GO. Kap. VII §. 2 Nr. 4 und 5. Not.-Ges. Art. 16. 213
selben in der Regel völlig ausgeschlossen. Die einzige
7) Ausnahme bildet die Aufstellung eines Offizialanwaltes
für Genossenschaften und Litiskonsortien
(GO. Kap. VII §S. 2 Nr. 9 und §. 4 Nr. 3)
Sie beruht auf dem Ungehorsame der Parteien gegen
die gesetzliche Vorschrift, daß Genossen eines
Streites zur Vermeidung von Verzögerung, Verwirrung
und Kosten einen gemeinschaftlichen Anwalt
bestellen sollen (Anm. lit. 1 zu §. 4 a. a. O.),
womit die anomale und exzeptionelle Natur der
Vorschrift so deutlich gekennzeichnet ist, daß sie die
aufgestellte Regel nur bestärkt. — Der Thätigkeit
des Anwaltes fällt anheim die Legitimation
zum Prozesse, der Nachweis, daß er als Prokurator,
als Anwalt aufzutreten berechtigt sei, und indem
die Gerichtsordnung (Kap. VII S. 1) ausdrücklich
sagt, die Legitimation geschehe durch die Vollmacht,
zeigt sie deutlich auf die Verschiedenheit beider hin
und rechtfertigt den obigen Ausspruch, daß der Fundamentalsatz
der Gegner auf einer Verwechselung
beider beruhe. — Für die richterliche Thätigkeit
bleibt sonach im Vollmachtspunkte nichts übrig, als:
1) ex ollicio die Aufsicht darauf, daß Niemand
im Prozesse ohne Vollmacht als Prokurator auftrete
und dem entsprechend die Pflicht, unbevollmächtigte
oder nicht rite bevollmächtigte Personen
(falsche Anwälte) abzuweisen (GO. Kap. VII S. 1
und §. 7), so wie bei blos präsumirter Vollmacht
den Quasiprokurator zur Kaution und Beibringung
2) Die s. g. Aufstellung eines Offiziglanwaltes wegen
Armuth der Partei ist deswegen nicht hieher zu
zählen, weil fie nach der richtigen Ansicht nichts
Anderes ist, als die Bezeichnung desjenigen Advokaten,
der nach dem Turnus zunächst verpflichtet
ist, die arme Partei unentgeltlich zu vertreten, wenn
diese sich seiner bedienen will.