaaten  noch  vorhandenen  Wundärzte
2.  Klasse,  welche  nur  zur  Ausübung  der  niederen  Chirurgie  berechtigt  sind,  in  dieser  oder  in  der  nächstfolgenden
  Kategorie  (Heildiener)  gezählt  werden,  ist  von  den  betreffenden  Regierungen  zu  bestimmen,  da  die
Stellung  und  der  Umfang  der  Befugnisse  dieser  Medizinalpersonen  nicht  überall  gleich  ist.

Zu  I  3.  Dem  bei  der  früheren  Aufnahme  gewählten  Ausdrucke  „Heildiener“  sind  die  in  einzelnen
deutschen  Staaten  üblichen  anderen  Bezeichnungen  dieser  Kategorie  von  Medizinalpersonen  beigefügt.  Zu
beachten  ist,  daß  nur  solche  Heildiener  2c.  mitzuzählen  sind,  welche  eine  staatliche  Prüfung  abgelegt  haben.

Der  Königlich  bayerischen  Regierung  wird  anheimgestellt,  ob  eine  Mitaufnahme  der  Badergehülfen,
welche  die  Vorprüfung  bestanden  haben,  stattfinden  soll.  Eine  bezügliche  Mittheilung  wird  dem  Gesundheitsamt
  bei  Uebersendung  der  Ergebnisse  der  Aufnahme  zu  machen  sein.

Die  „geprüften  Barbiere“  in  Schwarzburg=Sondershausen  sind  ebenso  wie  die  nach  kurzer  Ausbildung
  zur  Ausübung  einer  gewissen  Praxis  zugelassenen  Barbiere  in  Reuß  ä.  L.  hier  mitzuzählen.