Volltext : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Sechzehnter Jahrgang. 1888. (16)

Il.  Amtliche
Beglaubigung.
16.  Prüfung  durch

die  Normal-Aichungs-Kom-





17.  Anlegung  amtlicher
  Verschlüsse
für  die  Versendung.

III.
Aufstellung.
18.  Ort  der  Aufstellung.


16.  Jeder  für  steuerliche  Zwecke  bestimmte  Alkoholmesser  wird  vor  seiner  Versendung  der
Kaiserlichen  Normal-Aichungs-Kommission  zur  Prüfung  gestellt.  Ergiebt  die  letztere,  daß  der  Meßapparat
  zur  Feststellung  der  aus  der  Maische  gewonnenen  geistigen  Flüssigkeit  nach  Menge  und
Stärke  geeignet  ist,  so  wird  von  der  Normal-Aichungs-Kommission  ein  Beglaubigungsschein  ausgestellt,
welcher  dies  bekundet  und  zugleich  das  bei  der  Prüfung  ermittelte  Gewicht  des  Schwimmers  und  der
Probegewichte  sowie  den  etwa  gefundenen  Fehler  des  Raumgehalts  der  Trommel  angiebt.  Der
Schein  nennt  die  Nummer,  welche  der  Apparat  trägt  und  welche  sich  auf  dem  Topf,  seinen  Zuleitungen
  und  Ableitungen,  auf  der  Trommel,  dem  Schwimmer  und  seinem  Gehänge,  dem  Federbock,
dem  Stoßhebel  und  seiner  Lagerschraube,  dem  Fallhebel,  dem  Alkoholrad,  den  Schildern  der  beiden
Zählwerke  und  auf  jedem  der  Probegewichte  vorfindet.  Der  Beglaubigungsschein  geht  durch  Vermittelung
  der  Direktivbehörde  dem  Hauptamt  zu  und  wird  von  diesem  aufbewahrt,  eine  beglaubigte
Abschrift  davon  aber  wird  zum  Belagshefte  der  Brennerei  gebracht.  Von  der  Normal-Nichungs-Kommission
  wird  ferner  die  Länge,  welche  der  Hebelarm  H  bei  der  Prüfung  hatte  (vergl.  unter
Nr.  6),  dadurch  fixirt,  daß  über  den  Rand  der  Exzenterscheibe  am  Fallhebel  (Träger  der  Rolle  v)
und  den  Rand  des  Hebels  hin  parallel  zur  Achse  eine  gradlinige  Marke  eingerissen
wird  (Fig.  3  a).

17.  Nach  Ausführung  der  amtlichen  Prüfung  werden  die  für  steuerliche  Zwecke
brauchbar  befundenen  Alkoholmesser  vom  Fabrikanten  unter  Aufsicht  von  Beamten  der  Normal-Aichungs-Kommission
  für  die  Versendung  vorbereitet.  Zu  diesem  Behufe  werden  zunächst  die  Probegewichte
  in  die  für  ihre  Aufbewahrung  bestimmte  Blechbüchse  eingelegt  und  letztere,  nachdem  sie  in
Papier  eingeschlagen  und  durch  Aufkleben  von  Dienstsiegelmarken  der  Normal-Aichungs-Kommission
gegen  unbefugtes  Oeffnen  gesichert  ist,  mit  dem  Schwiummer  zusammen  in  eine  kleine  Kiste  gestellt.
Hinzugefügt  werden  der  Schwimmerhaken,  ein  Hakenschlüssel  zum  Justiren  der  Feder  und  ein
Mutterschlüssel.  Die  Kiste  wird  gleichfalls  mit  Siegelmarken  der  Normal-Aichungs-Kommssion  verschlossen
  und  hierauf  in  eine  größere  Kiste  gesetzt,  welche  auch  das  Filter  sowie  den  Einsetzkasten  und
den  diesen  umschließenden  Rahmen  (N  in  Fig.  6)  enthält.  Eine  zweite  größere  Kiste  nimmt  die
Trommel  auf,  welche  dabei  durch  Holzstäbe  festgelegt  wird,  so  daß  sie  während  des  Transports  sich
nicht  verrücken  kann.  Die  übrigen  zum  Innern  des  Alkoholmessers  gehörigen  Theile  verbleiben  an
demselben,  doch  werden  die  beweglichen  Stücke  festgebunden  und  die  Achsenlager,  soweit  als  nöthig,
durch  zwischengelegte  Zeugstücke  gegen  Beschädigung  durch  Stöße  auf  dem  Transport  geschützt.  Der
Umschlußkasten  wird  hierauf  in  gehöriger  Weise  um  den  Apparat  gelegt  und  durch  Beamte  der
Normal-Aichungs-Kommission  mit  zwei  Plomben  gesichert.  Für  die  eine  Plombe  wird  eine  Drahtoder
  Schnurverbindung  an  einem  der  beiden  Scharniere  der  Vorderwand  des  Kastens  (k  oder  f
in  Fig.  6,  vergl.  unter  Nr.  14),  für  die  andere  eine  ebensolche  Verbindung  an  einem  der  beiden
Sicherungsbolzen  wi  oder  we  angebracht.  Der  so  plombirte  Kasten  wird  in  eine  dritte  Kiste  eingesetzt,
  welche  auch  die  Sohlplatte  mit  dem  Anker  sowie  die  zum  Transport  des  ganzen  Apparates
bestimmten  eisernen  Tragstangen  (vergl.  unter  Nr.  20)  aufnimmt.  In  einer  vierten  Kiste  endlich
finden  der  Zinksturz  und  der  Untersatz  ihren  Platz.

18.  Die  Aufstellung  des  Alkoholmessers  kann  nur  geschehen,  wenn  die  Brennerei  außer  Betrieb
  ist.  Sie  erfolgt  in  der  Regel  in  dem  Raume,  in  welchem  sich  das  Kühlgeräth  befindet.  Ist
jedoch  letzteres  im  Freien  aufgestellt,  so  erhält  der  Alkoholmesser  seinen  Platz  in  dem  Raumec,  in
welchem  die  Brennvorrichtung  steht.  Für  die  Aufstellung  wird  ein  Flächenraum  von  etwa  1  Meter
im  Geviert  an  durchaus  erschütterungsfreier  Stelle  und  thunlichst  nahe  am  Kühlgeräth  ausgewählt.
Die  Oberkante  des  gemauerten  Fundaments  (Fig.  6  und  6b),  auf  welchem  der  Meßapparat  zu
stehen  kommt,  soll  wenigstens  95  Centimeter  tiefer  liegen  als  die  Unterkante  des  aus  dem  Kühlgeräth
  K  austretenden  Zuflußrohres  r.  Zwischen  dem  Kühlgeräth  und  dem  Meßapparat  wird  das
Filter  eingeschaltet,  dessen  oberer  Theil  zugleich  die  Vorlage  (den  Pistorius'schen  Verschluß)  ersetzt.
Das  Fundament  des  Meßapparates  ist  so  einzurichten,  daß  die  vordere  Seite  des  letzteren  frei  liegt
und  vom  Tageslicht  hinreichend  erhellt  wird,  um  die  Ablesungen  der  Zählwerke  ohne  Hülfe  künstlicher
  Beleuchtung')  ausführen  zu  können;  die  hintere  Seite  soll  mindestens  30  Centimeter  von

*)  Ist  eine  Ablesung  des  Apparates  bei  künstlicher  Beleuchtung  aus  irgend  welchen  Gründen  unumgänglich,

  soo  empfieht  es  sich,  die  Annäherung  einer  offenen  Flamme  zu  vermeiden  und  stets  eine  Laterne  oder  dergl.  zu
verwenden.